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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Das Schicksal hat es gut mit ihm gemeint

17.11.2018

Wildeshausen Als glückliches Schicksal beschreibt Rascho Saadi die vergangenen Jahre seines Lebens. Der heute 24-jährige Iraker kam mit 17 Jahren nach Deutschland, nach einer nervenaufreibenden Flucht über die Türkei. Allein. Orientierungslos. Voller Zweifel und Sorgen. Ohne seine Familie. Doch seitdem geht es in seinem Leben bergauf. Zu Oktober hat Saadi sich selbstständig gemacht und führt den Friseursalon Frisurium an der Harpstedter Straße in Wildeshausen.

Einen Mentor gefunden

Von vorn: „Ich sprach kein einziges Wort Deutsch, als ich hier ankam. Aber fest stand: ich wollte meinen Schulabschluss machen“, erinnert sich der 24-Jährige zurück. Zu Raschos günstigem Schicksal gehört auch, dass er in Deutschland einen Mentor, einen Begleiter gefunden hat. Matthias Kück (57) kam mit dem jungen Iraker durch die eigenen Söhne in Kontakt. „Meine Jungs spielen mit Rascho Fußball. Ich habe erfahren, dass er Hilfe beim Ausfüllen von Formularen braucht, also habe ich ihm vorgeschlagen, dass wir das zusammen machen können“, erzählt Kück, während er mit einem Kaffee in dem Aufenthaltsraum des neu eröffneten Friseursalons sitzt. Anerkennend nickt er Rascho zu: „Und nach seinem Schulabschluss lief das alles einfach irgendwie reibungslos durch“, sagt er nicht ohne Stolz.

Feuer und Flamme

Den Ausbildungsplatz als Friseur hat Rascho Saadi 2014 bekommen, in einem Salon in der Wildeshauser Innenstadt. „Ich wusste zu Anfang nicht, ob das was wirklich für mich ist. Aber nach einem Praktikum war ich Feuer und Flamme“, sagt der 24-Jährige lachend. Auch sein Lehrer an den Berufsbildenden Schulen habe ihm zu einem kreativen Beruf geraten. Spielend leicht mit Leuten in Kontakt kommen, viel unternehmen, sich was trauen, hart und zielstrebig arbeiten, nicht aufgeben – das sind nur einige von Raschos Eigenschaften, die Matthias Kück lobend hervorhebt.

Meistertitel bekommen

So startete seine Karriere, der er nach dem Ausbildungsabschluss noch mit dem Meistertitel die Krone aufsetzte. Ein halbes Jahr lang besuchte er die Meisterschule: „Der BWL-Teil war der schwierigste, da habe ich viel mit Matthias geübt und oft gezweifelt, ob ich das wirklich schaffe.“ Doch auch diese Hürde hat er genommen.

Und dann habe er sich unbedingt selbstständig machen wollen. „Von einem Arbeitskollegen habe ich erfahren, dass die Leiterin des Salons hier an der Harpstedter Straße nicht weiter machen möchte.“ Dass es mit dem eigenen Laden so schnell gehen würde, habe Rascho nicht erwartet und auch Matthias Kück, der selbst als Betriebsprüfer arbeitet, war baff, als sein Schützling ihm das Projekt vorstellte. „Es musste alles schnell gehen – Steuerberater, Finanzamt, Versicherungen, Arbeitsverträge und und und“, zählt Kück nur einige der Punkte auf, die abgearbeitet werden mussten, bevor Rascho am 1. Oktober stolz das Frisurium neu eröffnen konnte. „Das war schon ein tolles Gefühl, den Gewerbeschein in der Hand zu halten.“

Gut vernetzt

„Es war ein riesiger Glücksfall, dass ich die Innenausstattung übernehmen konnte“, ist Rascho dankbar. Renoviert hat er dennoch – mit tatkräftiger Unterstützung von sehr vielen Fußballkollegen, Freunden, Kunden. „Es ist unfassbar, wie gut vernetzt Rascho inzwischen ist. Ich glaube, er kennt mehr Leute in Wildeshausen und umzu als ich“, schätzt Kück lachend.

Die Liste der glücklichen Zufälle lässt sich weiterführen: Zwei Mitarbeiterinnen für den Salon hat Rascho ohne großen Aufwand gefunden. Tatjana Sandu (24) hat ihre Ausbildung im Frisurium gemacht, Janina Wittkopf (40) arbeitete bereits zweimal hier und ist nun zurückgekommen. „Und jetzt bleibe ich bis zur Rente“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Gutes Fazit

Falls übrigens potenzielle Kunden denken, dass Rascho Saadi nur ein Profi in Sachen Herrenhaarschnitt ist, der liegt falsch: „Dadurch, dass meine Ausbildung erst so kurz zurückliegt, kann ich alle Trendfrisuren schneiden, natürlich auch für Damen.“ Das Fazit nach den ersten vier Wochen ist gut. „Die Kunden melden zurück, dass die verlängerten Öffnungszeiten super sind“, freut sich der Jungunternehmer.

Bevor sich Matthias Kück verabschiedet, nimmt er noch kurz auf dem Friseurstuhl Platz. „Schon lange lasse ich mir von Rascho die Haare schneiden. Und in seinen eigenen Salon komme ich natürlich noch viel lieber.“

Imke Harms
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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