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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Jelena findet Zweitfamilie in Schierbrok

08.08.2014

Schierbrok 28 Jahre sind vergangen seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl (Ukraine). Doch noch immer sterben Menschen an den Folgen“, sagt Ingrid Meyer, Vorsitzende der Tschernobyl-Kinderhilfe Oldenburg. Seit mehr als 20 Jahren lädt sie Kinder aus dem verstrahlten Gebiet für je vier Wochen zu einem Erholungsaufenthalt in den Nordwesten ein. Seit langem hören auch Annelie und Wolfgang Hirschfelder aus Schierbrok zu den Gasteltern. Jelena ist in diesem Jahr zum zehnten Mal in Deutschland.

Gasteltern gesucht

Die Tschernobyl-Kinderhilfe aus Oldenburg sucht stets Gasteltern. „Wir vermitteln am liebsten zwei Kinder in eine Familie. Dann haben sie nicht so schnell Heimweh“, sagt Ingrid Meyer. Sie ist erreichbar unter Telefon 0441/50 987 90.

Der Verein:

Der Verein:www. tschernobyl-kinderhilfe.de

„Sie ist für uns ein Volltreffer“, sagt das kinderlose Paar. Die 20-Jährige aus der Kleinstadt Tscherikow im Osten von Weißrussland fühlt sich in Schierbrok sehr wohl. Dank guter Deutsch-Kenntnisse ist sie selbstständig in der Region unterwegs. Falls so etwas wie Heimweh aufkommt, unterhält sie sich mit den Eltern oder Schwester Julia (28) und Bruder Jenja (8) via Skype.

Der Hauptaugenmerk der Tschernobyl-Hilfe liegt in der jährlichen Kindererholung. „Das ist ungemein wichtig, damit die Kinder mal für eine gewisse Zeit aus der verstrahlten Gegend rauskommen, damit sich das Immunsystem regeneriert. Die Maßnahme hält laut Statistik etwa sechs bis acht Monate an“, erklärt Ingrid Meyer, die für ihr Engagement im Jahr 2008 zur „Oldenburgerin des Jahres“ gewählt wurde. Sie hat in all den Jahren über 300 Jugendliche in den Nordwesten geholt.

Die Hirschfelders haben in den ersten Jahren stets zwei Kinder betreut. Es gab Ausflüge in Tierparks, Wattwanderungen oder Kirchenführungen. Das ist heute anders. Bereits im ersten Jahr habe Jelena, die von ihren Gasteltern liebevoll „Natascha“ genannt wird, im Urlaub fünf Vokabelhefte vollgeschrieben. Inzwischen hat sie Deutsch und Englisch studiert und bereits in ihrer weißrussischen Heimat in Deutsch unterrichtet. Nun möchte die ehrgeizige junge Frau das Studium, am liebsten kombiniert mit Mathematik und Russisch, in Oldenburg oder Bremen fortsetzen. Eine Zusage der Uni Oldenburg liege bereits vor.

Von der bitteren Armut im weißrussischen Tscherikow, etwa 200 Kilometer nordöstlich des havarierten Atomreaktors, haben sich Annelie und Wolfgang Hirschfelder vor Jahren selbst überzeugt. Es gibt viele Sozialwaisen. Die Inflation hat dazu geführt, dass 14 000 weißrussische Rubel heute 1 Euro wert sind. Dabei seien die Preise für viele Produkte wie Jeans oder Schuhe genauso hoch wie im Westen; das Einkommensniveau aber deutlich niedriger.

„Als Lehrerin habe ich etwa 120 Euro monatlich erhalten“, erzählt Jelena. In Tscherikow lebt die Familie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. In Schierbrok genießt sie den Luxus eines eigenen Zimmers, das sie sich zum Teil selbst eingerichtet hat.

„Wir würden immer wieder Kinder aus Weißrussland einladen“, hofft Annelie Hirschfelder, die auch als Integrationslotsin arbeitet, auf möglichst viele Nachahmer. „Die Kinder geben viel zurück.“

Auf die Frage, was ihr in Deutschland am besten gefällt, reagiert die Studentin eher zurückhaltend: „Das Essen; vor allem die selbst gemachten Saucen.“

Weitere Nachrichten:

Kinderhilfe Oldenburg | Skype | Uni Oldenburg