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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Oberlethes letzter Schuhmacher

04.08.2018

Oberlethe Ein moosgrüner Teppich und rustikale, dunkle Möbel erinnern an die 70er Jahre, wenn man den Schuhladen von Heinz Lüschen in Oberlethe betritt. Das Herzstück seines Geschäftes liegt verborgen: Durch einen schmalen Durchgang geht es hinein in seine Werkstatt, und die offenbart ein echtes Stück Geschichte – von dem der 80-Jährige gerne erzählt. Heinz Lüschen ist Schuhmacher, doch die stellt er schon lange nicht mehr selbst her.

Gelernt hat er diesen Beruf 1956 in Oldenburg mit zwei weiteren Gesellen; drei Jahre dauerte die Lehre. „Zur Prüfung wurde ein handgefertigter Schuh verlangt“, berichtet der 80-Jährige. Den habe er nur leider nicht mehr. Er ist wohl unter all den Schuhen, die Lüschen in seinem langen Arbeitsleben hergestellt, repariert und verkauft hat, verloren gegangen.

Im Jahr 1966 übernahm er den Schuhladen seines Vaters in der dritten Generation. Den Grundstein für das Familienunternehmen legte 1883 der Dorfschuhmacher Johann Friedrich Lüschen.

„Jedes Dorf hatte seinen Schuhmacher“, weiß Heinz Lüschen noch. Der hat damals nicht nur Schuhe für die Dorfbevölkerung hergestellt, sondern auch Berufsgruppen wie Bäcker und Schornsteinfeger mit Fußbekleidung ausgestattet.

An einem Schuh habe Lüschen etwa acht Stunden arbeiten müssen, erzählt er. „Das Handwerk hat mir Spaß gemacht.“ Als er den Laden seines Vaters übernahm, habe er schon keine Schuhe mehr herstellen müssen. „Das wurde zu der Zeit schon in der Fabrik gemacht.“

Doch die Leisten – Formstücke, die zum Fertigen eines Schuhs verwendet werden – stehen immer noch in Reih und Glied auf den Regalen in des Schuhmachers Werkstatt. „Diese Leisten wurden damals nach Maß angefertigt.“ Pfeilen oder Schuhmacherhammer nutzt Lüschen schon lange nicht mehr. „Damit schlug man früher die Nägel in die Sohle“, erklärt er und greift nach dem Hammer – früher, als es noch keine Hightech-Kleber gab.

„Heute wird alles geklebt, mit nur einem Kleber für alle Materialien“, weiß Lüschen. Bei ihm ist das eine kleine weiße Tube. Einen Schuh an die Sohle nähen oder hämmern? Das läuft mittlerweile einfacher und schneller. In seiner Werkstatt steht der 80-Jährige also an der Poliermaschine und der Presse, manchmal an der Nähmaschine – aber meistens doch im Laden. Die Schuhreparatur besteht größtenteils daraus, Sohlen und Absätze zu erneuern und aus kleinen Näharbeiten.

Er bindet sich seine Schuhmacher-Schürze um und setzt sich auf seinen Schemel vor die Fensterbank. Schließlich beginnt er, ein Stück aus einem großen Gummibogen herauszuschneiden: Eine neue Sohle für einen Lederschuh. Was früher mühsam mit der Pfeile gemacht wurde – nämlich um die alte Sohle abzuschleifen – erledigt heute die Maschine. Das Kleben, das Pressen der neuen Sohle an den Schuh, dauert nur wenige Minuten. „Was ich alles in der Lehrzeit gelernt habe – davon ist schon lange nichts mehr da“, lacht er. Ob er es schade finde, dass das Schuhhandwerk aussterbe? „Das kann ich so nicht sagen. Es ist eben der Trend.“

Nach 62 Jahren im Beruf ist nun auch langsam ein Ende in Sicht. In zwei Jahren will Heinz Lüschen sein Geschäft schließen. „Dann wird es hier im Dorf keinen Schuhmacher mehr geben“, sagt er.

Nina Janssen
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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