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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

„Wir haben uns immer gewünscht, dass die Pflicht zurückkommt“

17.10.2019

Wardenburg Mit der Zustimmung zu einem Gesetzesentwurf von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat das Bundeskabinett die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerksberufen auf den Weg gebracht. Dieser Beschluss ruft bei Handwerksbetrieben in der Gemeinde Wardenburg eine überwiegend positive Reaktion hervor.

So sieht der Wardenburger Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister Thomas Lustig den Beschluss positiv und fügt an: „Wir haben arg darunter gelitten, dass die Pflicht 2004 abgeschafft wurde.“ Es seien prekäre Arbeitsverhältnisse zum Teil mit Bezahlungen unter dem Mindestlohn entstanden, da es Selbstständigen möglich sei, ihren Lohn selbst zu bestimmen. „Eine reguläre Firma hatte da keine Chance, das haben auch wir gespürt“, so Lustig.

Wunsch nach Pflicht

Das Hin und Her mit der Meisterpflicht

Unter dem Druck steigender Arbeitslosigkeit war die Meisterpflicht 2004 in 53 der damals 94 Meisterberufe aufgehoben worden. Bis dahin durfte sich nur selbstständig machen, wer einen Meisterbrief hatte. Man versprach sich von der Lockerung mehr Neugründungen und eine Belebung des Arbeitsmarktes. Seither dürfen sich beispielsweise Uhrmacher, Brauer oder Klavierbauer selbstständig machen, wenn sie bereits Erfahrungen als Geselle gesammelt haben.

Wer einen Meisterbrief hat, darf automatisch auch Lehrlinge ausbilden. In zulassungsfreien Gewerken ist dies auch mit besonderen Prüfungen möglich.

In zwölf Gewerken soll die Meisterpflicht nun wieder eingeführt werden, darunter die im Artikel genannten.

In Berufen wie Tischler, Bäcker oder Maurer war die Meisterprüfung für die Selbstständigkeit auch in den vergangenen Jahren weiterhin Pflicht.

Die Stimmung in der Handwerkskammer beschreibt der Fachvorsitzende des Meisterprüfungsausschusses für Raumausstatter, Gerd Hollje, als sehr gut. „Wir haben uns immer gewünscht, dass die Pflicht zurückkommt“, erzählt der 72-jährige Wardenburger. In den vergangenen Jahren habe er regelmäßig erlebt, dass Kunden Mängel in Handwerksprodukten beanstandet hätten. Auch der Tischlermeister Jan Janssen hat von diesen Fällen gehört. „Bei manchen Kunden wurden dreimal die Fliesen getauscht, bis es einer hingekriegt hat. Es waren leider zu viele Quacksalber am Werk“, bedauert er.

Auch Raumausstattermeister Oliver Löhr, der sich mit seiner Firma sitz_werk in Wardenburg selbstständig gemacht hat, berichtet von Kunden, die mehrmals schlechte Erfahrungen mit Handwerkern gemacht hätten. „Ich hatte in 17 Jahren Berufstätigkeit lediglich eine Reklamation“, so Löhr.

Befürchtungen, dass er nun Schiffbruch erleiden könnte, hat Tim Köne. Er hat von der Abschaffung der Meisterpflicht profitiert und ist seit zehn Jahren selbstständig. „Ich bin einer der wenigen, die sich etablieren konnten“, meint der Fußbodenleger aus Westerholt. Könes Existenzängste möchte Gerd Hollje zerstreuen: „Die Kollegen, die sich seinerzeit als Geselle selbstständig gemacht haben, werden auch weiterhin ihren Beruf ausüben können.“ Angesprochen auf die negativen Beispiele, die auch er selbst erlebt hat, ist er sich zudem sicher: „Die Kollegen, die die Qualität nicht bringen, werden am Markt nicht bestehen.“

Imageschaden

Dass sich die Zahl der Selbstständigen zum Teil signifikant erhöht hat, bestätigt ein Blick auf die Zahlen der Handwerkskammer Oldenburg für den Kammerbezirk Oldenburg. Ende 2003 waren 143 Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerbetriebe gemeldet, 2005 waren es bereits 411. Bei den Raumausstattern erhöhte sich die Zahl der Betriebe von 130 Ende 2003 auf 231 Ende 2005.

Es gibt aber auch Befürchtungen, dass die Entscheidung zur Wiedereinführung der Meisterpflicht zu spät kommt. „Letztendlich sind viele ohne einen Meisterbrief auf den Markt gekommen. Dem Image der Handwerksberufe wurde so geschadet“, befürchtet Löhr. „Da wollten Leute Geld machen“, ist der auf Polsterei spezialisierte Fachmann überzeugt.

Ein weiteres Problem sieht Thomas Lustig darin, dass die Zahl der Auszubildenden und die Zahl der Meisterschüler in manchen Berufen stark zurückgegangen ist. „Da ist auch Wissen verloren gegangen“, bedauert er. Auch die Handwerkskammer hat den Rückgang der Auszubildendenzahlen bemerkt. „Wir begrüßen die Wiedereinführung der Meisterpflicht, weil wir davon ausgehen, dass in diesen Gewerken wieder mehr ausgebildet wird“, so der Pressesprecher der Handwerkskammer, Torsten Heidmann.

Gerd Hollje bestätigt den Rückgang der Auszubildendenzahlen ebenfalls und teilt die Befürchtung um einen Verlust des Fachwissens, blickt zugleich aber positiv in die Zukunft: „Wir arbeiten an der Meisterschule darauf hin, die Anforderungen wieder höher zu schrauben.“ Diese seien seit 2004 reduziert worden. Auch die Zahl der Meisterschüler war in den vergangenen 15 Jahren zurückgegangen. „2020 werden wir erstmals seit mehreren Jahren wieder zwei Raumausstatter-Meisterkurse statt einem anbieten können“, so Hollje.

Gleiche Chancen

Heidmann weist darüber hinaus auf jene Gewerke hin, in denen nach wie vor keine Meisterpflicht gilt: „Diese Handwerke müssen die gleichen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung haben wie Handwerke mit Meisterpflicht. Hierzu gehört die verstärkte Förderung von Aus- und Weiterbildung sowie die Option einer zukünftigen Einstufung als zulassungspflichtiges Handwerk.“

Innerhalb von fünf Jahren sollen die Neuregelungen evaluiert werden. Ob der Meister dauerhaft bleibt, wird sich also zeigen. Tim Köne ist da skeptisch: „Ich möchte wetten, dass es wieder kippt.“

Daniel Schumann Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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