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Feuer am Faschings-Festzelt
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Aktualisiert vor 2 Minuten.

Brand In Ganderkesee
Feuer am Faschings-Festzelt

NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Waisenhaus mit Wildeshauser Geld fertig

29.01.2016

Wildeshausen Irgendwann war da nur noch diese eine Frage: Wann wird es endlich fertig, das Waisenhaus für Mädchen in Bam? Schließlich hatte doch schon 2003 ein Erdbeben die Stadt im Iran zerstört. Die Erleichterung von Rajabali Samadi ist zu spüren, als er diesen Satz sagt: „Es ist fertig.“ Dem Vorsitzende der Kinderhilfe Bam fällt eine Last von den Schultern. Endlich, nach über zehn Jahren voller Pläne, Arbeiten, kleinen Fortschritten und großen Hindernissen steht das Haus. „Ich bin glücklich“, so Samadi. 26 Mädchen, alle Vollwaisen, bietet das Gebäude eine sichere Unterkunft und die Chance auf ein Leben mit Perspektive. Dr. Hans Risse bestätigt: „Es sieht sehr sauber aus, ist für dortige Verhältnisse gut eingerichtet, die Mädchen machen einen gepflegten Eindruck.“

Imam greift ein

Der Wildeshauser Mediziner, am Krankenhaus Johanneum tätig, war es, der zufällig den Weg zur erlösenden Erkenntnis ebnete. Er plante eine Reise in den Iran und sprach Samadi deswegen an. Mit Risse zusammen: Da fühlte sich der Vorsitzende sicher genug, den Weg anzutreten, um nachzusehen, was aus der Baustelle geworden war.

BILD: Christian Korte/Stepmap

Katastrophales Erdbeben zerstörte weihnachten 2003 die historische Stadt Bam im ost-iran

Bam ist eine historische Stadt in der zentralen Hochebene des Ost-Irans. Größte Sehenswürdigkeit ist die Zitadelle Arg-é Bam. Sie wurde 2004 durch die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt, um den Wiederaufbau der beim Erdbeben vollständig zerstörten Festungsanlage abzusichern.

Am 26. Dezember 2003 erschütterte ein Erdbeben die Stadt. Es erreichte einen Wert von mehr als 6,3 auf der Richterskala – eine Katastrophe war die Folge. Es starben nach offiziellen Angaben mehr als 30 000 Menschen, andere Quellen sprechen von mehr als 40 000. In wenigen Minuten wurde mehr als die halbe Stadt zerstört. Bis zu 75 000 Menschen waren obdachlos, mehr als 6000 Kinder verloren einen Elternteil. 3000 Kinder wurden zu Vollwaisen. Am 21. Juli 2004 folgte ein weiteres Erdbeben (Wert von 4,2). Es entstanden weitere Schäden. Dabei wurden auch Häuser, die für Überlebende des Bebens 2003 errichtet worden waren, wieder zerstört.

Rajabali Samadi ist Ende der 60er Jahre aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Er praktiziert als psychologischer Psychotherapeut in Wildeshausen. Im April 2004 besuchte er das Erdbebengebiet in Bam. Was er dort erlebte, war verheerend. Samadi konnte dringend benötigte Medikamente verteilen, die in Deutschland gespendet worden waren. Der eigene Eindruck des Dramas war für Samadi der Anstoß, in seiner Heimatstadt Wildeshausen das Hilfsprojekt für den Bau eines Waisenhauses in Bam anzuschieben. Er gründete noch 2004 die Initiative „Wildeshauser Kinderhilfe Bam“ und steht bis heute an der Spitze des Vereins. Stellvertretender Vorsitzender ist der ehemalige Wildeshauser Pfarrer Heinz Holtmann, Kassenwart der Harpstedter Artur Ottawa.

    www.kinderhilfe-bam.de

So kam es im September 2015 zum Besuch auf dem Grundstück. Eineinhalb Jahre lang war jegliche Kontaktaufnahme ins Leere gelaufen, Anfragen unbeantwortet geblieben. Umso größer war die Überraschung der beiden deutschen Gäste: Das Haus auf dem 2500 Quadratmeter großen Areal war fertig. Was war passiert? „Der Imam des Ortes mochte die Ruine nicht mehr sehen“, so Samadi. Also ließ der Geistliche das Haus fertigbauen, das Dach aufsetzen und im März 2015 war die offizielle Einweihung. In Wildeshausen erfuhr nur niemand etwas davon.

Das Waisenhaus hat eine Fläche von 600 Quadratmeter. Das eingeschossige Gebäude erinnert an eine Festung, die Fenster sind vergittert, „auf nette Art und Weise“, so Risse. Eine große Mauer versperrt den Einblick von außen. „Es ist richtig abgeriegelt“, sagt Risse, „mit einem geschützten Innenhof“. Das sei typisch für die Region und diene auch der Sicherheit der Mädchen. Sie werden von drei Mitarbeiterinnen in jeder der zwei Schichten pro Tag betreut. „Sie gehen ganz normal zur Schule, gegenüber von unserem Haus“, erzählt Samadi. Von der Khomeini-Stiftung werde das Heim betrieben, vom iranischen Jugendamt die Kinder zugewiesen.

Embargo aufgehoben

Mit der Aufhebung des Embargos des Westens gegen den Iran vor wenigen Wochen, hofft Samadi, dass nun auch die Hilfe aus Wildeshausen wieder problemlos möglich ist. Seit Jahren waren keine Geldüberweisungen erlaubt. „Ich muss da noch einmal in diesem Jahr hin“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Hilfsgüter wie Küche, Solaranlage und anderes sind in drei Containern längst vor Ort. Bald sollen sie eingesetzt werden.

Jahrelang hatte der Verein, aktuell 52 Mitglieder, mit vielen Aktionen und Veranstaltungen emsig um Spenden gebeten, besonders im Raum Wildeshausen/Harpstedt. 87 600 Euro sind in den Bau des Waisenhauses geflossen, 40 600 Euro liegen derzeit noch auf dem Vereinskonto, so Kassenwart Artur Ottawa. Dieses Geld soll den Grundstock für eine Stiftung bilden, die künftig das Waisenhaus unterstützen könnte, schildert Samadi die neuen Ideen. „Den Mädchen eine Ausbildung zu verschaffen, wäre eine gute Sache“, meint Dr. Risse.

Ein nächster konkreter Schritt vor Ort ist der Einbau der Küche, um die derzeit noch provisorische Versorgung zu beenden. Inzwischen hat Samadi jede Woche Kontakt dank moderner Kommunikationstechnik.

„Samadi war zum Erfolg verurteilt“, meint Risse, selbst Mitglied in der Kinderhilfe Bam, über die vielen Jahre zwischen Hoffen und Bangen, ob das Projekt jemals fertig würde. Schließlich gab es die große Unterstützung in Wildeshausen und umzu, die nicht enttäuscht werden sollte. „Ich bedanke mich bei allen für die Unterstützung und die Geduld“, sagt Samadi.

Patenschaften geplant

Wenn er von den Schwierigkeiten bei dem Hilfsprojekt vorher gewusst hätte: „Ich hätte es nicht angefasst.“ Einen Satz weiter überlegt Samadi, dass Patenschaften von Deutschen für die Waisenmädchen gut wären. Die Kinderhilfe Bam wird ihn wohl nicht mehr loslassen – auch wenn das Haus jetzt fertig ist.

Ulrich Suttka Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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