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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Auf Dauer keine Welle mehr

09.05.2018

Tungeln Das letzte Bier in einer Tungeler Gaststätte tranken die Kunden vor vier Jahren, nun wurde zwischen Hundsmühlen und Wardenburg auch die letzte Dauerwelle in einem anerkannten Frisörbetrieb gelegt. Der Salon Scherenschnitt an der Straße Neuer Hort hat seinen Betrieb aufgegeben. Eine Nachfolge wird es definitiv nicht geben.

Schwere Operation

Mehr als 40 Jahre lang stand Birgit Simon zwischen Waschbecken und Trockenhauben und erfüllte Mann oder Frau, jung oder alt jeden Frisurenwunsch. „Eigentlich wollte ich noch zwei Jahre machen“, sagt die 60-Jährige, die im Juni Geburtstag feiert. Doch unvorhergesehen musste sich Birgit Simon im vergangenen Jahr einer schweren Operation unterziehen. „Aus diesem Grund mussten wir den Salon am 16. Dezember schließen“, erzählt Ehemann Franz-Peter.

„Erst hatte ich noch überlegt, halbtags weiterzumachen, aber das hätte sich wirtschaftlich nicht gelohnt“, sagt Birgit Simon, die ihren Laden als Ein-Frau-Betrieb führte. Bereits Mitte Februar meldete sie ihr Gewerbe ab, aber im Laden scheint es, als wäre der letzte Kunde erst vor ein paar Stunden gegangen. Haarspraydosen stehen noch auf der Fensterbank und auch der Rollwagen mit den Frisörutensilien steht griffbereit.

Nicht mehr zeitgemäß sind allerdings Spiegel, Waschbecken und Stühle, die den Charme vergangener Jahrzehnte versprühen. „Wir haben zwar immer mal renoviert, aber nicht modernisiert“, gesteht Birgit Simon. Deshalb habe man gar nicht erst nach einem Nachfolger für das Geschäft gesucht: „Da hätte man zu viel investieren müssen“, erklärt Gatte Franz-Peter.

Bei der Frisurenmode musste der Salon Scherenschnitt dagegen immer auf dem Laufenden sein. „Ich habe alles mitgemacht: von Vokuhila (Vorne kurz hinten lang) über Dauerwelle und Irokesenschnitt“, lächelt die Gesellin. „Am meisten Spaß gemacht haben mir das Arbeiten mit Farben und Strähnen, und wenn ich an den Kunden mal einen neuen Schnitt ausprobieren durfte.“ Nicht selten mussten schon mal die eigenen Familienmitglieder als Models herhalten. Ambitionen den Familienbetrieb fortzuführen hatten die Söhne Matthias (40) und Thomas (34) jedenfalls keine.

„Wir wollen jetzt in Ruhe alles nach und nach verkaufen“, erklärt dreifacher Großvater Franz-Peter Simon. Eile habe das nicht, da das Gebäude mittlerweile einem der Söhne gehöre, und der mache keinen Druck.

Gegründet worden war der Frisörladen von Birgit Simons Vater, Wilfried Piehler, der sein Wohn- und Geschäftshaus im April 1966 eingeweiht hatte. Bereits mit 15 Jahren begann Tochter Birgit ihre Lehre im elterlichen Betrieb. „Damals hatten wir noch vier bis fünf Angestellte“, erinnert sich Birgit Simon.

Kaum Urlaub gemacht

Als er Vater 1994 starb, führte Tochter Birgit mit ihrer Mutter Gisela den Betrieb so lange weiter, bis die Mutter 2001 in Rente ging. Ein Pächter übernahm den Salon und Birgit Simon arbeitete dort als Angestellte weiter. Als die zweifache Mutter genügend Gesellenjahre zusammen hatte, um auch ohne Meisterbrief einen eigenen Betrieb leiten zu dürfen, übernahm sie den „Scherenschnitt“ in 2012 unter eigener Regie, aber ohne Angestellte. An Urlaub war seitdem kaum zu denken. „Länger als zehn Tage haben wir den Laden nie zugemacht“, erzählt der 61-jährige Franz-Peter Simon, der seiner Frau ab 2006 als Hausmann den Rücken frei hielt.

Einige Kunden, so Birgit Simon, kannte sie schon seit ihrer Ausbildung Anfang der 70er Jahre. Die älteren, die nicht mehr so mobil waren, holte sie schon mal mit dem Auto ab oder kam zu ihnen nach Hause. „Diesen Kontakt zu den Menschen wird meine Frau sehr vermissen“, weiß Ehemann Franz-Peter. „Aber letztendlich bin ich erleichtert, dass kein so großer Druck mehr auf mir lastet“, gesteht die 60-Jährige, die sich künftig auf ihre vollständige Gesundung konzentrieren und spontane Ausflüge mit ihrem Mann genießen will.

Marén Bettmann
Wardenburg
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2730

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