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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Wenn Moos die Heide erstickt

21.10.2016

Wildeshausen Gut sehen sie aus, die Heidepflanzen auf dem Pestruper Gräberfeld. Allerdings nur auf den ersten Blick, meint Schäfer Detlef Helmers. Bei der Frühjahrs- und Herbstbeweidung hatte er in diesem und im vergangenen Jahr viel Gelegenheit, das Terrain zu inspizieren. Ein Problem sieht er in der drohenden Versteppung der Fläche. „Zu viele Gräser, Moos und verdorrte Pflanzentriebe“, meint Helmers. Die Heide ersticke in einigen Teilbereichen förmlich. „Das Moos überwuchert junge Heidepflanzen, die Draht-Schmiele keimt in ihm und der schädliche Heideblattkäfer überwintert darin“, so der Schäfer.

Beweidung ein „Erfolgskonzept“

Als „Erfolgskonzept“ lobt Förster Heiner Brüning die Wiedereinführung der Beweidung im Jahr 2007. Nächstes Jahr wird das „Zehnjährige“ gefeiert.

Bei der Kostenberechnung kann man als Faustregel nehmen: Ein Euro pro Schaf pro Tag. 10 000 bis 15 000 Euro bezahlt das Forstamt pro Jahr für die rund 130 Tiere vom Schäferhof Teerling. Das sind pro Schaf rund 100 Euro.

An diesem Sonnabend möchte sich auch der Vorstand des Heimatvereins Düngstrup ein Bild von der Lage auf dem Gräberfeld machen. Ihm gehört der Schafkoben, in dem die Tiere nachts untergebracht sind.

Moos, Gras, Birken

Birken- und Faulbaumaufwuchs sei ebenfalls ein Problem. Teilweise seien die Bäume bis zu acht Meter hoch. Dass die Heide dennoch in diesem Jahr schöner als im Vorjahr geblüht habe, sei nur ein vorübergehendes Geschenk der Natur gewesen.

Um den Zustand der Heide zu verbessern, empfiehlt Helmers dringend, die Beweidung anzupassen. Die bisher starren Beweidungszeiten von Ende März/Anfang April bis Ende Mai sowie von Ende September/Anfang Oktober bis Anfang/Mitte Dezember eines jeden Jahres sowie eine relativ feste Anzahl von 100 bis 120 Moorschnucken machten eine erfolgreiche Beweidung schwierig.

Flexible Beweidung

„Ich halte flexiblere und der Vegetation angepasste Beweidungszeiten sowie eine größere Anzahl an Schnucken für sinnvoll“, so Helmers. So dürften es statt der 110 Tiere durchaus 150 bis 180 sein. „Anfang Dezember wird voraussichtlich immer noch Futter da sein, aber dennoch werden die Tiere abgezogen“, bemängelt er. Dabei könnten die Moorschnucken bei einer Winterbeweidung bis Mitte Januar das Moos bekämpfen. „Im gefrorenem Zustand würde es durch die Tiere losgetreten und verfrieren bzw. vertrocknen. Licht und Luft erreichten dann wieder den Boden und die Heidepflanzen. Verbliebene Gräser und Kräuter würden gefressen, die Heide besser verbissen werden“, so der Schäfer.

Das Pestruper Gräberfeld gehört den Niedersächsischen Landesforsten. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis sind die Landesforsten für den Erhalt des Natur- und Denkmalschutzgebietes zuständig. Organisationseinheit vor Ort ist das Forstamt Ahlhorn. Dort stoßen Helmers Vorschläge bislang auf wenig Gegenliebe.

Die Ansiedlung von Birken ist für Förster Heiner Brüning ein ganz natürlicher Vorgang der Sukzession zum Wald. Immerhin handele es sich bei der Heide nicht um eine Natur-, sondern Kulturlandschaft. In dem Denkmalschutzgebiet sei es auch nicht einfach so möglich, die Birken kontrolliert abbrennen zu lassen, da so Asche in die historischen Grabhügel gelange. Auf der rund 39 Hektar großen Heidefläche befinden sich circa 500 größere und kleinere Grabhügel aus der Bronze- und Eisenzeit.

Ist-Zustand erhalten

Auch in der Ausweitung der Beweidung sieht Brüning „eigentlich keinen Sinn“. Bei dem Gräberfeld handele es sich um ein FFH-Gebiet. FFH-Gebiete sind spezielle europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen sind. In den FFH-Kategorien von A bis C erfülle das Gräberfeld auf 80 Prozent der Fläche die Kategorie B. Dieser „für uns optimale Zustand“ solle gehalten werden. Wenn man irgendwann auf 95 Prozent der Fläche ein A habe, bedeute das nur Probleme, diesen Zustand zu erhalten.

Wenn sich Sponsoren für eine Ausweitung fänden, würde Brüning sich dem aber nicht in den Weg stellen. „Dann stellen wir da 50 Schafe mehr hin oder weiten die Beweidung bis maximal Weihnachten aus“, sagt er. Die Pause im Sommer sei aber unumgänglich, um die Heideblüte nicht zu gefährden.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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