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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

In Sachen Pflegeheim die freie Auswahl

08.09.2009

GANDERKESEE Sie sei jetzt jenseits der 80 und habe beschlossen, sich einige Pflegeheime anzusehen, um im Fall des Falles die richtige Wahl treffen zu können, erklärte eine ältere Dame unlängst beim Besuch in der Redaktion. „Kümmert Euch frühzeitig darum. Ihr werdet Euch wundern, was das kostet“, so ihr Rat.

Gesagt, getan: Eine Recherche bei den in Ganderkesee ansässigen Alten- und Pflegeheimen hat ergeben, dass es zwar durchaus Unterschiede in der Ausstattung der Einrichtungen gibt, die Preise aber nicht allzu stark variieren. Die Unterbringung und Betreuung eines Menschen mit Pflegestufe 3 kostet um die 3000 Euro pro Monat – und die Pflegekasse zahlt knapp die Hälfte.

Eine Durchschnittsrente von etwa 1000 Euro reicht da bei weitem nicht aus. „Aus finanziellen Gründen ist aber noch niemand von einem Pflegeheim ausgeschlossen worden“, sagt Friedrich Rohlfs, Fachdienstleiter für Soziales in der Gemeinde Ganderkesee. Die Gemeinde tritt aber allenfalls als Vermittlerin auf. Zuständig ist der Landkreis.

Und der macht bei der Auswahl des Pflegeheimes keinerlei Einschränkungen: „Bei uns gilt die freie Heimwahl“, sagt Axel Lindemann, im Kreishaus für die Hilfe zur Heimpflege zuständig.

Zunächst einmal ist die Bezahlung natürlich Sache des Pflegebedürftigen. Bis auf ein „Taschengeld“ von knapp 100 Euro, das für persönliche Bedürfnisse reserviert ist, muss die komplette Rente für die Zuzahlung eingesetzt werden. Und wenn das nicht reicht, wird das Vermögen mit einbezogen. Das Sparbuch wird geleert, das Aktiendepot zu Geld gemacht, das eigene Häuschen verkauft, sofern darin nicht Familienangehörige wohnen.

Und wenn kein Vermögen vorhanden ist, sind die Kinder unterhaltspflichtig. „Allerdings gibt es deutlich höhere Freibeträge als beispielsweise bei der Unterstützung von Kindern“, gibt Lindemann Entwarnung. Normalverdiener müssten nicht damit rechnen, zur Kasse gebeten zu werden – schon gar nicht, wenn die Kinder noch finanziell unterstützt werden müssen oder das Häuschen noch nicht abbezahlt ist. Zunächst gehe es darum, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. „In mehr als 90 Prozent aller Fälle zahlen die Kinder nichts“, so Lindemann.

Die Zahlungslücke im Heim zu füllen ist in der Praxis vorrangig Aufgabe des Landkreises. Der gibt inzwischen jährlich gut zwei Millionen Euro dafür aus. Lindemann geht nicht davon aus, dass dieser Betrag als Folge der demografischen Entwicklung demnächst deutlich steigen wird. Es gebe zwar wesentlich mehr Anträge als noch vor wenigen Jahren, aber die Kosten sind relativ stabil. Der Grund: Die Senioren entscheiden sich immer später für eine Unterbringung im Pflegeheim.

Wolfgang Loest
Redaktionsleitung
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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