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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Rentnerin aus Wildeshausen bleibt spurlos verschwunden

11.07.2014

Wildeshausen Ein ganz normaler Juni-Mittwoch in Wildeshausen. Sieht man von einer allgemeinen Vorfreude auf das Gildefest mal ab, ein Tag wie jeder andere. Doch an diesem 4. Juni passiert etwas, was der Polizei bis heute Rätsel aufgibt. Um 7 Uhr verlässt die 77-jährige Ingrid Hellwig ihr Krankenzimmer im Johanneum. Sie zieht nur ihre weiße Strickjacke über und schlüpft in die schwarze Jeans. Handtasche, Geldbörse – all das lässt sie im Schrank liegen.

Seitdem ist die Frau wie vom Erdboden verschwunden. Die Polizei gibt eine Suchmeldung heraus. Doch niemand hat die Rentnerin gesehen. Nirgendwo ist eine Unbekannte aufgefallen. Nicht in einem Zug oder Bus, nicht in einem anderen Krankenhaus. Keine Spur, kein Indiz, nicht einmal die weiße Strickjacke ist seitdem aufgetaucht.

In einem roten Sechs-Parteienhaus hat die Rentnerin gelebt. Kein Luxusdomizil, aber auch kein Brennpunkt. Eigentlich alles ganz normal. In der Wohnung erreicht die NWZ  den Sohn. „Nein“, sagt er. Derzeit möchte er zum Verschwinden seiner Mutter lieber nicht viel sagen. Die Ungewissheit, die Sorgen haben ihn um den Schlaf gebracht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch nach fünf Wochen ist es nur noch ein Strohhalm, an den er sich klammert. Und: 77 sei die Mutter, nicht 78, wie zunächst von den Behörden verbreitet.

Die Polizei habe ihm zwar gesagt, er solle sich keine Sorgen machen. Doch zweimal schon haben Ermittler die Wohnung nach Indizien durchsucht.

Gesucht wurde auch im Johanneum. Geschäftsführer Hubert Bartelt mag mit Hinblick auf die Schweigepflicht nichts zum konkreten Fall sagen. Generell gelte aber: Ein Krankenhaus sei keine geschlossene Einrichtung. Wenn ein Patient gehen wolle, könne er das tun – auf eigenes Risiko.

Frau Hellwig hat nach NWZ -Recherchen offenbar gar nicht erst gefragt. Sie ist einfach gegangen. Und nachdem eine erste Suche erfolglos blieb, wurden Angehörige und Polizei informiert. „So einen Fall haben wir bisher nicht erlebt“, sagt Bartelt.

Die Polizei hat in den vergangenen fünf Wochen nur eine dürre Beschreibung verbreitet. Ein Foto, wie sonst bei Vermisstenfällen üblich, hat sie nicht herausgegeben. „Es gibt leider kein aktuelles Bild von Frau Hellwig“, sagt Polizeisprecherin Jennifer Koch.

Die Fotos, die es von der zurückgezogenen Frau gibt, sind so alt, dass sie für die Suche nicht relevant seien, meint die Polizei. Allerdings: Nun will man mit Spezialisten des Landeskriminalamtes an einem Bild arbeiten. Die Experten sollen ein altes Foto so bearbeiten, dass es einen aktuellen Eindruck von Ingrid Hellwig zeigt.

400 Kilometer südlich von Wildeshausen lebt Christine Maur. Der Name Hellwig sagt ihr sofort etwas. Maur betreibt ein Portal im Internet, wo sie Vermisstenfälle auflistet. Die Fakten bekommt sie von Polizeibehörden, bundesweit verstreuten Mitstreitern und über das Internet. „Es ist wichtig, nicht nur an einem Ort zu suchen“, sagt sie.

Mit ihrer Internetseite will sie über regionale Grenzen hinweg Suchaktionen unterstützen. Was für sie am Fall Hellwig ungewöhnlich ist: „Von jedem Menschen gibt es ein Foto. Lieber ein schlechtes oder altes Bild als keines“, sagt sie. Eine kurze Beschreibung, die würde sich niemand merken. „Aber bei einem Bild, da grübeln Menschen schon mal.“

Ältere Vermisste sind für sie schon keine Seltenheit mehr. „Das nimmt zu“, sagt Maur. Und die Chance, dass Vermisste noch nach Wochen unversehrt auftauchen, seien gering. „Doch die Angehörigen brauchen eine Wahrheit, auch wenn die traurig ausfällt“, meint die Expertin.

Zurück nach Wildeshausen. Die Polizei hat gut fünf Wochen nach den Verschwinden die Jäger im Umfeld kontaktiert. Ob jemand vielleicht etwas gesehen hat. Und erstmals wird auch eine mögliche Erklärung für das Verschwinden genannt – Suizidabsichten. In der Öffentlichkeitssuche der Polizei war davon bisher keine Rede.
Ingrid Hellwigs Sohn wünscht sich nichts mehr als Klarheit. Und Hoffnung stirbt zuletzt. Die Beschreibung der vermissten Frau: Sie ist etwa 1,60 Meter groß und von hagerer Statur. Sie trägt kurze, graue Haare. Beim Verlassen des Krankenhauses war sie mit einer weißen Strickjacke und einer schwarzen Jeanshose bekleidet und trug eine Brille mit Metallgestell. Hinweise nimmt die Polizei Wildeshausen unter Telefon   0 44 31/ 94 10 entgegen.

Jasper Rittner
Redaktionsleitung
Redaktion Westerstede/Oldenburg
Tel:
04488 9988 2601

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