• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Kleingeld ist in Wildeshausen großes Thema

14.02.2020

Wildeshausen „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“, sagt Bernhard Niester. Damit macht der 79-Jährige seine Haltung zur Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Stücken deutlich. „Heute wird fast alles mit dem Computer gemacht, da finde ich es gut, noch Geld in den Händen zu halten. Da hat man noch etwas zu zählen, das ist auch für Kinder gut.“ Beim Rundgang am Donnerstag über den Wochenmarkt in Wildeshausen ist Niesters Sicht eher die Ausnahme. Und das ist keine Frage des Alters.

„Ich bin gegen Ein- und Zwei-Cent-Stücke“, erklärt Renate Overdick (75). „Sie sind lästig und oft fehlt einem beim Einkaufen ein Cent.“ Außerdem koste die Herstellung der Münzen mehr Geld, als sie wert seien. Overdick hält es mit den Holländern, wo auf fünf Cent auf- oder abgerundet wird.

Auf dem Wochenmarkt wird vielfach abgerundet. Kostet die Packung Oliven am Feinkoststand von Ferdinand Freitag (35) laut Waage 2,28 Euro, zahlt der Kunde 2,25 Euro. So ist es auch am Obst- und Gemüsestand bei Simone Thormählen (52). Landwirt Heiko Moorschlatt rundet sogar auf zehn Cent ab, wenn er seine Kartoffel verkauft. „Ein- und Zwei-Cent-Stücke können von mir aus abgeschafft werden“, sagt der 50-Jährige. „Die machen nur Arbeit und halten beim Zählen auf.“

Ein paar Meter weiter am Geflügelstand stehen Elena Schreiber (47) und Heike Hellbusch (49) hinterm Tresen. „Ich bin dafür, die Ein- und Zwei-Cent-Stücke abzuschaffen. Sie machen nur das Portemonnaie dick.“ Ihre Kollegin empfindet das auch so, sieht aber auch die Arbeitsplätze, die mit der Herstellung und Verarbeitung der Münzen verbunden sind.

Wilhelm Henke (79), der gerade auf dem Wochenmarkt einkauft, hat immer einen zweiten Geldbeutel in der Tasche – nur für Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen. „Der Bäcker freut sich immer, wenn ich das Kleingeld passend habe.“ Die kleinen Münzen seien zwar unbequem, doch er wolle sie behalten. „Ich habe mich daran gewöhnt.“

Der Einzelhandel würde es begrüßen, wenn die beiden Kupfermünzen abgeschafft werden. „Sie machen jede Menge Probleme“, sagt Johannes Lenzschau, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins (HGV) in Wildeshausen und Inhaber von „Schnittker am Markt“. „Wir müssen die Cent-Stücke als Wechselgeld vorhalten. Das kostet Geld; denn die Banken nehmen Gebühren, wenn ich dort eine Rolle mit Ein-Cent-Stücken hole.“ Andere Länder machten es vor, dass der Handel auch ohne die beiden Cent-Münzen funktioniere.

„Je nach Sortiment machen wir unsere Preise in Fünf-Cent-Schritten rund“, erklärt Lenzschau. Bei Produkten mit UVP-Preisen (unverbindlicher Verkaufspreis) lohne sich das aber nicht, weil dann jedes Produkt neu etikettiert werden müsste. Das sei auch bei Büchern so, weil es die Buchpreisbindung gebe. Doch das ließe sich mit einer Übergangszeit regeln. Übrigens: Ein- und Zwei-Cent-Münzen landeten mittlerweile oft in der Spendendose auf dem Tresen.

Die Bargeldver- und entsorgung sei teuer, berichtet Frank Ostertag, Vorstand der Volksbank Wildeshauser Geest in Wildeshausen. Für die Banken seien die Gebühren, die Kunden zahlen müssten, nicht kostendeckend.

Er persönlich würde seine Brötchen gern bargeldlos bezahlen, doch bei seinem Bäcker gebe es solch ein Kartenlesegerät noch nicht.

„Ganz ohne Bargeld wollen die Deutschen aber nicht sein“, weiß Ostertag und bezieht sich auf verschiedene Studien. Das ist am Donnerstag auch in der Innenstadt herauszuhören. „Ich bin dagegen, das Bargeld abzuschaffen“, sagt Lenzschau. Bargeld helfe, mit Geld umzugehen und die Kon­trolle zu behalten. Schon Kinder könnten mit Bargeld viel lernen. Auch Feinkostverkäufer Ferdinand Freitag sieht das so. Er äußert die Sorge, dass Kinder kleine Beträge nicht mehr zu schätzen wüssten.

Sein Kollege Nino Bach (22) ist überzeugt, dass das Bargeld auf Dauer abgeschafft wird. „Mit Karte zu bezahlen ist viel praktischer.“ Bis fünf Euro zahle er noch in bar, darüber mit Karte. Ähnlich hält es Renate Overdick: „Bis etwa 20 Euro zahle ich bar, danach mit Karte.“ Grundsätzlich möchte sie das Bargeld aber nicht missen.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
Rufen Sie mich an:
04431 9988 2705
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.