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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Demenz: Und morgen ist heute schon gestern

21.09.2013

Ganderkesee „Wir haben im Garten gesessen, die Obstbäume und Tulpen blühten. Ein wunderschöner Frühlingstag. Und dann hat sie gefragt, ob wir schon Äpfel geerntet hätten. Kurz vor Ostern“.

Heike Frank* erinnert sich genau an den Tag, als ihre Mutter begann, zu vergessen. „Rückblickend“, sagt die Ganderkeseerin, „hat es vielleicht schon früher angefangen, und ich wollte es nicht wahrhaben.“ Damals, vor vier Jahren, habe sie dann gemerkt, dass etwas nicht stimmt. „Von Demenz“, sagt die 61-Jährige, haben ihre Schwester und der Ehemann schon viel eher gesprochen. Inzwischen habe sie sich mit der Diagnose abgefunden.

Im Gegensatz zur Mutter: „Die Vorstellung, irgendwann mal Alzheimer zu bekommen, war immer ihre größte Angst. Über die vaskuläre Demenz sprechen wir nicht. Auch, wenn sie etwas ahnt.“ 

Zu erzählen gibt es für die Tochter genug anderes, wenn sie die 87-Jährige in ihrem neuen Zuhause besucht: Seit drei Jahren lebt Luise Frank* in der Wohngemeinschaft „Vergiss mein nicht“. Acht Frauen mit Demenzerkrankungen wohnen in der Einrichtung des Pflegeheims Wichernstift unter einem Dach. „In meinem Haus war ich ja ganz allein“ , sagt Luise Frank. „Das war in Siegen in Nordrhein-Westfalen.“ Ihre Tochter lächelt. „Zwischendurch hast Du in Delmenhorst gelebt. 15 Jahre“, erklärt sie geduldig. Und ihre Mutter wundert sich: „Ja?“

So geht das oft. Manchmal stelle sie immer ein und dieselbe Frage. Alle paar Minuten. Hin und wieder, gesteht die Rechtsanwältin, reiße ihr der Geduldsfaden. Dennoch: „Es ist, wie es ist. Ob Krebs oder Demenz – den eigenen Eltern beim allmählichen Abschied zuzusehen, ist nie leicht.“ Hier in der Einrichtung wisse sie ihre Mutter gut versorgt. „Am Ende“, erinnert sie sich, „ging es nicht mehr allein. Überall haben wir Zettel dran geklebt: Brot ist im Kühlschrank. Butter auf der Anrichte. Das hat sie augenblicklich vergessen und ist dann in den Supermarkt zum Einkaufen gelaufen.“

Seit sie weiß, dass ihre Mutter Menschen hat, die da sind, wenn sie beim Aufwachen vergessen hat, wo sie ist, sei vieles leichter. Außerdem gibt es einiges, woran sich die 87-Jährige erinnert: Die Kindheit im Sauerland. „Zwei mal im Jahr war Hochwasser. Wir standen am Dachbodenfenster und haben mit den Nachbarn geschwätzt.“ Luise Frank lacht. Auch an ihre große Liebe, den Vater ihrer Kinder, denkt sie gern zurück. „Mit dem Motorrad sind wir rumgefahren – was war das für eines?“ Fragend blickt sie ihre Tochter an. Die zuckt mit den Schultern und lacht: „Sowas merk’ ich mir nicht.“

Manchmal ist Vergessen nicht schlimm. So lange genug Erinnerungen an gemeinsame Jahre übrigbleiben, die Mutter und Tochter teilen können. Was noch kommt? Heike Frank weiß es nicht: „Ich lese keine Fachzeitschriften über die Krankheit“, sagt sie. Momentan sei der Verlauf schleichend: „Es gibt gute und schlechte Tage. Ihr Zustand ändert sich oft innerhalb von Minuten.“

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Welcher Tag heute ist, weiß Luise Frank nicht. Auch nicht, dass sie Demenz hat. „Herbst“, sagt sie und blickt aus dem Fenster, „ich mag lieber den Frühling, wenn die Obstbäume und Tulpen blühten.“

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

Lea von Deylen Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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