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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Altenpflege: Seit 30 Jahren zu Besuch im Wichernstift

24.03.2014

Elmeloh In den Anfangsjahren, sagt Karin Flohr, habe sie oft gedacht: „Die armen alten Leute!“ Jene Bewohner im Wichernstift nämlich, die nie Besuch von Angehörigen bekamen. „Heute dagegen“, räumt die 65-Jährige ein, „kann ich manchmal die Kinder verstehen, wenn sie nicht kommen!“ Denn nicht in allen Familien ist heile Welt zwischen den Generationen. Und alte Menschen im Pflegeheim sind nicht immer „pflegeleicht“ im Umgang, erst recht nicht, wenn sie an Demenz erkrankt sind wie die meisten in der „Wichernstift Altenhilfe“.

Karin Flohr jedoch kommt gern. Jeden Donnerstag, seit 30 Jahren! So lange gibt es den Besuchsdienst im Wichernstift. Die Delmenhorsterin gehörte von Anfang an dazu, ebenso wie Lotti Lindenburger (72). Die beiden Frauen folgten vor drei Jahrzehnten einem Aufruf von Pastor Heinz Gronewold, dem damaligen Seelsorger im Elmeloher Altenheim. Weil es zunehmend Bewohner gab, die keine Verwandten mehr oder keinen Kontakt zu ihnen hatten, wurden Freiwillige für einen wöchentlichen Besuchsdienst gesucht. Am 25. März 1984 traf sich die Gruppe erstmals.

Lange Zeit war es mehr als ein Dutzend Frauen und auch mal der eine oder andere Mann, die für einen Nachmittag in der Woche den Senioren Gesellschaft leisteten – und zwar immer den gleichen Bezugspersonen, meist über viele Jahre und oft bis zum Tod. „Das ist wie eine Patenschaft“, erklärt Heimleiter Friedrich Mohn, der den ehrenamtlichen Besuchsdienst als unverzichtbare Ergänzung der professionellen Pflege schätzt.

Gruppe gibt Rat und Halt

Es gebe darüber hinaus auch einzelne Freiwillige, die Wichernstift-Bewohner besuchen, sagt Mohn. „Aber so lange wie wir“, glaubt Lotti Lindenburger, „kann man das nur in einer Gruppe machen“. Die Besuchsdienst-Damen – zurzeit sind es sieben und ausschließlich Frauen – geben einander Rat und Halt. Bei Todesfällen etwa: „Wenn ein Bewohner stirbt, ist das oft schwer zu verkraften“, sagt Lotti Lindenburger. Über die Jahre entwickeln sich enge Beziehungen zwischen Bewohnern und Besucherinnen.

Auch über den Umgang mit Demenzkranken tauscht man sich in der Gruppe aus. „Da haben wir viel dazu gelernt“, betont Karin Flohr. Verweigerungen seien kontraproduktiv, man müsse die Erkrankten gewähren lassen – auch wenn das beim Essen bedeuten kann, dass der verwirrte Bewohner erstmal das Gebiss herausnimmt.

„Wer in den Besuchsdienst geht, sollte selbst als Person stabil sein“, gibt Friedrich Mohn zu bedenken. Die Ehrenamtlichen müssten auch mit Ablehnung umgehen können. „Es kommt vor, dass eine jahrelange Beziehung vom Bewohner abgebrochen wird“, erklärt Mohn, „das liegt aber nicht an der Person, sondern am Krankheitsbild“.

Und manchmal sind es auch Angehörige, die – wenn sie sich dann doch mal blicken lassen – Probleme bereiten. Karin Flohr hat schon erlebt, dass der Sohn des Bewohners ins Zimmer stürmte und sie mit den Worten herauswerfen wollte: „Hier gibt es nichts zu erben.“ Dabei sei es noch nie vorgekommen, dass die Helferinnen vom Besuchsdienst in dieser Form von ihrer Arbeit profitierten. Sie beziehen ihren „Lohn“ auf andere Art: „Wenn wir beim Kommen das Strahlen in den Augen sehen“, wie Lotti Lindenburger beschreibt.

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Rücken gestärkt

Vor allem aber profitiert das Wichernstift – in guten wie in schlechten Zeiten, wie Friedrich Mohn hervorhebt. In den Jahren der Insolvenz und der Neuausrichtung, als viele Gerüchte über das Wichernstift kursierten, habe der Besuchsdienst immer fest zur Einrichtung gestanden. „Das war enorm rückenstärkend!“ Keine Frage daher, was passiert, wenn die Besucherinnen mal selbst zu Bewohnerinnen werden sollten: „Für uns“, sagt Karin Flohr, „kommt nur das Wichernstift in Frage!“

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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