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Naturschutz In Munderloh: Beachclub oder Krötenbiotop?

07.12.2019

Munderloh „Freiwillige legen sich für seltene Kröte ins Zeug“ lautete die Überschrift eines Artikels am 23. Februar 2018. Darin stand geschrieben, wie Untere Naturschutzbehörde, Nabu, Bürgerverein Munderloh, Jägerschaft und die Bläsergruppe Dingstede daran arbeiteten, ein Biotop mit neuem Leben zu füllen. Ziel war es, zwei Kleingewässer in der ehemaligen Sandgrube Bookholt, die als Naturdenkmal unter Schutz steht, zu pflegen und als Laichplatz herzurichten.

Kritik vom Anlieger

Nach mehr als anderthalb Jahren ist Harm-Dirk Biebert, dessen Hof nicht weit entfernt liegt, keineswegs vom Ergebnis überzeugt. „Das sieht mehr nach einem Beachclub aus statt nach einem Biotop“, sagt der Landwirt. Biebert kennt das Gebiet um die Teiche schon seit seiner Kindheit. Die Verbuschung durch Kiefern zu beseitigen, sei sicher eine „gute Sache“ gewesen, aber warum dann 2018 auch noch ein Kettenbagger eingesetzt worden sei, sei ihm ein Rätsel. Das Ganze hätte deutlich weniger invasiv geschehen können, meint Biebert. Über Niels-Christian Heins, Mitglied der FDP-Kreistagsfraktion, ist die Untere Naturschutzbehörde jetzt um eine Stellungnahme gebeten worden.

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Das sagt der Landkreis

Die Sandgrube Bookholt in Munderloh ist als Naturdenkmal geschützt und befindet sich in Kreiseigentum. Es handelt sich dabei um kleine Feuchtflächen in Verbindung mit armen, sandigen Trockenstandorten in einer aufgegebenen Sandgrube. Als maßgeblicher Schutzzweck werden die Erhaltung von Standorten bedrohter Pflanzenarten sowie die Sicherung von Lebensstätten für Insekten, Amphibien und der Vogelwelt genannt. Die streng geschützte Knoblauchkröte bevorzuge als Lebensraum offene Heiden und Magerrasen mit sandigen Böden, in denen sie sich tagsüber eingraben kann. Zur Fortpflanzung benötige sie fischfreie, besonnte Kleinstgewässer.

Da die Flächen des Naturdenkmals immer stärker mit Bäumen zugewachsen seien, wurden Anfang 2018 erste Pflegemaßnahmen zum Erhalt der wertvollen Magerrasen und zur Lebensraumverbesserung für die Knoblauchkröte angestoßen, so Landkreissprecher Oliver Galeotti. Hierfür wurden zunächst die Bäume im Bereich der zentralen Fläche und der Kleingewässer entfernt, um die zunehmende Beschattung und Nährstoffeinträge zu reduzieren.

Zur weiteren Lebensraumverbesserung für die Knoblauchkröte und andere Amphibienarten wurden im Herbst 2018 die beiden Kleingewässer entschlammt. „Dabei wurde ein Kettenbagger eingesetzt, der einen geringen Kontaktflächendruck aufweist und bodenschonend arbeiten kann“, heißt es in der Stellungnahme der Kreisverwaltung. Das sehr sandige Substrat sei auf der angrenzenden Fläche verteilt worden und biete so für die Knoblauchkröte grabfähige Böden. Auch könnten sich auf den armen Offenbodenbereichen gefährdete Pflanzenarten wieder ausbreiten.

Wie geht es weiter?

Im Sommer 2019 hätten sich in den Kleingewässern bereits wieder Wasserpflanzen und zahlreiche Molchlarven entwickelt, betont die Verwaltung. Unter fachlicher Begleitung zweier Biologen und in Kooperation mit den Niedersächsischen Landesforsten seien Anfang Juli einige Knoblauchkrötenlarven von den Ahlhorner Fischteichen in die Gewässer der Sandgrube Bookholt umgesiedelt worden, die nun für eine erfolgreiche Ansiedlung der Knoblauchkröte geeignet sei. „Der Bestand wird 2020 erneut kontrolliert“, so das Versprechen.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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