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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Töten steht keinesfalls im Vordergrund

05.10.2013

Hude „Wie kannst du nur auf Tiere schießen?“ war die entsetzte Frage einer guten Freundin, als Bärbel Knoop ihr eröffnete, dass sie fortan als Jägerin unterwegs ist. „Sie meinte, die Natur würde das schon selbst regulieren“, erzählt Knoop, „aber das tut sie nicht“. Die 47-Jährige ist eine von nur sieben Frauen im Hegering der Altgemeinde Hude. Insgesamt zählt der Hegering 84 Mitglieder.

Knoop geht seit 2007 auf die Jagd. Grund für ihren Eintritt in den Hegering Hude war ihr Flat Coated Retriever „Fjord“. „Ich wollte einen Hund haben, mit dem ich mich beschäftigen kann“, so Knoop, „und er sollte seinen Anlagen entsprechend arbeiten können.“ Der 2003 geborene „Fjord“ kam als Welpe in die Familie. Nach einer Jagdersatzausbildung, bei der die Hunde die Jagd mit Attrappen üben, folgte eine sogenannte Retriever-Gebrauchsprüfung beim Deutschen Retriever Club, die der Gebrauchsprüfung der Jägerschaft gleichzusetzen ist. Nach einer solchen Prüfung darf ein Hund ohne Leine mit auf die Jagd.

Damit auch sie selbst an der Jagd teilnehmen durfte, erwarb Knoop 2007 den Jagdschein. Dafür besuchte sie ein halbes Jahr die Jagdschule Handelsmann in Ahlhorn. Zwei Mal pro Woche nahm sie abends am rund zweistündigen Theorieunterricht teil, außerdem gab es zusätzlich zwei Stunden Schießunterricht pro Woche.

Darüber hinaus wohnte sie an den Wochenenden freiwilligen Wiederholungsstunden bei. Hier wurde in kleinen Gruppen insbesondere der Umgang mit den Schießeisen trainiert. „Frauen haben glaube ich immer Probleme mit Waffen“, meint Knoop, „also ich zumindest.“ Angst habe sie nicht, aber Respekt. „Männer können das eher“, glaubt sie.

Im selben Jahr wurde „Dagfinn“ geboren, ebenfalls ein Flat Coated Retriever. Auch er wurde ausgebildet, so dass heute beide Hunde mit auf Treibjagden gehen dürfen. Bei der Standjagd auf dem Hochsitz dürfen die Rüden ihr Frauchen allerdings nicht begleiten: „Die würden zu früh Laut geben, da würde ich ja nie zum Schuss kommen“, erklärt sie lachend.

Rund sechs Mal pro Jahr nimmt Knoop im Herbst und Winter an Treibjagden teil. Ein eigenes Revier hat sie allerdings nicht. Sie wird von anderen Jägern eingeladen. In der Männerdomäne fühlt sich die Huderin wohl. Mit ihren beiden tierischen Begleitern sei sie ein gern gesehener Gast, berichtet die Mutter zweier Kinder. Ein Jäger, der zwei Hunde führt, ist laut Knoop äußerst selten. „Die Herren sind immer ganz überrascht, dass beide so gehorsam sind.“

„Beim Schießen schießt das Adrenalin durch den Körper“, erzählt Knoop. Ihr erster Schuss traf eine Ente. Besonders in Erinnerung ist ihr der erste Schuss auf einen Rehbock in Erinnerung geblieben. „Das war echt aufregend so ganz alleine auf dem Stand.“ Mit dem Töten von Tieren hat die 47-Jährige kein Problem. „Ich töte, um die Tiere zu essen“, erklärt sie. Nicht essbare Tiere, wie den Fuchs, töte sie, weil es zu viele gebe. Und auch diese Kadaver lässt sie nicht ungenutzt liegen, sondern verwendet sie für die Ausbildung der Jagdhunde – und zwar nicht nur ihrer eigenen: Seit 2006 ist Knoop selbst Hundetrainerin.

Das Schießen stehe bei ihr aber keinesfalls im Vordergrund, stellt die Jägerin klar, ihr gehe es vielmehr um die Beschäftigung mit der Natur. So nimmt die Sozialpädagogin selten an Vergleichsschießen mit anderen Hegeringen teil, sondern engagiert sich bei „Lernort-Natur“-Aktionen und informiert Kinder und Erwachsene über ihre Umwelt. Derzeit besucht sie Fortbildungen des Deutschen Jagdverbandes, um sich als Naturpädagogin weiterzubilden.

Ihre Freundin konnte Bärbel Knoop allerdings bis heute nicht vom Nutzen der Jagd auf Tiere überzeugen. „Wir sind aber immer noch Freundinnen“, sagt Knoop lachend.

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