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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Wie ein Kirchhatter fast ins Weltall flog

24.08.2011

KIRCHHATTEN „Wenn die Möglichkeit da gewesen wäre, hätte ich sie gerne ergriffen.“ Dietmar Sengespeik aus Kirchhatten wäre in den 80er Jahren fast ins All geflogen. Die Tauglichkeitsprüfung hatte er auch schon bestanden. Aber dann kam es doch anders.

Angefangen hatte alles im Jahr 1975, als das damalige Bremer Raumfahrttechnik-Unternehmen „ERNO“ den Auftrag für den Bau eines „Spacelabs“ (Raumlabor) erhielt. „Das ,Spacelab’ konnte in das Space Shuttle als eigenes Element ein- und wieder ausgebaut werden“, erklärt der 74-Jährige. Es diente dazu, Experimente und Beobachtungen in der Schwerelosigkeit durchzuführen. „Dazu gehörten zum Beispiel Untersuchung zur Orientierung oder konditionellen Belastungen in der Schwerelosigkeit“, weiß der gebürtige Oberschlesier.

Nutzlastexperten gesucht

Für die Einsätze dieses „Spacelab“ stellte die Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde (National Aeronautics and Space Administration, NASA) einen Platz für einen Nutzlastenexperten (NLE) aus dem „European Space Agency“-Verbund, kurz ESA, zur Verfügung. Daraufhin wurden europaweit Prüfungs- und Auswahlverfahren eingeleitet. In Deutschland wurde die damalige Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR), heute Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), mit dem Auswahlverfahren betreut. Und da kam Sengespeik ins Spiel.

„Eigentlich hatte ich mich dafür gar nicht beworben. Bekannte von mir haben mich aufgrund meiner Berufserfahrungen angemeldet“, sagt der Kirchhatter, der bis 2003 fliegerisch als Testpilot tätig war. „Nach der Anmeldung wurde ich dann von der ESA eingeladen, an dem Test teilzunehmen. Und das wollte ich mir nicht entgehen lassen“, erzählt Sengespeik.

Am 8. Juni 1977 ging es dann dafür nach Hamburg zur Lufthansa, wo „ganz grob die Spreu vom Weizen getrennt wurde“, sagt Sengespeik. Dort musste der damals 39-Jährige Konzentrationsübungen oder Tests zum technischen Verständnis absolvieren. Sengespeik bestand alles. Darauf folgten noch viele weitere Tests, unter anderem in Euskirchen, Bonn und Bad Godesberg. „Da saßen die Raumfahrtmediziner“, sagt Sengespeik. Dort musste der Testpilot zum Beispiel auch in den so genannten „Schneewittchensarg“. Das war eine Druckkabine, mit der getestet werden konnte, ob der Kreislauf des Kandidaten nach längerer Schwerelosigkeit den Unterdruck bei Rückkehr in die Erdatmosphäre erträgt. „Dafür musste ich auf einem Sattel sitzen, weil der Druck mich sonst in die Kabine gezogen hätte“, erklärt Sengespeik.

Es gab insgesamt rund 700 Bewerber. Sengespeik schaffte es letztendlich mit Ulf Merbold, Ernst Messerschmidt, Reinhard Furrer und Rainer Schwenn unter die glorreichen Fünf, die als Nutzlastexperten im Weltraum eingesetzt werden sollten. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Und der Werberummel war riesig. Das war schon etwas Besonderes“, erinnert sich Sengespeik.

Bau schleppte sich dahin

Doch der Bau des „Spacelabs“ schleppte sich dahin. „Eigentlich sollte es schon 1980 fertig gestellt werden“, sagt der Kirchhatter. 1981 wurde es auch noch nichts. Erst im Jahr 1982 war das „Spacelab“ einsatzbereit. „Ich habe es aufgrund meines Berufs leider nicht geschafft, mit meinen Kollegen mitzuhalten und bin in den zwei Jahren auf der Strecke geblieben. Ich war der einzige, der bei einer anderen Firma arbeitete“, erklärt Sengespeik. „Ich hätte meinen Beruf zu sehr vernachlässigen müssen, um bei der Stange zu bleiben.“

Letztendlich sind von den fünf Auserwählten nur Merbold, Furrer und Messerschmidt zu verschiedenen Zeiten ins Weltall geflogen. Etwas wehmütig ist Sengespeik deswegen schon, aber er sieht die Sache auch nüchtern: „Für mich und Schwenn blieb zum Schluss einfach nichts mehr übrig.“

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