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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Weihnachten in Afghanistan

15.11.2014

Wildeshausen 27 Grad, Wüstensand und permanente Terrorgefahr in der islamischen Republik Afghanistan anstatt Bummeln auf dem Wildeshauser Weihnachtsmarkt: Die diesjährige Weihnachtszeit sieht für den Wildeshauser Werner Schunk etwas anders als geplant aus. Anfang November ist der Stabsfeldwebel zu seinem zweiten Einsatz nach Afghanistan ausgerückt.

Während es beim ersten Einsatz 2010 in Kunduz darum ging, die afghanische Armee auszubilden, erfüllt Schunk seine aktuelle Mission in Mazar-e-Sharif. Diesmal leistet er bis Ende März Büro- bzw. Stabsdiensttätigkeit. „Im Prinzip stellen wir die Versorgung der Verbände sicher, die noch da sind“, ergänzt er, ohne allzu sehr ins Detail gehen zu können.

An den ersten Einsatz hat Schunk, der eigentlich im Logistikbataillon 161 in Delmenhorst stationiert ist, überwiegend gute Erinnerungen. Vor allem die Freundlichkeit und Gastfreundschaft seiner afghanischen Partner haben ihm imponiert. Zur Verständigung wurde ein Sprachmittler eingesetzt, der Schunks Schulenglisch ins Dari übertrug. „Trotz aller sprachlichen und kulturellen Barrieren haben wir viel vermitteln können“, sinniert der Wildeshauser.

Doch auch schlimme Erfahrungen sind ihm nicht erspart geblieben. Mit Betroffenheit denkt er zum Beispiel immer noch an den „Blutigen Karfreitag“ am 3. April 2010. Mehrere Tote und Verletzte waren damals die Folge einer konzertierten Aktion von Taliban-Kämpfern. Mitglieder seines Teams waren zwar nicht betroffen, aber einige Opfer „kannte man schon.“ „Natürlich hab’ ich getrauert, und an ein strukturiertes Arbeiten war am Tag danach nicht zu denken, aber dann musste es weitergehen“, blickt er auf diese düsteren Tage zurück.

Dennoch war Schunk recht ruhig, als er von seinem neuerlichen Einsatz erfuhr. „Ich war ja schon mal da und bin außerdem diesmal im Lager im Stab eingesetzt, muss also nicht mehr rausfahren“, sagt er. Mit insgesamt drei Auslandseinsätzen gehöre er ohnehin zu den Soldaten, die nicht allzu oft in die Fremde müssten. Ausgewählt werde je nach Bedarf und Ausbildung.

Als der 46-jährige Schunk vor einem Vierteljahrhundert zur Bundeswehr ging, lagen Auslandseinsätze noch in weiter Ferne. Bereut hat er seine Entscheidung, die bei seinem Vater damals auf wenig Begeisterung stieß, dennoch nie. „Ich habe einfach etwas Neues gesucht, nachdem mein Lehrherr mir die Freude am Beruf gründlich genommen hatte“, erinnerte sich der gelernte Werkzeugmacher.

Vorbereitet auf seinen aktuellen Einsatz fühlt er sich optimal. Neben einem Gesundheitscheck samt zahlreicher Impfungen stand eine ausführliche dienstliche Ausbildung an. „Das ist unheimlich wichtig, denn im Umgang mit den Afghanen lauern sonst so manche Fettnäpfchen“, weiß der Stabsfeldwebel aus Erfahrung.

Weihnachten wird Schunk diesmal weitab von seiner Familie feiern. „Das ist nicht schön, aber schlimmer war es im Jahr 2000 im Kosovo, als unsere beiden Kinder noch klein waren“, sagt er.

Bedauert hat der Gildebruder es auch, dass er bei seinem ersten Afghanistan-Einsatz Pfingsten samt Gildefest verpasst hat. Zum Trost schenkte ihm Feuerwehrkamerad Jörg Kramer eine Wildeshausen-Fahne. „Die habe ich als Königsgruß für die damalige Majestät Lutz Ertelt gehisst“, schmunzelt der Wildeshauser.

Schunk hofft nun, dass er auch seinen aktuellen Einsatz heil übersteht und danach schnell wieder in den hiesigen Alltag zurückfindet. „Bei meiner letzten Rückkehr musste ich erst einmal meinen Fahrstil anpassen, denn das Blinken hatte ich mir in Afghanistan komplett abgewöhnt“, sagt er und vertraut darauf, dass auch diesmal keine größeren Probleme auftreten und der Einsatz möglichst friedlich bleibt.

Uta-Maria Kramer
Wildeshausen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2703

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