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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

„Der Berufsalltag schreckt einige ab“

05.05.2018

Sandkrug /Kirchhatten Diese Zahlen haben Anfang April bundesweit für Aufsehen gesorgt. Dem Entwurf des Berufsbildungsberichts 2018 zufolge sind 2016 gut 146 000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst worden, das entspricht einem Anteil von 25,8 Prozent. Noch über diesem Bundesschnitt liegt die Abbrecherquote im Gebiet der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). 2017 wurden hier 1404 Ausbildungsverträge gelöst, das sind 26,6 Prozent. Dieser Anteil sei über die vorangegangenen Jahre nahezu konstant, so die IHK.

Hohe Abbruchquoten gibt es im Oldenburger Land etwa bei Köchen (59,3 Prozent), bei Berufskraftfahrern (42,6) oder Restaurantfachleuten (67,8). Hohe Abbrecherquoten gibt es zudem bei Friseuren und im Wach- und Sicherheitsdienst. Doch lassen sich diese Zahlen auf die Gemeinde Hatten herunterbrechen? Die NWZ hat Ausbildungsbetriebe verschiedener Branchen im Raum Kirchhatten und Sandkrug nach ihren Erfahrungen befragt.

Der Friseur

Friseurmeister Arnold Luther schaut zufrieden, wenn er nach seinen Auszubildenden gefragt wird. „Bis jetzt hat kein einziger bei mir seine Lehre abgebrochen“, sagt er. Bei 77 jungen Menschen, die er bislang zum Friseur ausgebildet hat, darf getrost bezweifelt werden, dass das einfach nur Glücksache ist. Wahrscheinlich liegt es eher an den Probetagen, auf die im Sandkruger Salon an der Poststraße seit je viel Wert gelegt wird. So haben beide Seiten die Chance, sich kennenzulernen, bevor man sich bindet.

Viele junge Menschen drängt es heutzutage nicht gerade in den Beruf. „Man muss schon suchen. Am besten über den Freundeskreis der Auszubildenden“, verrät Luther ein kleines Geheimnis. Da kann er dann auch weiterhin auf einen Internetauftritt verzichten.

Eine seiner Auszubildenden ist Salome Wiese (18). Sie kommt im Juni ins zweite Lehrjahr. Über die Berufsschule hat sie schon früh mitbekommen, dass viele ihrer Generation die Ausbildung wieder schmeißen. „Viele nehmen das Ganze nicht ernst genug“, ist sie überzeugt. Man müsse die Ausbildungszeit auch als Verpflichtung sehen. „Die Aufgaben sind vielfältig, langweilig wird es nicht, wenn man sich engagiert“, beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Der Florist

Dass es auch ganz anders sein kann, zeigt der Anruf bei Henry Punke. Sein Floristikgeschäft an der Bahnhofstraße in Sandkrug bildet gar nicht mehr aus. „Auch wegen dieser Erfahrungen“, antwortet er auf die Frage nach Ausbildungsabbrechern.

Der Zimmermann

„Die Masse zieht ihre Ausbildung durch – oder wir ziehen sie durch“, scherzt Zimmermeister Holger Weerts. In über 30 Jahren hat sein Ausbildungsbetrieb an der Blumenstraße in Streekermoor allerdings auch schon mal die Erfahrung machen müssen, dass es gar nicht mehr geht. Generell sei es schwieriger geworden, gute Leute zu finden. Die Einstellung zur Arbeit habe sich geändert. „Der Berufsalltag mit den körperlichen Anforderungen, mal bei Hitze, mal bei Kälte, schreckt einige ab“, sagt Weerts. Den höchsten Krankenstand habe sein Betrieb jedenfalls bei den Azubis. Bei Praktikanten hat er schon wiederholt erlebt, dass diese nach dem ersten Tag wieder weg sind.

Doch über einen Kamm scheren will der Zimmermeister den beruflichen Nachwuchs nicht. Er hat schon Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten als Auszubildende gehabt. „Die Cleveren wollen voran und machen richtig Spaß“, so seine Erfahrung. Im Herbst vorigen Jahres hat er drei Praktikanten genommen, darunter eine junge Frau. „Das Mädchen war top“, sagt er. Die habe er sofort einem Kollegen empfohlen.

Die Gastronomin

Inzwischen zehn junge Menschen sind im Hotel und Restaurant „Zum Deutschen Hause“ in Kirchhatten ausgebildet worden – „früher auch Köche, inzwischen nur noch Hotelfachleute“, berichtet Inhaberin Kerstin Schnitker. Drei haben im Laufe der Jahre ihre Lehre hingeschmissen. „Die Branche ist hart – man hat meist nur ein Wochenende im Monat komplett frei, man muss richtig arbeiten. Das können viele nicht mehr, sie sind es überhaupt nicht gewöhnt“, ahnt Schnitker die Gründe.

Bestätigen kann dies die jetzige Auszubildende, Mara Daniel. Die 21-Jährige kann sich noch gut erinnern, wie es ihr in den ersten Tagen ihrer Ausbildung ging: „Das war eine riesige Umstellung von der Schule auf einen Acht-Stunden-Job. Ich war abends komplett kaputt, mir taten die Füße weh.“ Aber nach einem halben Jahr etwa habe sie sich an die Anforderungen gewöhnt, blickt sie zurück.

Guten Nachwuchs zu finden, beschreibt Schnitker als immer schwieriger. „Langsam habe ich nicht mehr das Gefühl, dass sich die Leute bei uns bewerben, sondern wir müssen uns quasi um Auszubildende bewerben.“

In diesem Juni wird Mara die Ausbildung im Deutschen Haus abschließen. Ob sie mal ans Aufhören gedacht hat? „Nein, nicht ernsthaft. Ich mag die Arbeit, den Kundenkontakt und das Bedienen, auch wenn es mir anfangs schwerfiel.“ Kerstin Schnitker sieht in Mara viel Potenzial: „Sie ist toll ins Team gewachsen, ist immer freundlich und übernimmt schon viele Dinge allein.“ Übernahmechancen? „Ganz klares Ja“, antwortet Schnitker und lacht.

Imke Harms
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003
Werner Fademrecht
Hatten
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2731
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