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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Kritik prasselt auf Investor nieder

01.06.2013

Ahlhorn „Für mich ist diese Veranstaltung eine riesengroße Mogelpackung“, meinte Wilfried Papenhusen vom Bündnis MUT, das massiv gegen die geplante Hähnchenschlachterei in Ahlhorn protestiert. „Wir drehen uns im Kreise. Es müssen noch eine Menge tun, dass wir das hier so nicht kriegen“, stellte Grünen-Kreistagsabgeordneter Eduard Hüsers fest. Die Stimmung gegen das Bauvorhaben von Kreienkamp in Ahlhorn war auch beim Info-Abend im Alten Posthaus am Donnerstagabend mehr als deutlich zu spüren.

Viele Sorgen und Ängste

Rund 150 Interessierte waren der Einladung von Kreienkamp gefolgt. Die Wortmeldungen kamen zu 99 Prozent von Gegnern des Projekts. Sie führten noch einmal die vielen Argumente gegen den Schlachtbetrieb an – zum Teil auch sehr emotional. Die Keimbelastung durch Geflügel-Transporte durch den Ort. Die Sorge um Menge und Qualität des Grundwassers durch den enormen Wasserverbrauch. Die Angst vor vielen neuen Stallbauten im Umfeld der neuen Schlachterei. Die Niedriglohn-Arbeitsplätze und ihre möglichen negativen Folgen . . . Die Liste lässt sich weiter fortführen. „Nennen Sie uns einen einzigen Vorteil für unseren Ort“, forderte Einwohnerin Gaby Sprehe.

Die Luftaufnahme finden Sie auf OL-Luftbilder.de

Das Unternehmen hatte sich aufgrund der massiven Proteste der vergangenen Wochen zu dem Info-Abend entschlossen. Der Wildeshauser Kreienkamp-Chef Walter Kreienborg machte noch einmal deutlich, warum das Unternehmen von Wildeshausen nach Ahlhorn umsiedeln möchte. Er verwies auf den Platzmangel in Wildeshausen, wo das Familienunternehmen mit seinen fast 170 Mitarbeitern sich nicht erweitern kann. Eine neue Produktion sei „existenziell wichtig“ für das Unternehmen, um allen Anforderungen der Kunden und der Lieferanten gerecht werden zu können. Die neue Produktionsstätte werde nach modernsten Gesichtspunkten unter Einhaltung aller Bestimmungen errichtet. „Es würde uns freuen, wenn Sie uns in Ihrer Nachbarschaft willkommen heißen würden“, meinte Kreienborg.

Kreienborg betonte, dass der Schlachtbetrieb trotz der geplanten Kapazitätserhöhung von 30 000 Tieren am Tag (Wildeshausen) auf 100 000 in Ahlhorn keine zusätzlichen Stallbauten nach sich ziehe. Es gebe genügend Mäster im Umkreis. Das untermauerte Johannes Eiken, Generalbevollmächtigter von Heidemark, der die Bauleitplanung für beide Unternehmen begleitet. Allein durch die Einstellung der Schlachtung von 185 000 Hähnchen täglich bei Stolle in Visbek seien genügend Masthähnchen in der Region aufgestallt, um Kreienkamp in Ahlhorn auszulasten. Eine einschichtige Vollauslastung bedeute 130 neue Mitarbeiter zu den fast 170 Leuten Stammbelegschaft, die Kreienborg von Wildeshausen nach Ahlhorn mitbringe. „Auch die Leute von Stolle suchen Arbeit“, so Eiken.

Maximal 100 000 Tiere

Kreienkamp hat mittlerweile mehrfach betont, dass nur maximal 100 000 Tiere täglich im Einschichtbetrieb geschlachtet werden sollen. Gegner wollen das nicht glauben, weil der Genehmigungsantrag sich auf 200 000 Tiere täglich bezieht. Als Option.

Das sei beantragt worden, um nicht irgendwann in einen Engpass zu geraten, meinte Johannes Eiken. Wenn das die Befindlichkeit sei, wäre denkbar, dass Kreienkamp seinen Antrag verändere, um die 100 000 maximal festzuschreiben. Diese Größe aber müsse sein. Der Standard bei modernen Anlagen sei aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Durchsatz von 13 500 Tieren in der Stunde. Als Investitionssumme nannte Eiken rund 30 Millionen Euro.

Das Zurückfahren des Antrags auf maximal 100 000 Tiere wäre ein weiteres Zugeständnis. Wie die NWZ  berichtete, hat Kreienkamp bereits davon Abstand genommen, den Wasserbedarf durch einen eigenen Brunnen decken zu wollen. Und auch die Abwässer sollen bis zur Erreichung der Kapazitätsgrenze in die kommunale Kläranlage fließen, was zur Gebührenentlastung für alle beitragen dürfte, meinte Eiken.

„Es sollte zumindest ein Dialog begonnen werden“, wünschte er sich von den Gegnern des Projekts.

Ratsmehrheit bröckelt

Derweil bröckelt die knappe Einstimmen-Ratsmehrheit aus CDU und FDP, die das Kreienkamp-Vorhaben bislang unterstützte. FDP-Ratsherr Michael Feiner sagte am Freitag gegenüber der NWZ, dass er sich bei weiteren Beschlussfassungen des Rates enthalten werde. „Ein 17 zu 16 wird es nicht geben“, so Feiner. 17 Stimmen haben CDU und FDP zusammen, 16 SPD, KA und Unabhängige.

Feiner hat sich nach eigenen Angaben um Vermittlung bemüht und wünscht sich, dass man aufeinander zugeht, um möglicherweise einen Kompromiss zu erreichen, der von einer breiteren Ratsmehrheit, insbesondere von der SPD, mitgetragen werden könne. „Es kann nicht nur Schwarz und Weiß geben“, bedauert Feiner den derzeitigen „Stellungskampf“. „Es ist nicht zu verstehen, dass wir keinen Kompromiss finden.“

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