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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Hunte In Wildeshausen: Wasserkraftwerk soll still stehen

11.04.2019

Wildeshausen Das Wasserkraftwerk in Wildeshausen hat ausgedient. Es soll künftig keinen Strom mehr liefern. Stattdessen sollen Lachse und Meerforellen Vorrang haben. „Die Nutzung der Wasserkraftanlage nach Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit ist nicht möglich“, erklärt Pressesprecher Carsten Lippe vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Hinter dem Begriff der Durchgängigkeit versteckt sich die Maßgabe, dass es den im Fluss lebenden Fischen und Amphibien ermöglicht werden soll, den gesamten Flusslauf zu bewandern.

Ökologische Durchgängigkeit & Unterhaltungsverband Hunte

Ein Fluss ist ökologisch durchgängig, wenn die darin lebenden Fische und Amphibien ungehindert wandern können. Bauten wie Stauanlagen unterbinden solche Wanderungen.

Klassisches Beispiel für die Wanderung von Fischen ist der Lachs, der zum Laichen Flüsse hinaufzieht, während er sein restliches Leben im Salzwasser verbringt. Auch Aale, Meerforellen und Stichlinge sind wandernde Fischarten. Doch auch für Amphibien ist die Wanderung eminent wichtig.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) aus dem Jahr 2000 fordert unter anderem die Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Fließgewässer für Fische und Amphibien.

Zwei Faktoren sind für das funktionierende Ökosystem Fluss wichtig: die Durchgängigkeit und die Strukturvielfalt. Eine solche Vielfalt ist gegeben durch Treibholz, Steine und verschiedene Wasserpflanzen.

Laut dem Zeitplan zur Umsetzung der WRRL in Niedersachsen sollen die Ziele bis 2027 erreicht sein. Ursprünglich war eine Umsetzung bis 2015 geplant.

Aufgabe des Unterhaltungsverbandes Hunte ist die Herrichtung und Erhaltung von zum Verband gehörenden Flächen, Anlagen und Gewässern zum Schutz des Naturhaushalts, Bodens und der Landschaft. Auch die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Land- und Wasserwirtschaft und Entwicklung von Gewässer-, Boden- und Naturschutz zählt zu seinen Aufgaben.

Aktuell befindet sich das Kraftwerk im Eigentum des Landes Niedersachsen. Dies gilt auch für weitere Stauanlagen entlang des Hunteabschnitts von Diepholz-Heede bis Wildeshausen, der 2012 vom Unterhaltungsverband Hunte übernommen wurde. Erst wenn an den Anlagen die Durchgängigkeit durch einen Umbau gewährleistet ist, gehen auch diese Flurstücke in das Eigentum des Unterhaltungsverbandes Hunte über.

Pächter seit 1983

Aktuell sei die Durchgängigkeit am Wasserkraftwerk Wildeshausen nach Angaben von Betreiberin Christine Rebentisch nur minimal möglich. Grund dafür sei die Beschaffenheit des Querbauwerks. Die Familie Rebentisch hat das Wasserkraftwerk seit 1983 gepachtet.

Weitere Anlagen, die von der NLWKN-Betriebsstelle Brake-Oldenburg umgestaltet werden müssen, sind die Stauwehren in Einen (Gemeinde Goldenstedt) und in Colnrade (Samtgemeinde Harpstedt). Eine Umsetzung sei in den nächsten vier Jahren beabsichtigt, sagt Lippe.

Das Kraftwerk, das unter Denkmalschutz steht, bleibt der Kreisstadt aber erhalten. „Als bauliche Anlage muss das Wasserkraftwerk und die Stauhaltung bestehen bleiben, um den Hochwasserschutz für die tieferliegende Bebauung in Wildeshausen weiterhin zu sichern“, erklärt Lippe.

Wann das Kraftwerk stillgelegt werden muss, ist nicht absehbar. Der NLWKN befinde sich in der Planungsphase zum Umbau. Nach Auskunft von Lippe hofft das NLWKN, die notwendige Genehmigung zum Jahresende beim Landkreis Oldenburg beantragen zu können.

Kein Zeitrahmen

„Sobald die Genehmigung vorliegt, besteht unsererseits die vertragliche Möglichkeit gegenüber den Pächtern, die Nutzung als Wasserkraftanlage mit vierteljährlicher Frist zu kündigen“, erklärt Lippe den möglichen weiteren Verlauf. Zum jetzigen Zeitpunkt könnten jedoch keine Aussagen zum Zeitrahmen getroffen werden.

Im Kraftwerk sind zwei Turbinen in Betrieb, die laut Christine Rebentisch jährlich im Durchschnitt eine Million Kilowattstunden Strom liefern können. Mit dieser Menge könnten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes jährlich rund 300 Zwei-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden.

Jahrelanges Planen

Bislang steht zudem nicht fest, wie genau den Tieren die Flusswanderung erlaubt werden soll. Im Jahr 2009 sollte ursprünglich eine Fischtreppe am Werk eingerichtet werden, „Aufgrund der begrenzten Flächen vor Ort kann die Hunte nur durch einen technischen Fischpass durchgängig gestaltet werden“, erklärte die damalige NLWKN-Sprecherin Herma Heyken.

Diese Möglichkeit ist nun scheinbar vom Tisch. „Es wurden sieben verschiedene mögliche Varianten diskutiert und geprüft – die aktuell als Vorzugsvariante präferierte Lösung ist die ,Umleitung’ der Fische über den Umfluter“, sagt Lippe. Dabei handelt es sich um den Hunte Umflutgraben, der beim Pestruper Moor beginnt und hinter dem Werk in den Fluss mündet.

Wichtig dafür, dass eine Umleitung funktioniere, sei vor allem die Lockströmung, erklärt Naturschutz- und Umweltbeauftragter Ralf Siemer vom Fischereiverein Wildeshausen. „Die Fische orientieren sich bei ihrer Wanderung an der Strömung. Die muss im Umfluter also stärker sein, als die Strömung, die durch das Werk fließt.“

Damit dies der Fall ist, darf nur noch entsprechend wenig Wasser durch das Werk geleitet werden – das Aus für die dortige Stromgewinnung. Über Details der Umbaupläne erteilte der NLWKN auf Nachfrage unserer Zeitung keine Auskunft.

Jahrelanges Warten

Laut Siemer wartet die gesamte Fischerei seit mehreren Jahren darauf, dass „endlich was passiert. Wir sind sehr glücklich, dass es soweit ist“, gibt er zu.

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Wer das Wasserkraftwerk in Zukunft in welcher Form betreiben wird, ist unklar. „Die Verhandlungen hierzu befinden sich in der Schwebe“, heißt es hierzu vom Unterhaltungsverband.

Christine Rebentisch wünscht sich, dass der Betrieb weiterlaufen und das Kraftwerk auch in Zukunft sauberen Strom produzieren kann, auch nach dem Umbau.

Daniel Kodalle Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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