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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Verabschiedung: TÜV-Urgestein hört auf

01.10.2013

Wildeshausen Der Zündschlüssel steckt, der Motor röhrt. Behutsam fährt Jens Appel den PS-starken Boliden auf den Prüfstand. Reine Routine für den erfahrenen Kfz–Mechaniker- Karosserie-, und Fahrzeugbaumeister, der sein Handwerk beim Bund erlernte. Jetzt geht der 62-Jährige in den Ruhestand. Montagnachmittag wurde sein Nachfolger Dirk Stahmer vorgestellt.

Anerkannter TÜV-Prüfer wurde Appel 1989. Bevor die TÜV-Außenstelle in Wildeshausen 1990 eine Prüfanlage bekam, war Appel unter anderem beim TÜV in Vechta, Bremen, Emstek und Delmenhorst tätig. „Anfangs war ich mit meiner Schreibkraft Doris Bruns ganz alleine, nach einem Dreivierteljahr kam schließlich ein zweiter Mann“, sagt Appel.

Seitdem hat der 62-Jährige unzählige Autos auf Mängel überprüft. Alleine im ersten halben Jahr beim Wildeshauser TÜV waren es 3660. Dabei hat Appel schon einige kuriose Dinge erlebt. „Anfang der Neunziger habe ich eine Ente auf den Bremsprüfstand gefahren und die ist einfach zusammengebrochen“, erinnert sich der 62-Jährige. Oder an einen Golf-Fahrer, der keine Scheibenwischer an seinem Wagen haben wollte. „Das war ein Trend Anfang der Jahrtausendwende, da sollten alle Öffnungen am Wagen zugespachtelt werden“, sagt Appel lachend. Mit einem Schmunzeln erinnert sich der TÜV-Prüfer auch an einen BMW, der aus zwei Autos in der Mitte zusammengeschweißt wurde. „Aus zwei mach eins hat sich der Besitzer wohl gedacht, nur hält das natürlich nicht.“

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Bekannt wurde der anerkannte TÜV-Prüfer vor allem durch seinen lockeren Umgang mit Menschen. „Wenn ältere Kundschaft kam, wurde auch schon mal, Plattdeutsch geschnackt“, sagt Dirk Stahmer (47), Maschinenbauingenieur und gelernter Kfz-Mechaniker, der die Nachfolge Appels antritt.

Ganz von der Bühne verschwinden möchte der 62-Jährige auch nach dem Ruhestand nicht. „Mir macht die Arbeit Spaß, ich werde auf 450 Euro-Basis Unfallgutachten erstellen“, erklärt er. Auf den Prüfstand geht es für ihn zwar nicht mehr. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, noch einmal in den Wagen zu steigen, den Zündschlüssel zu drehen und das Röhren des Motors zu genießen.


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Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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