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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Mindestlohn: Unternehmer fürchten neue Preisspirale

30.06.2016

Grüppenbühren /Heide Gastronom Olaf Sievers weiß noch nicht genau, wie er diese Nachricht einschätzen soll: Der bundesweite Mindestlohn soll zum 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro steigen. „Der nächste Schritt kann wehtun“, meint der Betreiber des Gasthauses „Zur Linde“ in Grüppenbühren. Sievers schließt nicht aus, dass er den Anstieg der Kosten an die Kunden weitergeben muss.

Seit Einführung des Mindestlohns Anfang 2015 liegt die Lohnuntergrenze bei 8,50 Euro. Fürs heimische Handwerk sei das vom Grundsatz her kein Problem, sagt Hartmut Günnemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land. Die meisten Betriebe hätten schon vor der Gesetzesänderung den Mindestlohn bezahlt. Auch für ungelernte Kräfte gebe es tarifliche Entgeltstufen, die über dem Mindestlohn lägen – zugleich aber deutlich unter dem Facharbeiterlohn, so Günnemann auf NWZ -Anfrage.

Lange Dokumentation

Der Mindestlohn stelle weniger eine finanzielle als eine bürokratische Belastung dar: Arbeitszeiten müssen penibel dokumentiert, Pausen strikt eingehalten, Schichten mit Bedacht geplant und Personalreserven vorgehalten werden. Facharbeiter müssten jeden Tag ihre Arbeitszeit erfassen und spätestens am Montag der Folgewoche beim Arbeitgeber einreichen, weiß der Geschäftsführer der Handwerkerschaft. Die Dokumentation müsse zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Daran ändere sich mit der Anpassung zum 1. Januar nichts.

Gastronom Sievers geht davon aus, dass auch die Preise bei seinen Zulieferern steigen. Er selbst beschäftige 25 Kräfte; die meisten unterhalb der 450-Euro-Grenze. Die Planung und Dokumentation der Einsatzzeiten habe seiner Branche viel von ihrer Flexibilität genommen. Die Gewerkschaften dagegen loben den Mindestlohn

Den größten Kostenanstieg im Handwerk verzeichneten die Friseure. Mit der gesetzlichen Einkommensgrenze habe sie die Preise für einen Haarschnitt um ein bis zwei Euro anheben müssen, berichtet Friseurmeisterin Melanie Jodar aus Heide, zugleich Vorstandsmitglied der Friseur-Innung. „Die Luft nach oben ist irgendwann erschöpft“, meint sie. Wohl kaum jemand sei bereit, irgendwann einmal 40 Euro für einen normalen Haarschnitt zu bezahlen. Gerade in Heide gebe es viele Familien mit Kindern, die mit jedem Cent rechnen müssten. Sollten die Kosten weiter steigen, würden diese vermutlich den Weg zu Wettbewerbern in der Stadt auf sich nehmen.

Keine zweite Vollzeitkraft

Bei der Einführung des Mindestlohns sei der Friseur-Innung zwar eine Übergangszeit eingeräumt worden, berichtet die 35-jährige Friseurmeisterin, die im Salon „Prestige Cut“ eine Vollzeitkraft und eine Auszubildende beschäftigt. „Eine zweite Vollzeitkraft könnte ich mir heute nicht mehr leisten“, sagt Jodar. Ob sie die Anhebung von 34 Cent pro Arbeitsstunde an ihre Kunden weitergeben wird, sei offen. „Darüber muss ich noch mal nachdenken.“

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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