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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Landwirtschaft: Eine Jagd, die Leben retten soll

03.06.2020

Tweelbäke Ein leises Surren, mehr ist nicht zu hören. Die knallrote Drohne hebt von ihrem Startpunkt am Rande einer großen Grasfläche am Behrensweg ab. Wenige Sekunden nur, dann hat sie die optimale Flughöhe von 40 Metern erreicht.

Jannis Weihe, Drohnenbeauftragter des Hatter Hegerings und einer der Piloten an diesem frühen Morgen, hat das zu überfliegende Gebiet zuvor auf einem tragbaren Monitor markiert. Anhand der GPS-Daten zieht der Hexacopter der Firma Yuneec in den kommenden Minuten seine Bahnen. Das klappt fast überall fehlerfrei. Nur in der Nähe der Autobahnen spielt das Steuersignal – auf dem 2,4 Gigahertz-Band – manchmal verrückt. Über die Ursache rätselt das Drohnenteam noch.

Keine zwei Minuten später gibt es zum ersten Mal einen guten Grund für das „Bodenpersonal“, genauer nachzuschauen. Auf dem Bild, das die Wärmekamera der Drohne zum Boden sendet, zeichnet sich ein heller Fleck ab. Als sich zwei der Helfer bis auf wenige Schritte der verdächtigen Stelle nähern, kommt Bewegung in das Gras. Im Zickzack fliehen zwei kleine Punkte in entgegengesetzten Richtungen davon. Es sind zwei Hasen, die das Team aufgespürt hat.

15 Hektar in einer Stunde

Hartmut Wichmann (69), Pächter der landwirtschaftlichen Flächen in Tweelbäke, schaut mit Interesse zu, wie die Suche weiter geht. In wenigen Stunden werden hier seine Felder gemäht. Ein Kiebitzgelege hat er dank der Jäger bereits vor der Mahd an den Rand des Feldes umsetzen können. Der Gedanke, dass Kitze und andere Tiere nicht unnötig leiden müssen, wenn er die Grassilage für sein Milchvieh einholt, gefällt ihm. „Das ist wirklich eine hervorragende Sache“, sagt er.

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„Wir suchen jetzt professioneller“

15 Hektar in einer Stunde können durch die moderne Technik gründlich gescannt werden. Das Drohnenteam, das sich noch vor Sonnenaufgang trifft, macht den Job ehrenamtlich – und aus Überzeugung. Früh muss die Suche sein. Wenn die Sonne den Boden im Laufe des Vormittags erst einmal erwärmt hat, wird es immer schwerer, Lebewesen mit der Wärmebildkamera zu identifizieren.

Auf althergebrachte Weise ist es noch schwerer: Ein ganz junges Rehkitz ist sogar noch kleiner als ein ausgewachsener Hase und völlig geruchslos. Selbst Hunde würden die Jungtiere nicht aufspüren, wissen die Jäger aus Erfahrung. Gerettet werden an diesem Tag nicht nur Kitze. Ein ganzer Wurf Hasen überlebt die nächsten Stunden nur, weil die fünf Tiere, jedes nicht einmal so groß wie ein Handteller, dicht zusammenliegen und dadurch im Wärmebild auffallen. Ebenfalls ein Fund: Zwölf Eier eines Fasanengeleges nimmt Weihe mit nach Hause, dort kommen sie in einen Brutkasten. Ein bis zwei Wochen noch wird der Hegering sein Angebot wohl noch aufrechterhalten, dann dürfte auch der letzte Landwirt in der Gemeinde das Mähen erledigt haben. Auch erreichen mittlerweile viele Rehkitze ein Alter, in dem Hilfsaktionen nicht mehr nötig sind. „Die älteren fliehen jetzt vor uns“, sagt der Drohnenpilot. Aber wenn der Fluchtinstinkt funktioniere, sei das in Ordnung.

Kitze unterm Messer

Nicht überall stoßen die Jäger auf Verständnis für ihr Engagement. Man würde die Tiere doch nur retten, um sie später abzuschießen, heißt es da schon mal. Aber, sagt Jannis Weihe, es sei ein himmelweiter Unterschied, ob erwachsene, erntereife Tiere geschossen würden oder deren nur wenige Stunden alter Nachwuchs unter die Messer landwirtschaftlicher Maschinen gerate. Längst nicht alle seien sofort tot. „Wer schon einmal Rehkitze gesehen hat, die ihre Beine verloren haben, denkt darüber mit Sicherheit anders.“

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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