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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Landwirtschaft: Nabu und Kirche streiten um rechten Weg

20.05.2017

Sandkrug /Kirchhatten Die Nabu-Ortsgruppe Hatten hat in der Vergangenheit durchaus eng mit den Evangelischen Kirchengemeinden Sandkrug und Hatten zusammengearbeitet. In Kirchhatten betreut sie seit 2014 ein Biotop am Rande eines kircheneigenen Waldgebiets. In Sandkrug nutzt die Ortsgruppe das Grundstück der Kirche z. B. für ihren Pflanzenmarkt.

Was will der Nabu von der Kirche?

Die Ev.-luth. Kirchengemeinden Hatten und Sandkrug besitzen zusammen etwa 20 Hektar Flächen in der Gemeinde (Sandkrug ca. 13 ha; Hatten sechs ha), die konventionell bewirtschaftet werden. Weitere etwa zehn Hektar hat die Ev. Kirchengemeinde Ganderkesee sowie 1,3 ha St.-Trinitatis Oldenburg. Die Kirche sei „als hohe moralische Instanz“ in der Pflicht, sich bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen, besonders was ökologische Standards betrifft, beispielhaft zu verhalten, meint Nabu-Sprecher Wolfgang Riemer. Dies sei eindeutige Mehrheitsmeinung im Hatter Nabu und werde auch auf höherer Verbandsebene so gesehen.

Und warum taucht in seiner Liste nicht die katholische Kirche auf? „Die hat bei uns keine Ländereien“, behauptet Riemer.

Was ist bislang passiert?

Kirche und Naturschutzverein haben mehrfach miteinander geredet. Es gab Gespräche mit der Liegenschaftsabteilung des Oberkirchenrates in Oldenburg und am 16. August vorigen Jahres einen Runden Tisch im Gemeindehaus in Kirchhatten mit Vertretern der Ortskirchen, des Oberkirchenrates und des Nabu Hatten – ohne Annäherung. Aus Kirchenkreisen ist zu hören, dass das Auftreten der Gegenseite nicht gerade „klimafreundlich“ gewesen sei.

Verstößt die Kirche gegen geltende Gesetze?

Nein. Aber für den Nabu reicht das nicht aus. „Es ist unstrittig, dass im Rahmen der geltenden Gesetze das Grundwasser immer schlechter wird und der Artenrückgang immer weiter fortschreitet. Gerade Wiesenvögel brechen in ihren Beständen dramatisch ein“, so Riemer.

Er verweist auf ein im Internet veröffentlichtes „Impulspapier“ der AG Umweltinitiative der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg vom 4. November 2009, in dem es u.a. heißt: „Wir nehmen unserer Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung wahr, wenn wir unsere kirchlichen Außenanlagen und landwirtschaftlichen Flächen in Kirchenbesitz konsequent naturverträglich bewirtschaften und Pachtverträge mit Dritten in diesem Sinne überprüfen.“

Was macht die Kirche?

In Kirchhatten hat der Gemeindekirchenrat einstimmig folgenden Beschluss gefasst. Die Kirchengemeinde verfüge nur über kleine Einzelflächen, zum Teil umgeben von fremden Flächen, auf denen ein Blühstreifen nicht angelegt werden könne. „Das sind kleine Fitzelstücke“, sagt Pfarrer Jürgen Menzel. Mit den jeweiligen Pächtern sind Verträge abgeschlossen worden, in denen diese ausdrücklich zu nachhaltigem, schonenden Bewirtschaften verpflichtet werden.

In der Kirchengemeinde Sandkrug gelten die gleichen Pachtverträge. Vor etwa anderthalb Jahren ist die gesamte Fläche, ein zusammenhängendes Gebiet nahe der Hatter Landstraße, an einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb aus der Gemeinde Hatten neu verpachtet worden.

„Die geltenden Gesetze sind auch unsere Grundlage“, betont Kirchenältester Hans-Wilhelm Rathjens, von Beruf Agrarökonom. Jede Maßnahme, die mehr Nachhaltigkeit und ökologische Aspekte berücksichtige, sei zu begrüßen. Aber sie könne nicht über den gesetzlichen Rahmen hinaus eingefordert, sondern nur freiwillig erbracht werden. Rathjens: „Wir haben überhaupt nichts gegen Blühstreifen auf unseren Flächen. Aber wir sind nicht bereit, auf unsere Pächter Druck aufzubauen.“

Der erst im September 2016 aktualisierte Paragraf 8 des Pachtvertrags regele den Sachverhalt umfänglich genug, meint auch Pfarrer Hansjörg Hochartz. Außerdem überprüfe regelmäßig eine Kommission, in der Vertreter aus Landeskirche und Landvolk sitzen, ob die Pachtflächen gemäß den Verträgen bewirtschaftet werden.

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Was könnte der Nabu tun?

In der Gemeinde Ganderkesee hat der Nabu selber Flächen gepachtet und Blühstreifen angelegt. In Hatten übersteige das die Möglichkeiten, argumentiert Riemer. „Unsere Mitglieder sind entweder über 60 Jahre alt oder noch Kinder. Wir sind mit der kommunalen Ausgleichsfläche am Fasanenweg und dem Kirchwald schon ausgelastet.“ Direkte Gespräche mit den Pächtern will er nicht führen. „Schließlich geht es hier um ethische Fragen.“

Werner Fademrecht Redakteur / Hatten
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