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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Nach drei Minuten ist das Schaf nackt

18.05.2015

Wildeshausen Holger Petzold (53) ist ein Meister seines Fachs. Mit sicherer Hand führt er die Schermaschine über Rücken, Beine, Bauch und Kopf des Schafes. Dabei sitzt das Tier ruhig auf dem Hinterteil und lehnt an Petzolds Beinen. In rund drei Minuten ist die Rasur erledigt. Derweil stehen Erwachsene und Kinder an diesem Sonntag zu Dutzenden am Zaun und verfolgen interessiert diese Schafschur.

Nachschub bekommt Petzold von Detlef Helmers (46), dem Herdenbetreuer der Diepholzer Moorschnucken auf dem Pestruper Gräberfeld. Einzeln holt der Wildeshauser die Tiere aus dem Gatter im Schafkoben. Bevor er das nächste Tier in Petzolds Hände gibt, verabreicht Helmers dem Schaf eine flüssige Wurmkur durchs Maul.

Die Rohwolle sammelt Katharina Diebes (47) ein und packt sie in einem großen Plastiksack. „Die 120 Tiere werden zwei Säcke voll Wolle ergeben“, schätzt sie. Katharina Diebes ist die Lebensgefährtin von Holger Petzold. Sie leben in Garrel. Im Laufe eines Jahres werden sie für die eine oder andere Schafschur engagiert.

„Früher habe ich in der DDR als Schäfermeister auf einem volkseigenen Gut gearbeitet“, erzählt Petzold. „Doch nach der Wende war das schnell vorbei.“ Damals habe es allein in der DDR 2,6 Millionen Schafe gegeben, aktuell seien es in ganz Deutschland nur noch 1,6 Millionen. Seinen Lebensunterhalt verdiene er heute als Lkw-Fahrer. Die Schafschur bringe aber ein paar Euro nebenher. Die Tiere auf dem Pestruper Gräberfeld erhalten im Frühjahr eine Vollschur und im September eine Halbschur.

Die Hammel, Böcke, Mutterschafe und einjährigen Lämmer gehören zum Schäferhof Teerling in Diepholz. Seit diesem Jahr werden sie von Detlef Helmers betreut. Tagsüber werden sie zur Landschaftspflege auf dem Gräberfeld einsetzt, nachts sind sie zum Schutz vor Wölfen im Schafkoben eingesperrt.

Die von den Niedersächsischen Landesforsten organisierte Schafschur ist am Sonntag für viele Familien ein willkommenes Ausflugsziel. Helmut Marischen (64) aus Wildeshausen schaut sich mit seiner Frau und der Familie seines Sohnes das „Schauspiel“ an. „Die Enkel sollten mal sehen, woher die Wolle für die Pullover kommt.“ Auch Jan Buschmann (35) aus Westerstede genießt den Ausflug mit der Familie. „Wir haben von der Schafschur in der Zeitung gelesen und sind spontan hergekommen. Das ist eine schöne Gegend hier.“

Andrea Egan aus Delmenhorst sitzt mit Ehemann und den beiden Kindern auf einer Bank und isst eine Bratwurst. „Wir sind erst durch die Heide gegangen und schauen nun bei den Schafen zu.“

Was mit der Wolle passiert, zeigen vier Frauen von der Spinngruppe Hatten. „Wir sind überall im Oldenburger Land unterwegs. Wir spinnen aber nicht nur, sondern zwirnen und stricken auch“, erzählt Hedwig Kramer.

Am Stand nebenan können die Besucher nicht nur Wildsalami probieren, sondern sich auch über die Arbeit der Landesforsten informieren. Dabei sind auch Waldpädagogen und bieten unter anderem ein Waldquiz an. Die Landesforsten sind Eigentümer des Pestruper Gräberfeldes. Der Schafkoben hingegen gehört dem Heimatverein Düngstrup.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-land 
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Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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