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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Die Demonstration, die niemand hört

22.11.2017

Wildeshausen Es geht um sieben Demonstranten, die sich im Vorfeld für ein Gespräch angemeldet hatten: Sie kommen aus Wildeshausen, Hatten, Huntlosen und Delmenhorst. Sie haben sich über das Internet kennengelernt. Einzige Gemeinsamkeit: Sie wollen die Abschaffung des hoch umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat in Unkrautvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein und für das Insektensterben mitverantwortlich zu sein.

„Wir wohnen alle auf dem Land, wir sehen die Auswirkungen. Diesen Sommer hatten wir kaum Schmetterlinge, die Vögel fressen im Herbst Fallobst statt Insekten“, erklärt Ulla Schulz durch eine Atemmaske. Im Dezember läuft die Lizenz durch die EU ab, momentan wird über eine Verlängerung verhandelt.

Deshalb ist die Gruppe zur CDU-Kreisgeschäftsstelle m Mühlendamm gefahren, um dort zu demonstrieren. Denn die Bundes-CDU ist gegen ein Verbot. Nur darüber reden wollte in der Geschäftsstelle offenbar niemand. „Ich habe uns hier vor einer Woche am Dienstag angekündigt“, erklärt Demonstrant Jürgen Beneke. „Heute morgen bekam ich dann eine Mail, dass niemand mit uns sprechen wird. Angeblich war eine Woche zu kurzfristig, um Zeit zu finden.“ Also demonstrieren sie einfach weiter vor einer unbesetzten Geschäftsstelle. Von weitem sieht es aus, als hätten sie sich verlaufen und wüssten nicht genau, wohin.

Die Gruppe ist klein und bunt gemischt, aber die Plakate und Kostüme wirken professionell und nicht selbstgemacht. „Sind sie auch nicht“, erklärt Wortführer Jürgen Beneke aus Huntlosen. Denn die kleine Demo hat gewichtige Hilfe.

Hinter der öffentlichkeitswirksamen Aufmachung steckt die selbsternannte Bürgerbewegung Campact aus Verden. Ein Online-Portal, das sich aus Spenden finanziert und im Internet agiert. Die Themen sind vielfältig: Umweltproblem Plastik, Atomausstieg und eben auch Glyphosat. Über Newsletterkampagnen und Petitionen erreicht die Organisation Interessierte, sammelt Unterschriften und ruft zu Protestaktionen auf. Den Rest machen die Demonstranten selbst. „Es gibt sogar eine Liste, da steht drauf, was man beachten muss, wenn man eine friedliche Demonstration abhalten möchte“, erklärt Beneke, von der Anmeldung bis zum Dialog mit den Gegnern.

Den gibt es an diesem Dienstag allerdings nicht, denn die CDU ist nicht im Hause. Tatsächlich sei Anmeldung zu kurzfristig gewesen, bestätigt CDU-Kreisvorsitzender Dirk Vorlauf im Gespräch mit der NWZ: „Das Thema beschäftigt sowohl den Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley als auch Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen. Aber beide waren verhindert.“ Er selbst sei beruflich unterwegs gewesen. „Ich habe der Gruppe einen anderen Termin angeboten, der wurde aber abgelehnt.“ Grundsätzlich sei er gerne bereit, über das Thema zu diskutieren, so Vorlauf.

Doch Glyphosat hat im Landkreis nicht nur Gegner. Jürgen Seeger ist Vorsitzender des Kreislandvolkes und sieht in dem Mittel große Vorteile für die Landwirte. „Glyphosat ist ein Wirkstoff, der uns sehr geholfen hat“, sagt er auf Anfrage der NWZ. Auch er habe den Eindruck, dass es weniger Insekten gibt, aber dafür sei Glyphosat nicht verantwortlich. „Dafür gibt es ja Experten. Die werden vom Staat eingesetzt, denen muss man dann auch vertrauen.“

Am 31. Dezember läuft die Genehmigung des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat ab. Die Zukunft des Unkrautvernichters ist trotz großen Zeitdrucks weiter offen. Im Expertengremium der EU-Länder gab es in Brüssel bislang keine nötige Mehrheit für eine Verlängerung der Lizenz. Deutschland enthielt sich bislang, weil sich die Regierung uneins war.

Sharon Beatty Redakteurin / Regionalredaktion
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