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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Allein und doch nicht einsam

22.08.2018

Wardenburg In der kleinen Küche von Erna Arlt duftet es herrlich nach Mittagessen. „Heute gibt es bei mir Quarkkartoffeln mit Speck“, strahlt die 91-Jährige, während sie Zwiebeln schneidet. Erna Arlt ist eine von acht Bewohnern des Hedwig-Weide-Hauses in Wardenburg. Vor vier Jahren zog die betagte Dame von Achternmeer an die Marienburger Straße im Ortskern von Wardenburg. „Ich bin so froh, dass ich hier bin – und alle sind so nett hier.“

Ohne die Stiftung Hedwig-Weide-Haus hätte die fast 92-Jährige mit ihrer schmalen Rente kaum eine Chance gehabt, günstigen Wohnraum in zentraler Lage – sprich nah an Supermarkt, Arztpraxis und Apotheke – zu bekommen.

Vor 25 Jahren wurde das Hedwig-Weide-Haus im Auftrag der katholischen Kirche gebaut. Die finanziellen Mittel dafür stammten zum Teil aus dem Erbe, das die 77-jährige Hedwig Weide der Kirche vermacht hatte (siehe Info-Box).

„Zunächst hatten wir überlegt, von dem Geld eine neue Orgel anzuschaffen“, erinnert sich die damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Marianne Eichhorn. Doch dann entschieden sich die kirchlichen Gremien, auf dem von Hedwig Weide vermachten Grundstück für rund 1,4 Millionen DM ein Seniorenhaus mit acht Wohnungen und einem Gemeinschaftsraum zu bauen. So sollte den Mietern ein Schicksal wie das von Hedwig Weide erspart bleiben, die vereinsamt starb.

„Wir versuchen hier den Spagat zwischen Individualität und Gemeinschaftsleben“, erklärt Gerd Busch, stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender. In der etwa 52 m² großen, altengerechte Zwei-Zimmer-Wohnungen lebe jeder Mieter selbstbestimmt und in Eigenverantwortung. Darüber hinaus biete der große Gruppenraum die Möglichkeit gemeinsamer Aktivitäten. Auch Waschmaschine, Trockenkeller, Aufzug, ein großer Garten mit Terrasse und sogar ein kostenfreies Gästezimmer für Besucher stehen allen zur Verfügung. „Das Wohnkonzept ermöglicht allen Bewohnern einerseits ein hohes Maß an Kommunikation und Nähe, ohne dass andererseits Privatsphäre eingeengt wird“, heißt es in einem Flyer. „Eine Pflege kann jedoch nicht geleistet werden“, betonen Busch und Eichhorn.

Marianne Eichhorn schaut als Ehrenamtliche fast täglich im Haus vorbei. „Sie ist die gute Seele des Betriebes“, sagt Gerd Busch. Wer eine freie Wohnung bekommt und ins Konzept passt, entscheiden die Stiftungs-Verantwortlichen. Voraussetzung ist ein Wohnberechtigungsschein. Die Konfession spielt dagegen keine Rolle. „Zurzeit haben wir keinen einzigen Katholiken im Haus“, stellt Busch fest und merkt an, dass das Wohnkonzept des Hedwig-Weide-Haues einzigartig in der Gemeinde und in jedem Fall nachahmenswert sei.

Foto von Hedwig und Bruno Weide aus dem Nachlass. BILD: privat

vereinsamte Witwe vermacht gesamtes Vermögen der katholischen Kirche

Hedwig Weide – Namensgeberin der Stiftung, verstarb am 10. Juli 1991 im Alter von 77 Jahren. Ihr Grundstück an der Marienburger Straße 12 und ihr Barvermögen vermachte sie der katholischen Kirchengemeinde Heilige-Drei-Könige in Wardenburg.

Geboren wurde Hedwig Weide, geb. Regenbrecht, 1914 in Ostpreußen. Zusammen mit ihrem Mann Bruno, der als Handelsvertreter eines großen Kaffeekonzern in Bremen arbeitete, hatte sie nach dem Krieg in Wardenburg ein neues Zuhause gefunden. Bereits zu Lebzeiten hatte sich das kinderlose Paar im sozialen und kirchlichen Bereich stark engagiert. Nach dem Tod ihres Mannes lebte Hedwig Weide sehr zurückgezogen.

Vor diesem Hintergrund entschied der Kirchenausschuss, den Weide-Nachlass für den Bau eines Seniorenhauses mit Gemeinschaftsräumen zu verwenden, um der Vereinsamung älterer Menschen entgegenzuwirken.

Das Siedlerhaus auf dem Grundstück der Witwe Weide wurde abgerissen und am 26. April 1993 mit finanzieller Unterstützung von politischer Gemeinde, Landkreis und vom Land der Grundstein für eine neue Wohnanlage mit acht Wohnungen gelegt. Einweihung war am 27. November 1993. Im Jahr 2005 wurde das Hedwig-Weide-Haus in eine kirchliche Stiftung umgewandelt mit dem Zweck, günstigen Wohnmietraum für Senioren anzubieten. Vorsitzender des Stiftungskuratoriums ist derzeit Pfarrer Christoph Sibbel.

Das Jubiläum wird gefeiert an diesem Freitag ab 16 Uhr im Hedwig-Weide-Haus. Musikalisch umrahmt wird das Grillfest für Bewohner und geladene Gäste vom Blockflötenorchester Wardenburg in kleiner Besetzung.

Marén Bettmann
Wardenburg
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2730
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