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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Von alter Baukunst und historischem Gerät

09.09.2013

Harpstedt „Schade, schade“, bedauerte Pastor Werner Richter, zugleich Vorsitzender des Mühlenvereins, angesichts der kräftigen Schauer beim Freiluftgottesdienst zum Tag des offenen Denkmals an der Harpstedter Windmühle. Gleichwohl: An Besucherzuspruch mangelte es nicht bei dem Gottesdienst mit Taufen, sogar zusätzliche Bänke mussten herbeigeholt –  und trockengewischt werden.

Auch bei den weiteren Aktionen zum Denkmalstag am Nachmittag in Harpstedt waren es teils doch mehr Interessierte, als der graue Himmel befürchten ließ. Etwas verhalten freilich der Zuspruch durch Radausflügler: „Sonst kommen oft Radfahrer vorbei – das ist so heute nicht so gegeben“, bemerkte Karl Landwehr, der gemeinsam mit Mitstreitern von der Koems-Rentnerbänd die Exponate in den historischen Fachwerkscheunen auf dem Koems erläuterte. An interessierten Nachfragen von Besuchern mangelte es aber nicht, und die wurden gerne und ausführlich beantwortet. Egal, ob es sich dabei um ausgestellte historische Feldgeräte handelte, um alte, zumeist funktionsfähige Radios aus einem Handwerksbetrieb oder um eine mit Elektromotor von 1924 betriebene Steinschrotmühle, an der der kleine Arne (5) aus Beckstedt gleich mal selbst Mahlgut auffangen durfte. Auch eine Dreschmaschine von etwa 1900 als erste Mechanisierungsstufe beim Dreschvorgang – samt Häckselmaschine auf einem Hof in Klein Henstedt entdeckt – war in Betrieb zu erleben. „Es ist ein Glücksfall, dass es immer wieder Leute gibt, die so etwas aufheben“, betonte Landwehr.

Zu sehen war in den Koems-Scheunen auch das von Hans Lampe erschaffene Modell der Harpstedter Burganlage. Der umtriebige Bastler selbst war am Sonntag bereits mit einer neuen Arbeit in der Christuskirche anzutreffen: einem detailgetreuen 1,20 mal 1,20 Meter großen Modell des Kirchendachstuhls. Rund ein halbes Jahr hat Lampe an eigenen Skizzen und der Planung gesessen, dann folgte die noch einmal halbjährige „Bauzeit“. Auf „35 bis 40 Stunden die Woche von Mai bis jetzt“ schätzt der Harpstedter den Aufwand, bis alle Sparren, Balken und Ständer aus Kiefern- und Fichtenholz ihren Platz gefunden hatten und geleimt waren – wobei er jede Holzleiste selbst aus Brettern sägte. Und dann musste zunächst mal ein Teilmodell her, „um die Verhältnismäßigkeit rauszukriegen“, wie Lampe erklärte. Denn Risse mit aussagekräftigen Längenangaben gebe es nicht.

Das aufwendige Modell des komplizierten Dachstuhls soll noch bis Erntedank in der Kirche zu sehen sein. Lampe kann jeden Balken erläutern. „Es ist eine schwebende Decke, die am Dachstuhl hängt“, umreißt er die Besonderheit der Konstruktion – weshalb im Inneren der Kirche auch keine tragende Säule zu entdecken ist.

Ein Blick ins Innere war übrigens am Sonntag auch in der 2009/2010 komplett renovierten Harpstedter Windmühle möglich: Nach dem Gottesdienst mit Blick auf Mühlstein und Mühlenflügel ging es für Interessierte gemeinsam mit Heinfried Sander hinein in den Galerieholländer von 1871. Der Gästeführer stellte das Sehenswerte auf den drei Böden vor und wusste zu berichten: „Es ist heute die einzige Mühle in der Umgebung, obwohl einst bis zu 14 weitere Mühlen von der Galerie aus zu sehen waren.“