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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Wenn Bürgermeister Gänsehaut spüren

30.10.2015
Frage: Herr Kuraschinski, Sie sind jetzt seit einem Jahr Bürgermeister. Aber nach fünf Jahren als Nummer zwei im Stadthaus dürfte die Umstellung doch nicht so groß gewesen sein...
Kuraschinski: Oh doch. Ich hätte damit nicht gerechnet, aber Bürgermeister ist schon etwas völlig anderes als allgemeiner Vertreter. Als Bürgermeister ist man auch Repräsentant der Stadt und steht auch schon mal vor 5000 Menschen auf der Burgwiese. Als allgemeiner Vertreter leitet man eher interne Dienstbesprechungen mit deutlich weniger Personen. Da muss man sich erstmal umstellen. Außerdem bin ich jetzt quasi 24 Stunden im Dienst.

Mit 54,5 Prozent gewählt

Jens Kuraschinski ist in Wildeshausen geboren und aufgewachsen. Der 43-jährige Bürgermeister ist verheiratet und hat zwei Töchter (neun und zwölf Jahre alt). Sein großes Hobby ist die Astronomie.

Vor seiner Wahl im vergangenen Jahr war er fünf Jahre allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters – also die Nummer zwei im Stadthaus. Für die Wahl hatte die UWG den parteilosen Jens Kuraschinski aufgestellt.

Am 15. Juni setzte er sich mit 54,5 Prozent der Stimmen in der Stichwahl gegen Sabine de Buhr-Deichsel durch, die von den anderen Ratsparteien unterstützt worden war. Beim ersten Urnengang waren noch als unabhängige Kandidaten Jens-Peter Hennken und Andreas Tangemann angetreten, hatten aber nur 17 bzw. 14 Prozent der Stimmen erhalten.

Amtsantritt war zum 1. November, die Wahlperiode beträgt sieben Jahre.

Frage: Weil Sie überall von Bürgern angesprochen werden?
Kuraschinski: Genau. Ob beim Schwimmen im Kurbad oder beim Einkaufen, die Bürgerinnen und Bürger kommen mit ihren Anliegen auf einen zu. Und oft sind dabei sehr interessante Themen und Impulse, die ich dann in die Verwaltung gebe. Außerdem gibt es viele Anregungen bei den gut besuchten Bürgermeister-Sprechstunden.
Frage: Was bewegt die Menschen denn am meisten?
Kuraschinski: Das sind zum einen viele individuelle Dinge aus dem jeweiligen Umfeld. Ein Thema kommt aber immer wieder. Und das ist die Frage der Verkehrsführung in der Innenstadt. Es gibt ein großes Interesse, dass wir da etwas ändern.
Frage: Bekommen wir also bald eine Fußgängerzone?
Kuraschinski: Das Thema ist kompliziert und es gibt viele Aspekte. Mir ist wichtig, dass wir eine einvernehmliche Regelung mit dem HGV hinbekommen. Da wird es Gespräche geben, denen ich noch nicht vorgreifen will. Den Verkehr komplett aus der Innenstadt zu nehmen, kann aber auch Risiken bergen. Wir wollen Wildeshausen stärken und nicht schwächen. Aber vielleicht findet sich eine intelligente Idee mit einer Einbahnstraßenlösung oder einer Fußgängerzone am Sonntag.
Frage: In Sachen Innenstadt wollen Sie also erstmal mit den direkt Betroffenen sprechen. Ist das Ihr neuer Politikstil?
Kuraschinski: Ja, es ist mir bei allen Themen sehr wichtig, die jeweiligen Akteure zusammenzubringen. Probleme löst man am besten gemeinsam. Auch in der Politik gibt Wildeshausen jetzt ein ganz anderes Bild ab. Es gibt viele informelle Gesprächsrunden, wo man diskutiert. Dabei ist man auch nicht immer einer Meinung. Aber der Entscheidungsprozess ist auf jeden Fall konstruktiv und die Außendarstellung sehr viel besser.
Frage: Sie sind jetzt seit einem Jahr an der Stadtspitze. Wie wollen Sie Wildeshausen in den verbleibenden Jahren ihrer Amtszeit entwickeln?
Kuraschinski: Ich denke sogar noch länger als meine Wahlperiode. Wir sind gerade dabei, das Projekt Wildeshausen 2030 aufzusetzen. Wie soll sich die Stadt entwickeln? Wo wollen wir hin? Wie positionieren wir uns? Setzen wir stärker auf Tourismus? Wie entwickeln wir unsere Bildungslandschaft? Was tun wir mit dem Gesundheitsstandort Wildeshausen? Wie betreiben wir Wirtschaftsförderung? Wie siedeln wir neue Unternehmen an? Da gibt es sehr viele Fragen, die wir in einem Masterplan bündeln wollen. Nachdem unser neuer Wirtschaftskümmerer seit August im Amt ist, werden wir in den kommenden Monaten Ideen ausarbeiten.
Frage: Eine völlig unbekannte Größe bei den Planungen in allen Kommunen ist die Flüchtlingsfrage...
Kuraschinski: Das ist richtig. Man kann in der Tat noch nicht absehen, wie viele Menschen nach Wildeshausen kommen werden und wie viele länger bleiben. Das macht Planungen nicht unbedingt einfacher.
Frage: Vor allem mit Blick auf den Schulsektor.
Kuraschinski: Genau. Auch Flüchtlingskinder müssen selbstverständlich beschult werden. Mittel für neue Schulbauten gibt es vom Land jedoch nicht. Wir müssen sehr schnell und flexibel reagieren.
Frage: Wie viele Flüchtlinge hat die Stadt bereits aufgenommen?
Kuraschinski: Aktuell sind es 160 Menschen. Unsere Regelquote besagt, dass wir bis zum 31. Januar 230 Personen unterbringen müssen...
Frage: Aber es sind doch jetzt schon mehr, wenn man die Turnhallen mitrechnet.
Kuraschinski: Das sind Hallen des Landkreises, der dort rund 300 Personen untergebracht hat, die vom Land im Rahmen der Amtshilfe zusätzlich und vorübergehend geschickt wurden.
Frage: Vorübergehend bedeutet, dass die Hallen bald wieder geräumt werden?
Kuraschinski: Bisher war stets von vier Wochen die Rede. Alles andere ist Spekulation. Ob das Land angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen dies einhält, muss man abwarten.
Frage: Wo haben Sie die Flüchtlinge aus dem städtischen Kontingent untergebracht?
Kuraschinski: Das haben wir mit dezentral angemieteten Objekten bisher ganz gut geschafft. Es gibt durchaus einige Vermieter, die uns geeignete Unterkünfte angeboten haben. Ich hoffe, dass das auch künftig der Fall sein wird.
Frage: Dabei ist ja gerade der günstige Miet-Wohnungsmarkt ziemlich leer gefegt...
Kuraschinski: Das ist richtig, da muss etwas passieren. Wir sind auch schon am Ball. Im nächsten Stadtentwicklungsausschuss wird die Oldenburger GSG ihre Ideen vorstellen. Die GSG ist eine Genossenschaft, an der auch der Landkreis beteiligt ist.
Frage: Ein anderes Bauprojekt soll in der Pagenmarsch entstehen. Mit der Feuerwehr haben Sie ein Thema geerbt, dass nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig ist.
Kuraschinski: Bürgermeister zu sein, ist nun mal kein Wunschkonzert. Wenn es nach mir gehen würde, hätten wir schon mit dem Bau begonnen. Die abschließende Planung und Kalkulation liegen aber noch nicht vor. Nach den guten Erfahrungen beim Hallenbad haben wir nun einen Projektcontroller mit an Bord, damit es bei den Kosten keine weiteren bösen Überraschungen gibt. Ich hoffe, dass vielleicht im ersten Quartal der Bau begonnen werden kann.
Frage: Bauthemen sind für eine Stadt von enormer Wichtigkeit. Werden die jetzt Chefsache?
Kuraschinski: Da braucht man jemanden mit einer baulichen Fachkompetenz, der Bürgermeister und Politik beraten kann. So jemand muss sich aber auch in der Verwaltung auskennen. Wir denken deshalb darüber nach, ein Baudezernat zu schaffen – mit einer fachlich hoch qualifizierten Persönlichkeit als Kopf.
Frage: Zum Bereich Bau gehört auch das eben schon angeschnittene Schulthema. Wollen Sie eine neue Grundschule im Bereich der Stem, also im Stadtwesten bauen?
Kuraschinski: Das ist ja leider keine Frage des Wollens, sondern auch des Könnens. Für Wildeshausen würde ich mir eine neue Grundschule sehr wünschen. Aber das kostet – je nach Ausstattung – bis zu 14 Millionen. Und diese Summe können wir nicht stemmen. Zumal ich auch nicht vorhabe, unendlich an der Steuerspirale zu drehen.
Frage: Themenwechsel. Was sagt eigentlich Ihre Familie zu Ihrem neuen Amt?
Kuraschinski: Ich bin ja oft abends und an den Wochenenden auf Terminen, da steht das Familienleben bisweilen etwas im Hintergrund. Aber meine Familie unterstützt mich nach allen Kräften. Gelegentlich fährt mich meine Frau sogar zu Terminen und holt mich ab.
Frage: Sie hatten ja ein ereignisreiches Jahr. Die Rede auf der Burgwiese kam ja bereits zur Sprache. War das Ihr persönlicher Höhepunkt?
Kuraschinski: Absolut. Das erste Mal als General der Gilde vor 5000 Menschen zu sprechen, war eine ganz besondere Erfahrung.
Frage: Und welchen Tag würden Sie am liebsten wieder streichen?
Kuraschinski: Einen ganzen Tag gibt es da nicht. Allerdings war das Thema Holzhauser Straße schon ein echter Schlag. Dass die Kosten so massiv steigen, hat mich schon sehr aufgeregt.
Jasper Rittner
Redaktionsleitung
Redaktion Westerstede/Oldenburg
Tel:
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