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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Schweinekasten als Beziehungs-Bremse

12.12.2007

GANDERKESEE Die Landwirtschaft als „Jobmotor“? – Was aus heutiger Sicht schwer vorstellbar ist, das hat Ganderkesee nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt: Hunderte von freigelassenen deutschen Kriegsgefangenen sowie Vertriebene und Flüchtlinge strömten in die Gemeinde, suchten eine Bleibe und Arbeit – und viele fanden beides in der Landwirtschaft. Was da zu tun war, unter welchen Bedingungen, und wie damals gelebt, gewohnt oder geflirtet wurde, darum ging es am Montagabend in der Reihe der „Ganderkeseer Lebensgeschichten“. „Landwirtschaft – Größter Arbeitgeber?“ hieß das Thema.

25 Interessierte waren zu dem von Gerold Sprung und Petra Sechting moderierten Abend gekommen – und hatten beim Sich-Erinnern erkennbar Spaß. Ohne irgendeine Verabredung wurde auf Platt gesprochen – von allen.

Die Betriebe, so gab Rudolf Schwarting zu bedenken, seien früher deutlich kleiner gewesen als heute. 1953/54 zum Beispiel habe die Durchschnittsgröße bei 17,6 Hektar gelegen. Warum trotzdem so viel Arbeit da war, machte Schwarting beispielhaft mit der zeitaufwendigen Feldarbeit in der Vor-Mähdrescher-Zeit deutlich: Nach dem Mähen habe man Garben gebunden, diese dann zum Trocknen zu Hocken zusammengestellt – bei Hafer und Gerste immer zwölf, bei Roggen 18 Stück. Schwarting: „Hockerei war eine gewaltige Arbeit.“

Auch die Fortbewegung war beschwerlich. Das erste, 1954 auf dem Hof Osterloh in Immer angeschaffte Auto habe keine Heizung gehabt, berichtete Herta Osterloh. So musste sie als Beifahrerin im Winter für ein Guckloch in der Windschutzscheibe sorgen, damit ihr Mann als Fahrer die Straße sehen konnte.

Von rasantem Tempo konnte keine Rede sein. Schwartings Trecker, Baujahr 1942 und für Transporte von Thienfelde nach Farge eingesetzt, fuhr maximal 8 km/h.

Reichlich rüde mutet heute an, was bei Feiern gang und gäbe war: Wenn beim Reiterball die Besucher aus dem Oldenburgischen bei der Musik ihr „Heil dir o Oldenburg bestellten“, um die Gäste aus dem Hannöverschen zu ärgern, „dann ging’s in Sachen“, so hieß es. Und wer sich als junger Mann um ein Mädchen aus dem Nachbardorf bemühte, der habe auch damit rechnen müssen, es mit der männlichen Dorfjugend zu tun zu bekommen. Da sei manch einer im Schweinekasten gelandet.

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