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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Wenn es vor der Haustür plötzlich knallt

22.10.2014

Hude Horst Hennings Auffahrt endet mit einer Entwässerungsrinne. Von dort aus sind es zehn Schritte, vielleicht elf. Und ab dann wird scharf geschossen – zuletzt am vergangenen Wochenende. Auf dem Wall, der auf der anderen Seite der Straße „Am Stadion“ liegt, habe ein Jäger gestanden und einen Schuss in Richtung See abgegeben, sagt Henning. „Das ist mir dann doch etwas zu dicht an meinem Grundstück“, sagt der 50-jährige Huder.

„Es wird nicht in Richtung von Menschen geschossen – oder auch nur in die Nähe“, versichert Heino Rippen, Leiter des Hegerings Hude. Ein mulmiges Gefühl hat Henning trotzdem: „Was ist denn, wenn einer stolpert? Dann habe ich ein Loch im Garagentor.“

Jäger sind im Recht

Für Rippen ist das ein unwahrscheinliches Szenario. Selbst wenn ein Jäger wegrutscht, sagt er, „laufen wir nie mit geladenen Waffen herum“. Ist das Gewehr doch geladen, dann sei es nahezu immer gesichert. Trotzdem: „Man kann nie alles ausschließen oder für alles garantieren.“ Aber eine Autofahrt von Oldenburg nach Bremen sei gefährlicher, ist er überzeugt. Auf viele wirke es nur befremdlich, „wenn ein Jäger da mitten auf der Straße steht“, meint Rippen. Oft gebe es Kommunikationsprobleme.

Horst Henning reicht das nicht. „Es ist zwar unwahrscheinlich, aber es ist möglich“, sagt er. Im vergangenen Jahr ist der 50-Jährige schon einmal mit der Huder Jägerschaft aneinandergeraten. „Da war ich hier draußen“, erinnert er sich. „Plötzlich habe ich es knallen gehört.“ Die Jäger streiften am Seeufer entlang. Ein Bekannter von Henning, selbst als Jäger dabei, rief „Feuer einstellen!“. „Kurz darauf fiel trotzdem ein Schuss“, meint Henning. „Da habe ich die Polizei gerufen. Die kam aber leider nicht.“ Es folgte ein Wortgefecht.

„Ich weiß, dass die Jäger im Recht sind“, sagt Henning. Hetze betreiben wolle er auch nicht. „Nichtsdestotrotz leben hier Menschen. Ich will mich frei bewegen können“, meint er – ohne mulmiges Gefühl. Zudem gebe es hier Kinder, Spaziergänger, Reiter.

Doch die kommen im Bundesjagdgesetz nicht vor. Darin steht aber: „An Orten, an denen die Jagd nach den Umständen des einzelnen Falles die öffentliche Ruhe, Ordnung oder Sicherheit stören oder das Leben von Menschen gefährden würde, darf nicht gejagt werden.“

Doch eine Gefahr sieht Rippen eben nicht. „Das ist ein sensibler Ort, dessen sind wir uns bewusst“, sagt er. Jeder Anwohner würde vor Jagden benachrichtigt. Auch Horst Henning wurde angerufen.

Wenn man auf etwas schießen will, dann müsse man auch genau zielen, erklärt Rippen. Und zufällige Querschläger? Das Schrot, mit dem auf Kaninchen geschossen wird, verliere nach 35 Metern seine Wirkung, sagt Rippen. „Sobald da jemand rumläuft, wird sowieso nicht mehr geschossen.“

Das Jagdgesetz garantiere nicht nur Rechte für die Waidmänner, sondern auch Pflichten. Vor allem die zur Hege. „Das erste was wir tun, ist die Natur pflegen“, meint Rippen. Und auch die Jagd komme der Gemeinschaft zugute. Tiere würden nicht ausgerottet, vielmehr achteten Jäger darauf, dass einzelne Populationen nicht Überhand nehmen, sagt Rippen. „Wir machen das nicht, weil es uns Spaß macht, etwas totzuschießen.“

Jagd auf Kaninchen

Ein Grund, warum überhaupt so dicht an Wohnhäusern, Reit- und Sportplatz Schüsse fallen, liegt etwas mehr als zwei Jahre zurück. Vor einiger Zeit beauftragte die Gemeinde die Jäger, um der Kaninchenplage auf dem nahegelegenen Fußballfeld Herr zu werden. „Stellen sie sich vor, auf dem Rathausplatz gäbe es Kaninchen“, sagt Henning. „Da würde niemand schießen.“ Doch im Ortskern stehen mehr als vier Häuser.

Horst Henning hofft, dass ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen in Niedersachsen ein neues Jagdgesetz eingeführt wird. Dort schränkt das ökologische Jagdrecht die Jäger mehr ein als früher. Ein wenig hat das auch schon ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom Juni 2012 getan. Seitdem dürfen deutsche Grundstückseigentümer zumindest die Jagd auf ihrem eigenen Gelände untersagen.

Weitere Nachrichten:

Hegering Hude | Huder Jägerschaft | Polizei Hude