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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Agrar: Landwirte kritisieren Regierung scharf

11.02.2017

Ganderkesee „Da ist ein Graben, da ist ein Graben und da hinten sind auch noch überall welche“, sagt Volker Schmidt und zeigt auf die Wasserläufe auf seinen Ländereien in Schlutter. Wenn es nach Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) geht, darf der Landwirt in Zukunft einen fünf Meter breiten Streifen links und rechts von allen Gewässern nicht bewirtschaften.

„Das ist kalte Enteignung“, ärgert sich Volker Schmidt. Wie viel Land ihm fehlen würde, hat der 42-Jährige noch nicht überschlagen, er geht aber von einem „erheblichen Teil“ aus. Er brauche die gesamte Fläche, um seine Kühe mit ausreichend Futter zu versorgen. „Mit solchen Gesetzen wollen die die Tierhaltung eindämmen“, ist der Landwirt aus Landwehr überzeugt.

Existenz bedroht

Nach Daten des Umweltministeriums wären rund 80 000 Hektar Acker- und Grünland vom Nutzungsverbot betroffen – etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen. „Es geht bei einigen um die Existenz“, sagt Schmidt. Der derzeit geltende Abstand von einem Meter reiche vollkommen aus. „Dünger und Pflanzenschutzmittel können wir randgenau ausbringen“, betont er.

Aber nicht nur die fehlende Fläche macht dem Landwirt Sorgen. Er befürchtet auch, dass sich auf den unbewirtschafteten Flächen gefährliches Unkraut wie das für Nutztiere hochgiftige Jakobskreuzkraut breitmacht. „Wir müssen dann ganz erheblich aufpassen, dass das nicht ins Futter gelangt“, erklärt Schmidt. Seine Sorge ist außerdem, dass Gräben nicht mehr entwässert werden und so Felder und Häuser unter Wasser stehen. „Bei uns ist das auch schlimm, aber noch schlimmer ist das bei den vielen Gräben in der Wesermarsch.“

Genau da hat Cord Wübbenhorst aus Hohenböken Landflächen. Auch er spricht bei der Novelle des Wassergesetzes von Enteignung – „nicht nur aus Sicht der Landwirte, auch aus Sicht der Eigentümer.“ Der 50-Jährige verweist ebenfalls auf die moderne Technik, mit der Dünger und Pflanzenschutzmittel präzise ausgebracht werden können: „Das ist fachlich nicht nachvollziehbar. Ein Meter Abstand reicht.“ Genau wie Schmidt befürchtet auch er eine Ausbreitung des giftigen Jakobskreuzkrautes.

Für die Kontrolle wäre der Landkreis Oldenburg zuständig. Es werde aber niemand herumfahren und die Einhaltung kontrollieren. „Das geht ja gar nicht. Dafür sind es einfach zu viele Gewässer“, sagt Gerrit Finke vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft. Nur bei Hinweisen auf Verstöße werde der Landkreis aktiv.

Aber nicht nur Wenzels geplante Gesetzesänderung verärgert die Landwirte. „Man hat sich gerade über das eine aufgeregt, dann kommt das nächste“, ärgert sich Volker Schmidt und verweist auf die Bauernregel-Kampagne von Barbara Hendricks (SPD).

Zwischen Trauer und Zorn

Die Umweltministerin hatte unter dem Titel „Gut zur Umwelt. Gesund für alle“ eine spaßig gemeinte Informationskampagne gestartet mit dem Ziel, nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Für Sprüche wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“ hagelt es Kritik.

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Der schließt sich auch Schmidt an. Die Kampagne sei eine „beispiellose Diffamierung des gesamten Berufsstandes. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass in Deutschland kein Schwein so wenig Platz hat, dass es auf einem Bein stehen muss. Das Schlimme ist aber, dass die Leute bei solchen Sprüchen denken, dass ja zumindest etwas da dran sein muss.“ Er schwanke zwischen Zorn und Traurigkeit. „Resignation lass ich noch nicht zu“, betont Volker Schmidt. Er sei Landwirt aus Überzeugung, aber unter diesen Gesichtspunkten werde er seinen beiden neunjährigen Töchtern diesen Beruf nicht empfehlen. „Wir Landwirte sind ja definitiv nicht mehr gewollt“, sagt der 42-Jährige. Er fordert den sofortigen Rücktritt Hendricks’.

Auch Cord Wübbenhorst spricht von Diffamierung. Und auch er befürchtet, dass einige glauben, an den Sprüchen könnte Wahres dran sein. „Was sind das für Menschen, die da im Ministerium arbeiten?“

Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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