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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Mildes Urteil für „Aalwegzieher“

29.05.2012

WILDESHAUSEN Noch bevor das „Hohe Gericht“ der Wildeshauser Schützengilde am Pfingstsonntag seinen Platz auf der Empore am Rathaus einnahm, kündigt das Tambourkorps die Ankunft der Richter an. In gewohnt humorvoller Art eröffnete Gerichtspräsident Heinrich Boning die Sitzung. Boning ist mittlerweile seit 45 Jahren für das Hohe Gericht tätig. Otto Böttcher ist seit 1972 – also 40 Jahre – dabei.

Boning brachte das Publikum zum Staunen: In diesem Jahr wolle das Gericht einige „Exekutionen“ durchführen lassen; daher sei auf dem Wildeshauser Friedhof eine Parzelle reserviert worden. Es dauerte nicht lange, da führten Wachesoldaten die ersten „Delinquenten“ vor: Eine Kellnerin sollte statt Wechselgeld einen Knopf zurückgegeben haben und wurde wegen „Währungsfälschung nach griechischem Ausmaß“ zu 20 Euro Strafe verurteilt. Eine Gruppe von „Geschmacksverwirrern“ aus Hamburg machte das Bier in Wildeshausen schlecht, und eine junge Frau sollte seit zwei Tagen auf das Feuerwerk gewartet haben. Sie musste „Vergnügungssteuer“ zahlen.

Auch Tom Lagerpusch, Geschäftsführer von Meyer & Rademacher, wurde vors Gericht gebracht. Ihm hielt der Staatsanwalt vor, an seinem „Uhrenkiosk“ ohne Lizenz Gildeuhren verkauft zu haben. Es wurde ein Obolus fällig.

Die meisten Strafen beliefen sich auf 10 bis 20 Euro. Wirt Toni hatte 50 Euro in die Gerichtskasse zu zahlen. Dabei hatte Boning ein höheres Strafmaß vorgesehen, da der Wirt seine ehemalige Lieblingskneipe in ein Raucherlokal verwandelt hätte und nun die Lungen des Volkes verpesten würde. Er wollte ihn gleich hinrichten lassen. „Ihr könnt euch drüber freuen, wenn ihr zum Tode verurteilt werdet. So günstig und so schön bekommt man sonst kein Begräbnis“, scherzte Boning und verwies auf die angemietete Parzelle auf dem Friedhof.

Insgesamt reichten die Vorwürfe von „Giftmischerei“ über „Prostitution“ bis hin zu „Löcher in die Luft gucken“. „So lange das in diesem lockeren Rahmen bleibt, haben alle ihren Spaß“, sagte Heiko Bitter vom Fischereiverein Wildeshausen. Er wurde mit einem „milden und gerechten Urteil“ von 20 Euro Strafe versehen, da er Nackensteaks als Fisch verkauft haben soll. Zudem habe er beim Einmarsch der Richter schnell seine Waren versteckt, weswegen er als „Aalwegzieher“ bezichtigt wurde. Er schaffte es mit einigem Gestikulieren, das „Hohe Gericht“ auf zehn Euro herunterzuhandeln. Auch am Dienstag und Mittwoch tagt das Gildegericht.

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