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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

In Hude auf den Spuren von Moby Dick

21.01.2009

HUDE Wenn es um Wale geht, wird Nicholas Redman hellhörig: Der Brite hat nahezu 1000 Relikte von Walknochen, die als Bauteile in Brücken-, Dach- und Stützkonstruktionen und vor allem in Torbögen Verwendung gefunden haben, in einem monumentalen Werk dokumentiert. Redman arbeitet derzeit an einem zweiten Band über Walknochen außerhalb der Britischen Inseln – und darin wird auch Hude Erwähnung finden.

Der Klosterort und Walfang – wie passt das zusammen? Nick Redman ist vom Braker Gert Rosenbohm auf die Spur gebracht worden, die in den Garten des Hauses Marienhude führt. Auf dem Anwesen der früheren Fabrikantenvilla Bornemann, direkt an der Zuwegung zur heutigen Bildungsstätte für Zivildienstleistende des Diakonischen Werkes, liegen vier Walkieferknochen als schmückende Wegbegrenzung.

Rund 100 Jahre alt

Die verwitterten und Moos bewachsenen Kinnladen haben eine Länge von bis zu 4,60 Metern. „Sie stammen wahrscheinlich vom Finnwal“, meint Gert Rosenbohm. Auf etwa 100 Jahre schätzt er das Alter der Knochen. Ihren Zustand stuft Rosenbohm als „sehr schlecht und behandlungsbedürftig“ ein. Der Braker, der von einem Freund aus dem Segelclub auf die Huder Knochen aufmerksam gemacht worden ist, gehört zur Crew des dortigen Schiffahrtsmuseums, zu dessen Themenschwerpunkten der Walfang zählt. Von den oldenburgischen Weserhäfen fuhren in den 40er bis 60er Jahren des 19. Jahrhunderts viele Schiffe ins nördliche Eismeer und in die Südsee zum Walfang.

Um mehr über die Geschichte der Walknochen zu erfahren, hat Rosenbohm Kontakt zum Huder Jürgen Boyn aufgenommen, der in der Nähe vom Haus Marienhude wohnt und als Mitglied der Aktionsgemeinschaft für Hude (AGfH) großes Interesse an Heimatgeschichte hat. Boyn hat recherchiert, dass Fabrikdirektor Georg Bornemann, der die Villa 1905 gebaut hat, die Walknochen nach Hude bringen ließ. Bevor er nach Hude gekommen war, um das Stammwerk der „Bremischen Chemischen Fabriken“ zu gründen und Benzin unter dem Namen „Hudolin“ herzustellen, hatte Bornemann von 1886 bis 1893 in Nordenham eine Benzinfabrik betrieben. In der Hafenstadt hatte der Fabrikant auch die Kapitänstochter Marie Groninger geheiratet.

Jürgen Boyn geht davon aus, dass Bornemann seine guten Kontakte zur Schifffahrt genutzt hat, um sich die ebenso imposanten wie prestigeträchtigen Walüberreste beschaffen zu lassen. Die Knochen sollen auf dem Grundstück der Villa zu zwei Torbögen aufgestellt gewesen sein: Ein Eingang befand sich zwischen der Remise und dem Hauptgebäude und war von der Bahn aus sichtbar, ein zweiter stand an der Gartenstraße. 1949, so hat Boyn aus Gesprächen erfahren, sollen die Walbögen noch gestanden haben, 1965 dagegen nicht mehr. Ein Jahr zuvor, 1964, war die Villa Bornemann an den Oldenburgischen Landesverein für Innere Mission, den Vorgänger des Diakonischen Werkes, verkauft worden.

Bilder und Infos gesucht

Jürgen Boyn ist nun an weiteren Einzelheiten interessiert: Wer etwas über die Walknochen, ihre Herkunft und ihren genauen Standort weiß und über Fotos verfügt, wird gebeten, sich mit ihm unter 04408/2147 in Verbindung zu setzen. Seine bisherigen Recherchen haben ein „außerordentlich großes Interesse“ an den Walknochen ergeben – daher überlegt er, ob es möglich ist, sie an ursprünglicher Stelle wieder aufzustellen. Boyn hat dazu einen „Initiativkreis“ gegründet – Unterstützung erhält er von einem der Enkel des ehemaligen Fabrikdirektors, Detlef Bornemann.

Doch auch das Schiffahrtsmuseum in Brake hat ein Auge auf die Walknochen geworfen: „Ziel aller gemeinsamen Bemühungen“, so findet Gert Rosenbohm, „muss sein, die dem Untergang preisgegebenen Knochen zu retten.“ Seiner Kenntnis nach hat die Diakonie dem Museum dafür bereits grünes Licht gegeben.

Der Finnwal ist das zweitgrößte Tier der Erde

80 Arten von Walen gibt es. Der Blauwal ist mit einer Körperlänge von bis zu 33,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 200 Tonnen das größte Tier unter allen bekannten Tierarten der Erdgeschichte. Der Finnwal ist der nächste Verwandte des Blauwals und nach ihm das zweitgrößte Tier.

Wale zeichnen sich auch durch eine ungewöhnliche Langlebigkeit aus. Manche Arten, wie etwa der Grönlandwal können über 200 Jahre alt werden.

Stephan Onnen Redakteur / Redaktion Oldenburg
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