• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Reiherbusch soll Namen wieder verdienen

24.01.2020

Kirchhatten 400 Meter nach dem Ortsausgang zweigt ein kleiner Wirtschaftsweg von der Wildeshauser Straße ab. Vorbei an zwei Wohnhäusern führt er die Besucher an einem kleinen Wäldchen vorbei: dem Reiherbusch, der der Straße seinen Namen gibt.

Neun brütende Graureiherpaare hat Regina Feldmann, die nicht weit entfernt wohnt, hier im letzten Jahr beobachtet. In den 1980er Jahren waren es viele mehr – und es könnten künftig wieder mehr werden. Eine kleine Gruppe aktiver Bürger ist fest entschlossen, dafür Zeit und Kraft zu investieren.

Blick nach Osten: Etwa 200 Meter vom Reiherbusch entfernt liegt die sogenannte Dwokuhle. Das Naturdenkmal Nr. 515 ist eine 3500 qm große Tonkuhle mit einer Uferzone aus Binsen und Weiden. Das Problem: Ihr Ufer ist immer mehr geworden und versperrt mittlerweile selbst Vögeln den Zugang zum Gewässer, wo sie sonst Frösche und andere Amphibien als Nahrung finden könnten. „Seit mehr als zehn Jahren hält das Biotop einen Dornröschenschlaf“, formuliert es Norbert Klüh. Der Kirchhatter ist nicht nur Bezirksvorsteher, sondern gemeinsam mit Georg Schinnerer der Initiator der neuen Aktion, die die Dwokuhle wieder zugänglich machen will.

Ton für Munderloh

Nach mehreren Einzelversuchen in den letzten Jahren haben sich im Herbst 2019 unterschiedliche Interessierte gemeinsam der Aufgabe angenommen. Zunächst fand unter Beteiligung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oldenburg eine Begehung der Fläche statt. Es folgte eine mittelfristige Maßnahmenplanung inklusive Pflegekonzept.

Warum es jetzt besser als in der Vergangenheit klappen soll? Diesmal sind viele Interessengruppen mit im Boot: der Heimat- und Bürgerverein Kirchhatten (gestern vertreten durch Horst Lüschen), der Landkreis Oldenburg (in Person seines Naturschutzbeauftragten Max Hunger und des ehemaligen Mitarbeiters der Naturschutzbehörde Georg Schinnerer), das Landvolk (Ortsvereinsvorsitzender Jürgen Rüdebusch) und die „Anlieger“ (Regina Feldmann und Henning Bruns). Auch der Nabu ist eingeladen worden, mitzumachen.

Viele der Beteiligten haben persönliche Erinnerungen an Zeiten, als die Tonkuhle noch ein großer Anziehungspunkt für die Graureiher und vor allem deren Nachwuchs war. „Früher war die Wasserfläche doppelt so groß“, erzählt Regina Feldmann. So groß, dass das stehende Gewässer gerne zum Schlittschuhlaufen genutzt wurde, erinnert sich Jürgen Rüdebusch. Entstanden ist die Dwokuhle vermutlich durch Tonabbau. Der wurde dann mit einer Teckelbahn, wie sie auch auf Zechen benutzt wird, nach Munderloh zur damaligen Ziegelei befördert. Beides gibt es längst nicht mehr.

Nicht nur die Menschen müssen sich immer wieder auf Veränderungen einstellen, sondern auch die Vögel. Die Graureiher, so erzählt es Jürgen Rüdebusch, hätten Anfang des 20. Jahrhunderts noch in großen Kolonien in einem Waldstück bei Schmede – zwischen Kirchhatten und Munderloh – gebrütet. Solange, bis der Mensch die Bäume komplett abholzte. „Die haben daraus Gewehrkolben für den I. Weltkrieg gemacht“, so der Kirchhatter Landwirt, der gepachtete Flächen nahe der Tonkuhle für die Produktion von Pferdeheu nutzt.

Vögel nicht stören

Beim ersten Arbeitseinsatz am 23. Januar wurden nun die Randgehölze auf der westlichen Seite der Tonkuhle auf den Stock gesetzt und das Schnittgut wurde so geschichtet, dass es zu einem späteren Zeitpunkt (wenn die umliegenden Grünflächen wieder befahrbar sind) von der Gemeinde Hatten geschreddert werden kann.

„Spiegel“ der Landschaftsentwicklung

In der Gemeinde Hatten gibt es insgesamt 25 Naturdenkmale. Es handelt sich dabei um Ton- und Sandgruben, Schlatts, Bäume, Alleen, Wälle, Moore, Feuchtflächen und Findlinge. Als besonders charakteristische Elemente sind Naturdenkmale ein „Spiegel“ der Landschaftsentwicklung und haben deshalb eine besondere Bedeutung für Heimatkunde und Kulturgeschichte, Naturkunde und Wissenschaft.

Die Naturdenkmale prägen die Landschaft durch ihre Eigenart, Seltenheit oder Schönheit. Im Regionalen Entwicklungskonzept des Naturparks Wildeshauser Geest ist eine aktive Einbindung der Bevölkerung in Naturschutz und Landschaftspflege ausdrücklich gewünscht.

Da die Reiher in den letzten Jahren bereits Anfang Februar zurückgekehrt sind – ihre Brutzeit beginnt im März –, haben sich die Akteure kurzfristig entschlossen, die ersten Arbeiten zum teilweisen Freistellen des Gewässers bereits im Januar vorzunehmen: Schließlich will man eines nicht: die Lebenswelt der Reiher unnötig stören.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
Rufen Sie mich an:
04407 9988 2731
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.