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Geschichte: Richtiger Schnitt ist Familiensache

31.03.2012

WARDENBURG Das vergilbte Foto weist direkt zurück in eine Zeit, als in Wardenburg noch vieles anders war. Durch den Ort führte nur ein befestigter Weg, Autos waren die absolute Ausnahme. Wer mobil sein musste, fuhr Rad oder mit Kutsche und Pferdegespann. Die kleine Schüssel unter dem „Rasieren“-Schild hing als Signal an die Kundschaft nur draußen, wenn heißes Wasser vorrätig war.

Das Haus, vor dem der erste Wardenburger Friseur, Diedrich Bremer, sich mit Frau, Kindern, Geselle und Hund 1920 fotografieren ließ, existiert in seinen Grundmauern noch heute. Der Salon Bremer, Oldenburger Str. 224, ist im Laufe der Jahrzehnte zwar mehrfach modernisiert und erweitert worden, der Charakter des Gründungsbaus blieb jedoch gut zu erkennen.

Als Kind durch den Salon

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„Hier ist mein Sohn als kleines Kind durch den Salon gelaufen und hat die Leute unterhalten“, erinnert sich Friseurmeister Arthur Bremer (61). Jetzt setzt Sohn Oliver die Familientradition in vierter Generation fort. Der 39-Jährige übernimmt die Geschäftsführung mit dem Ziel, gemeinsam mit seinem Vater und einem jungen Mitarbeiterteam den Salon zu modernisieren.

Bereits 1904 soll Diedrich Bremer den Menschen die Haare gestutzt haben, in der Oldenburger Friseur-Innung war er seit 1911 offizielles Mitglied. Anfangs arbeitete er auf der östlichen Seite der Ortsdurchfahrt, dort wo heute „Ihr Platz“ zu finden ist. Zeitgleich mit Karl Schönfeld, der damals ein Möbelhaus gründete, machte er sich hier selbstständig. 1911 zog der kleine Salon zuerst etwas nördlicher (jetzt: ABC-Schuh), 1919 baute Diedrich Bremer dann am heutigen Standort das kombinierte Wohn- und Geschäftshaus. Eine kleine Landwirtschaft gab der Familie ein wichtiges Zubrot. Zahnärzte gab es noch nicht im Ort, wie damals üblich übernahmen die Barbiere den Job, schmerzende Zähne zu ziehen. „Ich selbst habe die Werkzeuge noch gesehen“, erinnert sich Arthur Bremer. Heute ärgert er sich, dass die Instrumente im Laufe der Jahre entsorgt worden sind. So erinnern nur noch alte nummerierte Porzellantöpfe, in die Wasser zum Rasieren kam, an die Anfangsjahre des Familienbetriebs.

Kunden brachten Torf mit

Sein eigener Vater, Arthur Bremer sen., arbeitete von 1933 bis 1939 in Noordwijk (Niederlande), einem damals sehr beliebten Kurort, als Friseur für finanzstarke Kunden. Dann wurde auch er zur Wehrmacht eingezogen. Erst 1948 kehrte der Wardenburger aus Kriegsgefangenschaft zurück. Ohne zu zögern, führte er den Salon seines 1945 durch einen Schlaganfall verstorbenen Vaters weiter. Anfangs fehlte es an allem: Handtücher, Holz und Torf brachte die Kundschaft mit, nur so konnte überhaupt gearbeitet werden.

Friseurgeselle Walter Hein, der als Flüchtling aus dem heutigen Polen nach Wardenburg gekommen war, fand hier Arbeit. Er lebt heute noch am Schulweg. 1970 übernahm Arthur Bremer jun., ebenfalls Friseurmeister, das Geschäft. „Damals sah der Laden wie eine Drogerie aus. Es gab unzählige Hygieneartikel und etwa 60 Sorten Zigaretten“, erinnert er sich. Sein Vater, der Senior, schnitt selbst noch bis zum 86. Lebensjahr die Haare seiner Kumpel, z.B. des Schulfreunds Werner Hegeler, seines Zeichens schnellster Mann Wardenburgs.

1973 folgte die erste komplette Sanierung des Hauses, die bis dahin üblichen Kabinen wurden durch offene Räume ersetzt. 1977 erhielt das Haus ein Flachdach, 1999 wurde es zur heutigen Größe aufgestockt. Jetzt sei die Zeit reif, im Innern eine weitere Modernisierung vorzunehmen, sind sich Arthur und Oliver Bremer einig. Neue Farben, neue Einrichtung – zum Cityfest soll alles fertig sein. Gute Aussichten dafür, dass die Familientradition weiterlebt.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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