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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Von Öl, Gummi und vielen Reifen

30.10.2014

Wildeshausen Es zischt, knallt, pufft. Der Geruch von Gummi, Metall und Öl steigt mir in die Nase. Meine Hände sind nach kürzester Zeit dreckig. Ich stehe in einem Blaumann mitten in einer Reifenwerkstatt. Die Arbeit kann beginnen.

Jetzt ist die Zeit, in der Autofahrer ihre Winterreifen aufziehen. „Von O bis O“, sagt man so schön. Von Oktober bis Ostern. Im Reifenhandel Wagenfeld am Westring in Wildeshausen herrscht deshalb auch gerade Hochbetrieb. Ich bin ahnungslos, was auf mich zukommt. Reifen gewechselt habe ich bisher nur in der Theorie und bin deshalb gespannt, wie so etwas in einer professionellen Werkstatt abläuft. Werkstattleiter Michael Albers und seinen beiden Kollegen Dominik Schmidtke und Sascha Gottschalk steht ins Gesicht geschrieben, dass sie mindestens genauso gespannt sind.

Filialleiterin Nina Hohendahl lieh mir ihren Blaumann und gab mir die kleinsten Handschuhe, die sie hat. Schmuck ablegen und jegliche Eitelkeiten sowie Zimperlichkeiten vergessen. Jetzt bin ich Reifenmonteurin.

Mit den Arbeitern bin ich sofort per „Du“– so ist das in einer Werkstatt. Micheal zeigt mir zuerst, wie ich den Reifen von der Felge bekommt und umgekehrt. Eine große Maschine soll dabei helfen. Nach einer Vorführung bin ich an der Reihe. Reifen von der Felge drücken, rauf auf die Maschine, Hebel unter den Reifen und den mechanischen Arm senken, der den Gummiring von der Felge löst. Danach wird das Ventil entfernt und der neue Reifen mit Seife beschmiert, damit er besser auf die Felge rutscht. Der Arm drückt den Winterreifen auf die Stahlfelge. Mit Luft aufpumpen, Ventil zudrehen und das Rad ist fertig.

Der Werkstattleiter ist mit mir zufrieden und schickt mich an die Unwucht-Maschine. Hier messe ich, wie viel Gewicht an die Felgen gehämmert werden muss. „Schön vorsichtig und lieber nicht auf die Finger hauen“, rät mir Michael lachend. Ohne ausgerutscht zu sein, laufen alle Räder wieder gerade. Der 35-Jährige lobt mich gutherzig mit einem „Supi“.

Nach meinem Erfolg zeigt Michael mir, wie er einen Traktorreifen wechselt. Mit vollem Körpereinsatz muss sich der 35-Jährige gegen das Ungetüm drücken. Da habe ich mit meinen 1,62 Meter keine Chance.

Nebenan riecht es nach Gummi, Dominik vulkanisiert gerade mit 90 Grad einen Reifen. Michael und ich hingegen machen uns auf zur „Reifen-Waschmaschine“, wie er sie nennt. Mit kleinen Kunststoffkugeln werden Reifen und Felge in wenigen Sekunden blitzblank geputzt, alles per Knopfdruck. Langweilig sei die Arbeit nicht, erzählt mir der Werkstattleiter. „Es kommt ja immer was Neues. Jetzt zum Beispiel das neue Reifendruckkontrollsystem. Auf sowas muss man sich immer wieder einstellen“.

Es geht an die Hebebühne. Zum ersten Mal halte ich einen Schlagschrauber in der Hand. Mit lautem Geratter und vollem Körpereinsatz drehe ich die Schrauben los und Michael hilft mir beim Absetzen des circa zehn Kilo schweren Rades. Danach montieren wir gemeinsam den Winterreifen, ich schraube, der Werkstattleiter hält fest. „Das Wichtigste ist: Die Handbremse muss angezogen sein und die Schrauben müssen über kreuz angezogen werden“, erklärt mir der 35-Jährige. „Dann runter lassen und mit einem Drehmomentschlüssel festziehen. Fertig!“

Zum Feierabend haben meine Kollegen noch eine Überraschung. Ich muss zum Reifen-Wettwechseln antreten. Profi Michael legt mit gekonnten Handgriffen los und wechselt zwei Räder in 2,36 Minuten. Nun bin ich an der Reihe. Ich visiere die fünf Schrauben an. Dominik gibt das Startzeichen. Ich schraube so schnell es geht, bekomme Tipps von den Schiedsrichtern und Michael, ein guter Sportsmann, hält mir den Reifen an das Auto. Am Ende schaffe ich zwei Räder in 5,14 Minuten. „Gar nicht so schlecht,“ muntern mich meine Kollegen auf.

Als ich am Abend, noch etwas dreckig zu Hause ankomme, spüre ich jeden Muskel. Ganz schön hart so ein Job. Und den Geruch von Öl, Gummi und Metall habe ich auch noch am nächsten Morgen in der Nase.

Ann-Christin Scharf Volontärin / NWZ-Redaktion
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