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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Asyl: In Deutschland Chance auf eine Zukunft

11.09.2015

Ganderkesee Karin Kattner und Delia Wührdemann sind begeistert: „Das ist ja eine tolle Sache“, sagen sie, als ihnen ein junger Mann vorm Café plötzlich einen Briefumschlag in die Hände drückt. Darin liegt ein Faltblatt mit den Worten: „Danke Deutschland!“ „Wir möchten einmal Danke sagen für die Hilfe und Herzlichkeit, für den Platz in Eurer Mitte, für die Chance auf eine Zukunft“, sagt Basel Taifour, der Initiator dieser ungewöhnlichen Aktion am Donnerstag. Er bedankt sich im Namen der syrischen Flüchtlinge in der Gemeinde.

Bei Sprachvermittlung helfen viele

Die ehrenamtliche Hilfe für die Flüchtlinge soll nach Angaben von Diakonie-Mitarbeiterin Sandra Baba auch die Sprachschulung umfassen. So hätten sich viele Freiwillige gemeldet, die gern Flüchtlingen die deutsche Sprache näherbringen wollen. Dazu finde in Kürze ein Koordinierungstreffen statt.

Die berufsbezogene Deutschförderung, die die regioVHS federführend anbietet, werde ebenso fortgesetzt. Hier könnten zwei neue Kurse mit insgesamt 40 Plätzen erfüllt werden.

Aktuell leben insgesamt 210 Flüchtlinge in der Gemeinde Ganderkesee, darunter 48 aus Syrien. Die alte Aufnahmequote werde kommende Woche erfüllt, so ein Gemeindesprecher.

„Sehr gut aufgenommen“

Der 25-jährige Syrer wollte in seiner Heimatstadt Aleppo eigentlich Jura studieren. Als er zum Militärdienst gezwungen wurde, flüchtete er aus dem Land. Seit einem Jahr lebt er in der Gemeinde und hilft unter anderem bei der Tafel aus. „Ich wurde sehr gut aufgenommen“, sagt er. „Obwohl so viele Flüchtlinge kommen, gibt es eine große Hilfsbereitschaft.“ Jamal A. (34) und Samir A. (37), die vor zwei Monaten aus Damaskus geflohen sind, unterstützen ihn bei der Verteilung der Dankesbriefe.

Basel Taifour ist glücklich, in Ganderkesee seinen Cousin Hikmat Taifour in die Arme schließen zu können. Der 39-Jährige und seine Familie haben eine regelrechte Odyssee hinter sich gebracht. Vor drei Jahren floh er mit seiner Frau und vier Kindern im Alter von drei bis elf Jahren aus Aleppo nach Ägypten, erzählt der Syrer. Dort habe ein Schlepper versprochen, die Familie mit dem Schiff nach Italien zu bringen. Aber nichts geschah. Also zog die Familie weiter nach Libyen. Dort sollte die Flucht gelingen. Bevor sie das Schiff Richtung Italien betraten, wies sie der Schlepper an, möglichst wenig mitzunehmen. Die Überfahrt dauere „nur zwei Stunden“, habe der Mann die Familie angelogen. Also ließen sie alles am Ufer – auch Trinkwasser und Lebensmittel. Tatsächlich dauerte die lebensgefährliche Fahrt übers Mittelmeer mehr als zwei Tage.

„Über 200 Leute waren auf dem Schiff“, erzählt Hikmat Taifour und zeigt ein Bild, das er mit dem Handy gemacht hat. Dicht an dicht hocken dort die Menschen auf den Schiffsplanken. Es gab weder zu trinken noch zu essen. Einige hätten Meerwasser getrunken. In Italien angekommen, wollte seine Tochter Ay­sha (3) zunächst nur noch gesalzenes Wasser trinken.

Die Familie wurde ins Erstaufnahmelager Friedland (Kreis Göttingen) transportiert. Da sie aber schon in München registriert war, musste sie zwischenzeitlich wieder zurück nach Bayern; anschließend ging’s ins Aufnahmelager Friedland. Dort wies Hikmat Taifour darauf hin, dass sein Cousin Basel in Ganderkesee lebe. Mit Unterstützung der Gemeinde machten es die Behörden möglich, dass die Familie hier untergebracht wird. Am Mittwoch kam sie an.

Die Flüchtlinge aus Syrien, die schon länger in der Gemeinde leben, helfen ebenfalls gern ihren Landsleuten, berichtet Sandra Baba, eine von drei Diakonie-Mitarbeiterinnen im Landkreis Oldenburg, die sich um die Migranten kümmert. „Sie erklären, welche Sim-Karte ins Handy passt und wo sie arabische Gewürze kaufen können.“ Die Ausgabestelle der Tafel sei mittlerweile ein Treffpunkt für viele syrische Flüchtlinge geworden.

Status noch ungeklärt

Auch Jamal und Samir hoffen, dass sie möglichst schnell ihre Familien nachholen können. Leider dauere es inzwischen ein Jahr, um ein Visum für Deutschland zu bekommen, wissen die beiden Syrer. Den Aufenthalt in Ganderkesee empfinden sie als „etwas Besonderes“. Hier seien sie sehr gut empfangen worden. Die Ganderkeseer würden immer lächeln. Darum beteiligen sie sich gern an der „Danke-Aktion“ von Basel.

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Der 25-Jährige fühlt sich in Deutschland bereits angekommen, obwohl das Asylverfahren nach einem Jahr noch immer nicht abgeschlossen ist. Eigentlich habe er ja damals nach Dänemark fliehen wollen, verrät der Syrer. Doch das sei längst Vergangenheit: Basel hat sich in Ganderkesee verlobt.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-land 
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Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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