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Reisende Handwerker In Rethorn: Wenn ungebetene Gäste aufs Dach steigen

06.12.2016

Rethorn /Bookholzberg Das Angebot hörte sich verlockend an – „aber da hätte ich eigentlich schon wachsam sein müssen“, gibt der Hausbesitzer aus Rethorn zu. Sein Name ist der NWZ  bekannt, der 80-Jährige möchte damit aber nicht in der Zeitung stehen. „Die könnten ja noch mal wiederkommen“, sorgt er sich.

„Die“ – das ist eine Gruppe von Handwerkern, die vor knapp zwei Wochen in seiner Einfahrt standen und auf die maroden Dachrinnen am Nebengebäude hinwiesen. Die könnten sie neu machen, für nur 150 Euro Arbeitslohn. Der Rethorner willigte ein. Und als die Männer erstmal bei ihm auf der Leiter standen, schlugen sie vor, auch die Asbestplatten auf dem Dach des Anbaus zu entfernen und es mit neuen Blechen zu verkleiden – alles zusammen sollte 500 Euro kosten.

Nach fünf Stunden hatten die Arbeiter – am Ende waren es fünf Mann – die neuen Rinnen installiert, am nächsten Morgen wurden die Dachbleche verlegt und mittags präsentierten sie dem Hausbesitzer die Rechnung: 8600 Euro – zahlbar in bar. Angeblich war das Material so teuer.

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Handwerker, die unaufgefordert Leistungen anbieten und hinterher überzogene Preise verlangen, sind nach Angaben der Polizei regelmäßig in der Region unterwegs. „Das sind meistens Reisende“, sagt Polizeisprecherin Melissa Oltmanns in Delmenhorst, „die sind immer schnell wieder weg.“ Oft handele es sich um Osteuropäer, manche seien auch aus Irland, Großbritannien und anderen europäischen Staaten. Es müsse nicht in jedem Fall ein Betrugsdelikt vorliegen, dennoch sollten Eigentümer, die sich übervorteilt fühlen, die Polizei verständigen.

Der 80-Jährige aus Rethorn hat das getan. Eine Streife kontrollierte die Papiere der Dach-Sanierer. Es handelte sich laut Polizei um Männer rumänischer Herkunft, die einen Wohnsitz in Berlin vorwiesen – und eine Arbeitserlaubnis. Doch die Kontrolle zeigte Wirkung: Statt 8600 Euro sollten die Arbeiten nur noch 3000 Euro kosten. Nachdem der Hausbesitzer sich beim Baustoffhandel nach dem Materialwert erkundigt hatte, willigte er ein – um die Sache hinter sich zu bringen. Er pochte aber auf eine Rechnung mit Mehrwertsteuer.

Bar bezahlen sollte der Rethorner trotzdem. Er und die Handwerker trafen sich am Nachmittag vor der Bank in Delmenhorst und 3600 Euro wechselten den Besitzer – darüber, dass die Mehrwertsteuer mit glatten 20 Prozent berechnet worden war, wollte der Hauseigentümer nun auch nicht mehr verhandeln. „Ich war froh, dass es damit erledigt war“, gibt er zu. Und so ein Angebot will er nie wieder annehmen.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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