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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Kartoffelanbau bald auch in Alaska

01.04.2016

Bookholzberg Riesige Erleichterung und auch ein wenig Stolz waren Helmut Pleus anzumerken. Erleichterung darüber, „dass nach 13 Jahren endlich Schluss ist mit dieser dauernden Geheimniskrämerei“ über die Vorgänge hinter blickdichten Folien in Bookholzberger Kleingärten. Und Stolz über ein Schreiben vom Bundessortenamt: Nach bestandenen Wertprüfungen ist ab diesem Freitag die „Eisprinzessin“ zugelassen, die erste frostresistente Kartoffelsorte überhaupt. „Eine Sensation“, attestierte Kartoffelexperte Dietrich Moorschladt (Hengsterholz).

„Eine Sensation“, freut sich Dietrich Moorschladt (Bild), der hier bei „Birte“ die Temperatur misst. BILD: K. Kolloge

Vier Grad bislang Minimum

Mehr als 6000 Kartoffelsorten gibt es zurzeit, erklärte Kartoffelexperte Dietrich Moorschladt. Eine frostresistente Sorte sei bislang nicht darunter gewesen. Sinke die Temperatur unter vier Grad, sterbe die Pflanze ab.

Die Züchtung einer Kartoffelsorte sei im Schnitt mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden (Moorschladt: „3,5 bis 4 Millionen Euro“) und dauere etwa 13 Jahre. Meist werde etwa neun Jahre nach der Bestäubung das Bundessortenamt (BSA, Hannover) eingeschaltet, das unter anderem prüft, wie sich die Kartoffel unter verschiedenen Witterungseinflüssen durchsetzt.

Der sehnlich erwarteten Zulassung war jahrzehntelange Zuchtarbeit eines Kleingärtner-Teams aus Bookholzberg/Ganderkesee vorangegangen – „auch mit etlichen Rückschlägen“, wie Pleus einräumte.

Der Bookholzberger, selbst seit Mitte der 1960er Jahre passionierter Gärtner und Kartoffelanbauer, hatte 2001 den Anstoß gegeben: In einer Wissenschafts-Zeitschrift habe er damals von Studien des „Department of Organismal Biology“ der Universität Uppsala (Schweden) gelesen. Die Schweden standen bei der Züchtung frostresistenter Kartoffeln („sowohl in der Knolle als auch im Kraut“) kurz vor dem Durchbruch – nur fehlte der Theorie der praktische Beweis.

Jetzt war Pleus’ Ehrgeiz geweckt. Er scharte um sich weitere Kleingärtner, großenteils Ruheständler. Etliche Kreuzungsversuche folgten, auch unkonventionelle. Unter anderem bestäubten die rührigen Rentner mit dem Pollen der männlichen Schneeglöckchen-Blüte verschiedene weibliche Kartoffelblüten. Das brachte die Überraschung: Die „Eisprinzessin“ war geboren, hellgelb, rundoval, festkochend, dem Frost trotzend.

Mit der neuen Sorte würden sich schon mittelfristig „völlig neue Anbauperspektiven“ ergeben, schwärmte Günter Stolle, der, wie seine Kompagnons, die große Liebe zur Kartoffel über Jahre hinweg verborgen hatte. Im gesamten skandinavischen Raum, in Kanada, sogar Alaska – überall könnten jetzt Kartoffeln angebaut werden. Das werde die Welternährungslage nachhaltig entspannen.

Allerdings warnte Pleus vor Hoffnungen auf eine schnelle Verbreitung. „Wir haben zurzeit nur kleinste Mengen.“ Frühestens 2017, vielleicht erst 2018 werde man die Landwirtschaft ausreichend versorgen können.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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