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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Salat und Süßes für Bedürftige

15.06.2013

Ahlhorn Es ist 8.30 Uhr, als ich auf das Gelände an der Katharinenstraße fahre - die Ahlhorner Tafel. Vor mir liegt das Dorfgemeinschaftshaus – der Lebensmittelausgabeort für Bedürftige. Die ersten von ihnen warten bereits vor der Tür und schauen bei der Warenausladung zu.

Jeder hat eine eigene Geschichte, doch ein Schicksal teilen alle: sie sind auf Hilfe angewiesen. Sei es die alleinerziehende Mutter mit vier Kindern oder die ältere Dame, deren Rente nicht ausreicht. „Jeder, der Lebensmittel von uns bekommt, gibt eine Bedürftigkeitsbescheinigung ab, die alle paar Monate erneuert werden muss“, sagt Peter Krönung, erster Vorsitzender der Tafel.

Er hat mich bereits erwartet. Ich gehe mit ihm in das Gebäude und versuche mich in die Lage eines Bedürftigen hineinzudenken. Neben mir steht eine Mutter mit drei Kindern, sie lächelt mir zu. Trotz ihrer Situation kann sie noch lachen, kommt es mir in den Sinn. Mein Gedanke wird unterbrochen.

„Hier ist die Anmeldung“, sagt Krönung. Ein Schreibtisch, darauf liegen Essenskarten. „Die roten sind für Erwachsene, die grünen für Kinder“. 600 Bedürftige zählt die Tafel momentan, 50 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund. „Darunter sind knapp 300 Kinder“, erklärt Krönung.

Eine Etage tiefer wird bereits fleißig gearbeitet. 18 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer räumen Ware in die Regale der Ausgabestelle. Alle haben die gleiche Motivation – „etwas Gutes für Menschen tun, die wirklich Hilfe brauchen“, sagt Krönung.

Hilfe in Form von Lebensmitteln, die aus privaten Spenden und von der Industrie stammen. „Die Waren sind alle frisch. Wir verkosten alles davon auch selber“, sagt Krönung. Langsam wird es ernst, es ist fast 10 Uhr. Mittlerweile stehen die Bedürftigen Schlange bis zum Eingang. 300 sind es bestimmt.

Helferin Helga Huntke reicht mir meine Arbeitskleidung – ein schwarzes Poloshirt mit dem Aufdruck „Wildeshauser Tafel/Ausgabestelle Ahlhorn“. Und natürlich Handschuhe, der Hygiene halber. Ich bin motiviert. Die Freude dieser Menschen über die kleineren Dinge des Lebens hat mich überwältigt.

Noch eine kurze Einweisung von der Teamleiterin: „Alle Waren nach eigenem Ermessen fair aufteilen“. Dann geht es los. Die ersten Bedürftigen kommen rein. Ich schnappe mir einen Korb, nehme die Karten entgegen. Zwei Erwachsene. Erst einmal zur Tiefkühltruhe. Eine Tüte Pommes, zwei Packungen Pfannkuchen mit Blaubeeren und eine Lasagne wandern in den Korb. „Pommes sind nur für Familien“, sagt eine Kollegin zu mir. Also wandern sie zurück in die Truhe. Stattdessen hole ich eine Packung Kroketten.

„Möchten Sie Suppe?“, frage ich die Kundin und hole den Texaseintopf. Doch dann der Hinweis meiner Kollegin: „Isst die Dame überhaupt Schweinefleisch?“. Kurz gefragt – die Antwort ist nein. Also den Texaseintopf zurückgestellt und Putenfleisch in den Korb gelegt.

Weiter geht es mit Obst und Gemüse. Ich reiche eine Paprika. „Danke, ich mag leider keine Paprika“, sagt die ältere Frau. Sie ist bescheiden, ich gebe ihr Chicorée.

Neben mir sehe ich wieder die Frau mit drei Kindern. Sie lächelt, bedankt sich. Für mich ist Feierabend. Abends daheim sehe ich in meinen gut gefüllten Kühlschrank. „Wie gut ich es doch habe“, denke ich.

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