• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Aktionskreis für osteuropäische Arbeiter in Wildeshausen und Ahlhorn

25.01.2020

Wildeshausen /Ahlhorn /Huntlosen Die Menschen werden „ausgebeutet, abgezockt, verschlissen und gedemütigt“: So beschreibt Pfarrer Peter Kossen das Schicksal der zumeist osteuropäischen Arbeitsmi­grantinnen und -migranten in der Schlacht- und Fleischindustrie und prangert immer wieder die schlechten Bedingungen an. Die Arbeiter kommen aus Rumänien und Bulgarien und sind in Wildeshausen und Ahlhorn kaum zu übersehen, denn hier produzieren zwei große Fleischverarbeiter (Geestland in Wildeshausen; Heidemark in Ahlhorn).

Am Donnerstagabend hat der Huntloser Georg Zindl im Restaurant Schalotte zur Gründung eines Aktionskreises „Würdiges Leben und Arbeiten Großenkneten“ aufgerufen. Rund 40 Zuhörer erlebten einen nachdenklich-kämpferischen Abend. Sie wollen sich gemeinsam für die Verbesserung der Lebens- und Wohnbedingungen der Wanderarbeiter einsetzen. Der Begriff der „sozialen Marktwirtschaft“ soll auch bei den Werkverträgen mehr als ein Lippenbekenntnis sein.

Wer ist der Initiator ?

Georg Zindl aus Huntlosen leitete die Versammlung. Er engagiert sich als ehrenamtlicher Integrationslotse und Gestalter des Ahlhorner Männer-Cafes. Ihm sei als „Christ, Humanist, Arbeitnehmer und politisch aktivem Mensch“ klar geworden, dass die Grenzen des Ertragbaren bei den Lebens- und Arbeitsbedingungen von prekär beschäftigten Menschen auch im Landkreis Oldenburg schon lange und deutlich überschritten seien.

Wer folgte dem Aufruf?

Schwerpunktmäßig waren Gäste aus Ahlhorn und Wildeshausen vertreten, aber auch aus anderen Ortschaften. Politik, Verwaltung, Gewerkschaften, Berater für mobile Arbeitnehmer, Integrationsbeauftragte, Migrationssozialarbeiter und Bürger waren zugegen. Aus Wildeshausen kamen unter anderem SPD-Chef Thomas Harms, SPD-Fraktionschef Stephan Dieckmann, Linken-Ratsfrau Kreszentia Flauger und CDW-Ratsherr Frank Stöver. Von den Grünen waren der Kreistagsabgeordnete Eduard Hüsers und der Harpstedter Götz Rohde dabei, von der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Bernd Bischof.

Gibt es ein Vorbild für den neuen Aktionskreis?

Ja, den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ in Lengerich/Westfalen. Er ist von Peter Kossen gegründet worden. Daher wurde sein Grußwort verlesen, in dem er eine enge Vernetzung mit seinem Verein anbot. Kossen: „Lassen Sie uns gemeinsam eintreten für Menschenwürde und gute Arbeit!“ Ziel sei es, Arbeitsmigranten aus Ost- und Südosteuropa bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu stärken, damit ihre Integration und Teilhabe gelinge. Der Verein will durch ein Netzwerk von Juristen und juristisch geschulten Ehrenamtlichen den Rechtsweg für Arbeitsmigranten leichter zugänglich machen.

Was kritisiert der
Aktionskreis
?

Die Ausbeutung der Arbeitsmigranten durch systematisches Unterlaufen und Umgehen der gesetzlichen Vorgaben. Es gebe seit 15 Jahren und weiterhin Verstöße gegen Arbeitszeitregeln (Pausen, Überstunden, und Abrechnung), Arbeitsschutz in den Betrieben, verordneten Mindestlohn, Vertretungsrechte, Gesunderhaltung von Arbeitnehmern und Gesundheitsschutz in den Betrieben. Zindl: „Allgemeine Arbeitsbedingungen werden aktiv untergraben und in vielen Fällen nicht eingehalten oder betrügerisch hintergangen.“ Die Unternehmer in der Fleischindustrie seien „keine Unternehmer, sondern Unterlasser“. Das gelte leider häufig auch für Akteure in Politik, Aufsichtsbehörden und Ämtern, die sich passiv oder wegschauend verhielten.

Hat sich die Situation
zuletzt verbessert
?

Klare Antwort von Daniela Reim, Beraterin für Mobile Beschäftigte: „Es gibt keine großen Veränderungen. Die Arbeiter werden weiter ausgebeutet, schlecht behandelt und erniedrigt. Sie haben jeden Tag Angst.“ Mehrfach war zu hören: Auch in anderen Branchen mit Werkverträgen greifen unsoziale Zustände um sich, so bei den Paketboten.

Wer ist an dem
System beteiligt
?

Georg Zindl beschrieb die Situation in der Schlacht-/Fleischindustrie bei Beschäftigungsmodellen und Arbeitskräftebeschaffung wie folgt: Dazu gehören Subunternehmen (die regelmäßig wechseln), Beteiligungsmodelle, heimische Agenten/Vermittler, Personalentsender (ausländische Agenturen/Vermittler/Werber/Kontaktleute), Zeitarbeitsfirmen, Personalverleiher, Dienstwohnungsvermieter, Kasernierer (Dienstwohnungen), weitere Personal-Unterbringungs-„Dienstleister“ und eine „systematische korrupte Vernetzung einzelner Beteiligter“.

Wie stehen die Firmen
zu den Vorwürfen
?

Vertreter von Firmen waren am Donnerstag nicht zugegen beziehungsweise gaben sich nicht zu erkennen. Die Wildeshauser Linken-Ratsfrau Kreszentia Flauger berichtete von Gesprächen der Stadt mit Geestland, wo die Firma immer wieder betont habe, dass alles in Ordnung sei. Dann werde um Namen und konkrete Fälle gebeten, damit man sich kümmern könne. Das Problem, wie mehrfach zu hören war: die Angst der Arbeiter um ihre Arbeitsstelle. Sie wollen keinesfalls namentlich bekannt werden. Damit fehlen auch Zeugen für juristisches Vorgehen. Selbst Krankschreibungen würden oft gemieden – aus Angst um den Arbeitsplatz.

Was will der Aktionskreis erreichen?

Vier Zielsetzungen/Aufgaben des Aktionskreises benannte Zindl: überparteiliche Öffentlichkeitsarbeit für soziale Arbeitsbedingungen, gegen Ausbeutung von mobilen Beschäftigten sowie für ein würdevolles Leben aller Menschen samt politischer Einflussnahme und möglichst Abschaffung der Werkverträge
 Begleitung von Einzelfällen, arbeitsteilig mit beratenden, juristischen und sozialarbeitenden Akteuren
 Vernetzen der engagierten Personen im Hilfesystem „Arbeitsmigranten“; mittelfristig Gründung einer Allianz der Mutigen gegen Ausbeutung/Menschenhandel und Gründung eines „Runden Tisches“ im Landkreis. Zindl: „Wir fordern eine starke Arbeitskontrollbehörde, die Gesetze umsetzt, überprüft und Arbeitnehmer schützt sowie kriminelle Strukturen zur Anklage bringt.“
 Integration der „Arbeitsmigranten“ in die Zivilgesellschaft; Stopp der Ghettoisierung“ in Ahlhorn und den Kommunen

Wie kann der Kontakt
aufgenommen werden
?

Zindl verweist auf die Mail­adresse Akrwlagk@gmx.de.


     www.wuerde-gerechtigkeit.de/index.php/de/ 
Ulrich Suttka Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
Rufen Sie mich an:
04431 9988 2702
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.