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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Vogelgrippe Im Nordwesten: Normalität im Putenstall ist nicht in Sicht

01.02.2017

Hurrel Es ist der 5. Januar 2017, ein Donnerstag. Heiko Pflug aus Hurrel betritt morgens einen der beiden Putenställe. Insgesamt 7.000 Tiere werden hier gehalten. Ihm fällt auf, dass die Tiere in einem Stall weniger gefressen haben. Außerdem ist es etwas stiller. Und sofort schrillen bei dem 48-Jährigen die Alarmglocken.

Was passiert, wenn die Vogelgrippe ausbricht?

Denn bereits kurz nach Weihnachten brach die Vogelgrippe mit dem Erreger H5N8 in der Gemeinde Hude aus. 22 300 Puten wurden getötet. Kurz danach wurde der Erreger auch in einem Stall in Hurrel gefunden. Heiko Pflug ruft sofort den Tierarzt an. Auch er ist alarmiert. „Um 10 Uhr standen die Mitarbeiter des Veterinäramtes bei mir auf dem Hof“, erinnert sich der Landwirt. Der Betrieb wurde abgeschottet, Proben genommen und eine Absperrung im Radius von rund 200 Metern eingerichtet.

Was waren die weiteren Schritte?

Um 20 Uhr stand dann fest, dass die Alarmglocken bei Pflug zurecht schrillten. Aus beiden Ställen wurden jeweils 40 Proben genommen und zum Lebensmittel- und Veterinärinstitut nach Oldenburg gebracht. „In dem einen Stall waren fast alle Proben mit dem Erreger befallen. In dem anderen Stall gar keine.“

Um 20 Uhr steht auch fest, dass am nächsten Morgen alle 7000 Puten aus beiden Ställen getötet werden. Und auch ein Aufzuchtstall mit weiteren 13.000 Puten an einem anderen Standort fällt der Vogelgrippe zum Opfer. „Da ich als Kontaktperson in beiden Ställen war, wurden auch die anderen Tiere getötet.“

Tags darauf, am Freitag, 6. Januar, ist um 23 Uhr der Spuk vorbei. Die Tiere wurden mit Gas getötet und abtransportiert. „Dann haben wir selber ausgemistet, und eine Fachfirma hat die Ställe gewaschen und desinfiziert. Eine Woche später wurde das Prozedere wiederholt.“

Nun herrscht Stille auf Pflugs Hof. Und er weiß noch nicht, wann er wieder neue Puten in seine Ställe aufnehmen darf. Mittlerweile schlafe er wieder einigermaßen gut. Existenzängste plagen ihn derzeit nicht. Bedenken, wenn er in Richtung Zukunft schaut, hat der 48-Jährige, der als zweiten Erwerbszweig noch den Ackerbau hat, aber schon.

Wie ist die Lage bei anderen Geflügelmästern?

Auch in den Hähnchen-Ställen von Wilfried Wieting herrscht derzeit Stille – abgesehen von der Desinfektion der Ställe, die gerade läuft. Denn Wieting darf – im Gegensatz zu Pflug – Ende der Woche wieder einstallen. Seit vergangener Woche gilt in Hurrel nicht mehr der Sperrbezirk sondern bis auf Weiteres „nur noch“ das Beobachtungsgebiet. Am 5. Januar wurden zuletzt Hähnchen von Wietings Hof abgeholt, mit einer Sondergenehmigung des Veterinäramtes. „Die gesamte Zeit war ein Tierarzt dabei. Die Transportfahrzeuge wurde sogar verplombt, um einen Kontakt auszuschließen. Für die Tiere habe ich jedoch weniger Geld bekommen“, erläutert der 56-Jährige. Eigentlich steht der Stall immer nur eine Woche leer, mittlerweile sind es schon vier Wochen. In der Zeit hätten schon wieder 80.000 Tiere gemästet werden können. Denn durchschnittlich sind die Tiere 39 bis 40 Tage auf dem Hof.

Leerstand und geringere Preise beziehungsweise der komplette Ausfall des Bestandes verursachen Kosten – bei Pflug übernimmt ein Teil die Tierseuchenkasse, denn diese Pflichtversicherung greift im Falle eines Seuchenbefalls.

Alle indirekt betroffenen Geflügelhalter sehen keinen Cent aus dieser Versicherung. Aber beide Landwirte haben dazu noch eine private Versicherung – mit hohen Beiträgen und einem nicht zu unterschätzenden Eigenanteil. Wie hoch der Schaden bei beiden ist und auf wie viel Geld die Landwirte schlussendlich sitzenbleiben, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Wieting schätzt seinen Schaden auf mehrere 10 000 Euro. Da Pflug direkt betroffen ist, dürfte sein Schaden um einiges höher ausfallen.

Werden zurzeit Eier aus dem Gebiet verkauft?

„Mich ärgert es, dass gesagt wird, wir würden die Vogelgrippe nutzen, um die Preise in die Höhe zu treiben“, äußert sich Heiko Schwarting. Der Hof mit 3000 Legehennen, der seiner Mutter gehört, liegt 200 Meter Luftlinie von Pflugs Hof entfernt. Auch er ist betroffen und versteht nicht, wie die Leute glauben könnten, dass sich die Vogelgrippe für die Landwirte finanziell lohne. Die Versicherungen seien teuer, der Beitrag würde nach den Vorfällen weiter steigen. Die Ausfallsummen lägen jenseits der Schmerzgrenze. „Im November gab es ja die ersten Fälle und Warnungen. Da wurden auch wir vorsichtiger. Und dann macht es einfach Knall und wir stecken mitten im Sperrbezirk“, so der 35-Jährige.

Elf Tage nach dem Fund des Erregers auf Pflugs Hof wurde von dem Betrieb in Hurrel kein Ei verkauft. Dank einer Sondergenehmigung und engmaschiger Überwachung dürfen die Eier mittlerweile wieder verkauft werden. „Ein Ei gilt 28 Tage als frisch. Als wir den Verkaufsstopp hatten, mussten wir alle Eier stapeln und wollten sie dann nicht mehr als frisch verkaufen. 1000 Eier gingen an die Tafel, den Rest verkauften wir an einen Verarbeiter.“

Was sind weitere Vorsichtsmaßnahmen?

300 Euro kosten die wöchentlichen Proben jeweils. Der Tierarzt ist aufgrund der Überwachung Dauergast auf dem Hof. Der Kundenstamm von rund 500 Verbrauchern wurde frühzeitig über die Vogelgrippe in der Nachbarschaft aufgeklärt. „Da wir den offenen Kontakt gepflegt haben, verstehen die Verbraucher, dass von den Eiern keine Gefahr ausgeht“, so Schwarting. Die Eier werden nun aber mehr außer Haus verkauft, um den Kontakt mit dem Bauernhof gering zu halten.

Das gilt für alle drei Betriebe. Die Ställe dürfen nur mit Schutzkleidung betreten werden. Dass Produkte mit dem Erreger in den Handeln gelangen, halten alle drei Landwirte für unmöglich. „Sowohl Landwirte als auch Ämter und Tierärzte reagieren schnell. Der Erreger ist für den Menschen ungefährlich“, sagt Wieting. Außerdem kennen die Halter ihre Tiere, erklärt Heiko Schwarting – wenn etwas nicht stimmt, fällt es den Landwirten auf.

Welche Theorie gibt es zum Ausbruch der Pest?

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Und warum brach die Vogelgrippe gerade bei den Puten in Heiko Pflugs Stall aus? Seiner Überzeugung nach ist der Erreger über Staubpartikel durch die Jalousien an den Ställen in den Innenraum gelangt. Einen Kontakt zu den zwei vorher in der Gemeinde betroffenen Betrieben gab es nicht. In etwa einem Kilometer Entfernung liegt der Sandersfelder See. Dort könnten nach Pflugs Auffassung infizierte Wildvögel Rast gemacht haben. „Nicht die Nutztierhaltung – wie von vielen Seiten vermutet – ist der Täter. Es hat etwas mit den Wildvögeln zu tun“, meint auch Wieting.

„Wir würden uns wünschen, dass die Wissenschaft einen Schritt nach vorne macht“, meint Landwirt Pflug. Denn der Übertragungsweg sei immer noch nicht geklärt. Für die Zukunft könnte das Wissen um die Verbreitung bei der Prävention helfen. Bis auf seinem Mastbetrieb in Hurrel wieder Normalität einkehrt, muss der 48-Jährige noch eine Menge Schreibkram und Bürokratie überwinden. „Arbeitslos bin ich nicht.“

Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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