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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Start im perfekten Honig-Jahr

04.06.2018

Riehe „Abstand halten! Die Bienen sind heute nicht gut drauf“, warnt Dirk Hoffmann. „Und dann nehmen wir ihnen auch noch den Honig weg.“

Ideales Erntewetter herrscht am Samstag nicht, als 26 Jung-Imker beim Imkerverein Delmenhorst und Umgebung in die Honigherstellung eingewiesen werden. Merke: Feucht-schwüle Luft mögen die Bienen überhaupt nicht.

Manch ein Stich muss in der Folge gekühlt werden. Aber das gehöre zum Imkern dazu, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Imkervereins, während er über eine Bienenweide auf dem idyllischen Vereinsgelände in Riehe schlendert. Schutzkleidung helfe nur bedingt. Aber der Körper gewöhne sich mit der Zeit an das Gift der Bienen. Anders sei das natürlich bei Allergikern.

BILD: Karoline Schulz
Franz Winzinger (58), Pressesprecher und Honigwart des Imkervereins Delmenhorst, besitzt sieben Bienenvölker. Er wünscht sich mehr Verständnis für die Belange der Bienen. Karoline Schulz Bienen finden immer weniger Nahrung. Zusätzlich stören Pflanzenschutzmittel ihren Orientierungssinn. Merken Sie das? WinzingerEine verwirrte oder kranke Biene findet nicht wieder zurück in ihren Stock. In einem guten Jahr wie diesem wird das kompensiert, aber in einem schlechten Jahr bei zusätzlichem Nektarmangel merkt man das deutlicher. Bienen sind Indikatoren. Wenn es den Bienen schlecht geht, geht’s der Natur schlecht. Wie kann man den Bienen helfen? WinzingerIndem man Unwissen abbaut. Oft fehlt es einfach an der Kommunikation. Es hilft beispielsweise schon, wenn Landwirte Herbizide erst abends ausbringen, dann nehmen die Bienen weniger davon auf. Was kann der Normalbürger tun? WinzingerEr könnte seinen Ordnungsdrang etwas zurückfahren. Es hilft, den eigenen Garten etwas wilder wachsen zu lassen und nicht jede Löwenzahnblüte sofort abzumähen. Und natürlich kann man bienenfreundliche Sträucher und Stauden anpflanzen. Im Gartenhandel werden Blumen angeboten, die extra so gezogen sind, dass Insekten nicht in den Blütenkelch hineinfliegen können, damit die Blüte länger hält. Daher sollte man beim Kauf auf ursprüngliche Blumenarten und Blütenformen achten.

„Ordnungsdrang

zurückfahren“

Es ist der neunte Tag der Imkerschulung, die der Verein alle zwei Jahre anbietet. Einige der Teilnehmer besitzen bereits Bienenvölker und sind auf der Suche nach Tipps von erfahrenen Imkern. Andere wollen neu starten oder sie interessieren sich einfach für die Belange der Bienen oder auch für die Verarbeitung ihrer Produkte.

„Wir haben auch einige Teilnehmer, die eine Honigschulung benötigen“, erzählt Franz Winziger, Pressesprecher und Honigwart des Vereins. Diese müsse jeder nachweisen, der seinen Honig in den Gläsern des Deutschen Imkerbundes verkaufen möchte. Die sind so etwas wie Gütesiegel für den Honig.

Ernte in vollem Gang

Etwa sechs Monate dauert die Imkerschulung, die an einem bis zwei Wochenenden pro Monat stattfindet. Begonnen hat sie im Januar mit Theorie. „Wir versuchen, das Bienenjahr zu begleiten“, erzählt Winzinger. An den Bienen gearbeitet werde von März bis September. Nicht erst mit der ersten der beiden Honigernten, die Ende Mai/Anfang Juni ansteht, nimmt das Imkern mehrere Stunden pro Woche in Anspruch. Zwischendurch müssen die Völker kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden – etwa gegen den Befall mit der Varroa-Milbe.

„Die Milbe ist allgegenwärtig“, sagt Winziger. Aber wer seine Bienenvölker mit Ameisen- und Oxalsäure behandele und die Brut der Milbe regelmäßig entferne, erleide keine Totalverluste.

So aufwendig es ist – das Imkern liegt im Trend. „Die Zahl der Imker nimmt zu, aber die Zahl der Völker pro Imker geht zurück“, weiß Winzinger. Ältere Kollegen besäßen mitunter 80 bis 100 Völker, junge hätten heute weniger als 20. „Die meisten Jung-Imker haben zwei“, berichtet der Ganderkeseer, dessen eigene sieben Völker zu Hause, in einem Waldstück in Almsloh und auf dem Vereinsgelände umherschwirren.

Etwa 1500 Euro müssen Neu-Imker laut Winzinger in Material, Behandlungsmittel und Futter investieren, um ihren ersten eigenen Honig zu produzieren. „Es ist nicht damit getan, einfach eine Bienenkiste auf seinen Balkon zu stellen“, betont er. Auch müssten Imker, Zahl der Bienenvölker und Standorte beim Veterinäramt gemeldet werden. Reich macht das Imkern indes nicht: Etwa fünf Euro bringe das Pfund Honig.

Exzellenter Ertrag

Und so viel Honig wie in diesem Jahr wird nicht immer geerntet. „Schon allein die Frühjahrstracht liegt bei durchschnittlich 20 Kilogramm pro Bienenvolk“, freut sich Winziger. Dank des guten Wetters hätten die Pflanzen reichlich Nektar und damit Nahrung für die Bienen produziert. 2017 habe ein Volk im ganzen Jahr nur 17 Kilogramm gebracht.

Ende Juni wird die Schulung beendet sein. Ein Großteil der Jung-Imker dürfte sich dann dem 100 Mitglieder starken Imkerverein anschließen – denn: Das Imkern lebt vom Austausch. „Auch ein erfahrener Imker lernt immer noch dazu“, betont Winzinger.

Karoline Schulz
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2745

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