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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Gastronomie: Vom Fernfahrerheim zur Stadt-Institution

31.12.2015

Wildeshausen Noch ein letztes Mal gibt es die freie Auswahl auf der Speisekarte des Restaurants Wolters. Nach dem Silvester-Essen ist Schluss. Das Ende einer Wildeshauser Tradition.

Investitionsstau, ungeklärte Nachfolgerfrage und ein gutes Angebot zum Verkauf der Immobilie ließen für Barbara Wolters nach reiflichen Überlegungen keinen anderen Schluss zu. 33 Jahre hatte sie den Laden geschmissen. Zunächst mit ihrem Mann, nach dessen Tod die letzten 19 Jahre allein.

Vereine sagen Tschüss

Neben der Arbeitsplatzsuche für drei Mitarbeiter heißt es auch für mehrere Vereine, eine neue Bleibe zu suchen. Für Barbara Wolters gab es dadurch schon einmal einen Abschied auf Raten. Wohl fast jeder der Vereine und der Gilde, die sich hier all die Jahre wohl fühlten und noch heute von Essen und Service schwärmen, bedankten sich. Jeder auf seine Art und Weise, so wie der Kegelclub Neuntödter, der noch sein 120-jähriges Bestehen feierte.

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Gebäude wird abgerissen

Schon bald wird über dem Restaurant die Abrissbirne kreisen. Wolfgang Warkotz ist neuer Eigentümer der Immobilie. Der Wildeshauser plant gemeinsam mit Rewe und einem amerikanischen Pensionsfonds, dem die benachbarte Rewe-Immobilie gehört, den Neubau des Verbrauchermarktes am Huntetor.

Doch zunächst hat Barbara Wolters zwei Monate Zeit, das Restaurant zu räumen, Liebgewordenes zu sammeln und zu verkaufen, was zu verkaufen ist.

Aber es ist nicht nur die Familiengeschichte Wolters, die eng mit dem Gastronomie-Betrieb verbunden ist. Das ergeben die Recherchen von Alfred Panschar. Veröffentlicht hat er sie in seinem Buch „Wildeshauser Wirtschaftsgeschichten“.

Mit der Nummer 382 wurde das heutige Restaurant 1856 registriert. Erbauer war der Maurermeister namens Diedrich Lürßen, der an den Organisten und Schullehrer Friedrich Egelriede aus Edewecht den Bau verkaufte, der aber schon bald starb. Neuer Besitzer wurde Wilhelm Rövekamp. Ein gebürtiger Delmenhorster. Auf ihn folgten in kurzer Reihe Eichmeister Theodor Becker und Hermann Grunow.

Am 18. Juli 1881 lässt sich Hermann Diedrich Neuhaus, ein Gastwirt aus Hengsterholz mit seiner Ehefrau Anna vor dem Huntetor als neuer Eigentümer nieder. Er baut um und eröffnete als erster der zahlreichen Besitzer einen gastronomischen Betrieb. Aus heutiger Sicht war dies die Geburtsstunde des Gasthofes „Zum neuen Haus“ und folgender Beherbungs- und Bewirtungsbetriebe.

Weitere Umbauten folgten, um Pferde auszuspannen und zu versorgen. Auch für die Wagen wurden Unterstellplätze gebaut. Ein Angebot das viele Auswärtige und Durchreisende mit ihren Gespannen verweilen ließ, was damit auch für die Stadt Wildeshausen ein Gewinn war.

Bolte erweiterte Betrieb

Aber schon nach kurzer Zeit starb Neuhaus Ehefrau Anna. Er musste verkaufen. Viehzüchter Hinrich Bolte aus Brake erstand das Gebäude 1909. Kaufpreis: 22 000 Mark.

Bolte erweiterte den Betrieb um einen weiteren Geschäftszweig. Seine Ehefrau Martha führte den Gastbetrieb, während er sich mehr dem Zuchtviehgeschäft widmete. Neben dem Vieh- und Pferdehandel hielt er auch einen Bestand an Milchkühen, die einen Ruf besonderer Qualität hatten. Die unter ständiger Kontrolle stehenden Kühe brachten ihm das Privileg ein, Milchlieferant der gerade eingerichteten Großherzoglichen-Elisabeth-Heilstätte zu werden.

In den 1920er Jahren folgte wieder Besitzer auf Besitzer.

Mit dem Eintrag vom 26. Oktober 1932 begann die Ära Wolters. Der Müller Wilhelm Wolters und seine Ehefrau Johanne-Anne Schierenbeck wurden als Eigentümer registriert. Wolters stammte gebürtig aus Oyte bei Nienburg, seine Ehefrau aus Neuenkirchen bei Bassum. Unter seiner Regentschaft entwickelte sich das „Fernfahrerheim Wolters“. Die Kundschaft kam meist mit ihren Brummis aus den Benelux-Ländern und aus Skandinavien.

Nach dem Tod des Vaters am 7. Mai 1962 im Alter von fast 70 Jahren übernahm Juniorchef Willi Wolters den Betrieb als Alleininhaber mit tatkräftiger Unterstützung seiner Ehefrau Mary, die für die allseits anerkannte und gute Küche verantwortlich war. Zur Mannschaft des Familienunternehmens gehörten Hans Wolters, ein Bruder des Wirtes, und der Sohn Klaus, der nach seiner Ausbildung in den Betrieb eintrat.

Kegelbahn folgte 1969

Durch den Erwerb des Hoopmannschen Hauses sowie den Ankauf der angrenzenden Gärten im Jahre 1969 konnte eine Doppelkegelbahn errichtet werden. Schon vorher hatte Wolters einen Streifen von dem Grundstück Hoffmanns Höhe erworben, um Parkplätze für die Lkw zu schaffen und eine Tankstelle zu bauen.

Nach dem frühen Tod des Inhabers Klaus Wolters übernahm seine Ehefrau Barbara das Restaurant. Wehmütig wird sie an diesem Silvesterabend Abschied nehmen – von den letzten Gästen und ihrem Restaurant.

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