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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

„Irgendwann hilft nichts mehr“

10.10.2012
Frage: „Die Natur schlägt zurück“ heißt Ihr Vortrag – und ihr aktuelles Buch. Müssen wir Menschen uns fürchten?
Focke: Natürlich, nämlich vor Bakterien, die durch Antibiotika-Missbrauch immer resistenter werden – bis bei einer bakteriellen Infektion irgendwann nichts mehr hilft. Von 14 Millionen Klinikpatienten im Jahr erkranken fast eine Million an Hospitalkeimen – dabei kommt es zu rund 15 000 Todesfällen.
Frage: Aber dafür ist nicht allein die Landwirtschaft verantwortlich . . .
Focke: Nein, auch in der Humanmedizin werden Antibiotika zu oft und unreflektiert angewendet. Davor warnte der Entdecker des Penicillin, Alexander Fleming, schon 1945. Aber durch den steigenden missbräuchlichen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast wird die Resistenzausbildung zu einem nicht unerheblichen Teil gefördert.
Frage: Was meinen Sie mit „missbräuchlich“?
Focke: Ich rede von Antibiotika als Wachstumsdoping. Das ist zwar seit 2006 EU-weit verboten, Aber bei Einhaltung dieses Verbots hätte ja die Menge der eingesetzten Antibiotika zurückgehen müssen – stattdessen ist der Verbrauch noch gestiegen. Da muss man nur eins und eins zusammenzählen.
Frage: Landwirte und Verbände verweisen darauf, bei den immer häufiger auftretenden MRSA-Keimen gebe es verschiedene Stämme – und der in der Nutztierhaltung vorkommende sei weniger gefährlich . . .
Focke: Das trifft zu. Es gibt Bakterien-Stämme, die pathogener sind, also stärker krank machend, als andere. Die MRSA-Keime in den Krankenhäusern haben sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und sehr stark ausgebreitet. Die neueren MRSA-Keime in der Schweine- und Geflügelhaltung, die sich auch auf den Bauern übertragen, sind heute noch wenig pathogen. Aber wie wird es in zehn Jahren aussehen? Wenn dieser Stamm sich so entwickelt wie die ersten MRSA-Keime, dann gnade uns Gott.
Frage: Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann will den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast um 30 Prozent verringern – was halten Sie von seinen Plänen?
Focke: Zunächst muss man feststellen, dass es nicht mehr fünf vor zwölf ist, sondern weit nach zwölf. Warum kommt Lindemann erst heute mit seinen Vorschlägen? Viele seiner 38 Punkte sind nicht umsetzbar bei der Masse an Tieren, um die es hier geht. Und dann kommt noch die starke Lobbyarbeit der Agrar- und Pharmaindustrie hinzu.
Frage: Sie erwarten also wenig Besserung der Lage?
Focke: Ich habe meine Erfahrungen gemacht. Als es Mitte der 90er Jahre das große Geflügelsterben in Weser-Ems gab, musste das niedersächsische Landwirtschaftsministerium reagieren. Eine Reduzierung der Masthühnerbestände von 20 auf 18 Tiere pro Quadratmeter wurde angekündigt und Niedersachsen rühmte sich bei der Problemlösung als führend in Europa. Stattdessen ist die Besatzdichte von 20 auf mehr als 26 Tiere gestiegen. Lindemann hat an der Entwicklung maßgeblich mitgewirkt – und heute will er als der große Veränderer auftreten.

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