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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

„Pflegekinder“ mit nasser Schnauze

29.07.2019

Wildeshausen Etwas ungeschickt wirkt Neff, ein mittelgroßer Mischlingsrüde, als er durch die Küche tapst. „Er müsste jetzt so 13 oder 14 Jahre alt sein“, schätzt Michaela Granel, während sie den Hund beobachtet. „Er tüdelt sich so zurecht.“ Was die Wildeshauserin damit sagen möchte: Neff ist taub und sieht kaum etwas. Vor drei Jahren ist die 47-Jährige im Internet durch die deutschlandweit agierende Dobermann-Nothilfe auf ihn aufmerksam geworden. Zusammen mit Dackelmischling Ducky lebt er mittlerweile seit drei Jahren bei Michaela Granel. Die Wildeshauserin nimmt neben den Pflegehunden Igel, Eichhörnchen und Katzen bei sich auf.

Weniger Igel abgegeben

„Vor 20, 25 Jahren habe ich mich mit einem Igel beschäftigt, den ich gefunden habe.“ Seitdem können kranke oder verletzte Igel bei ihr abgegeben werden. „Es wird aber ruhiger. Anfangs hatte ich über den Winter verteilt 60 bis 70 Igel hier, jetzt sind es 25 bis 30.“ Ihre Vermutung: Für die stacheligen Tiere ist das Nahrungsangebot geringer geworden. „Steingärten sehen schön aus – aber für die Tierwelt sind sie nicht optimal“, bedauert Granel. Dies seien aber nur Vermutungen: „Es kommt ja immer mal wieder in der Natur vor, dass es geburtenschwache Jahre gibt.“ Ihr Tipp an Steingarten-Besitzer, um etwas Gutes für Igel zu tun: Strauchgut zwischen Trenngitter legen.

Neben der sinkenden Zahl der abgegebenen Tiere blickt Granel verärgert auf eine andere Entwicklung: die Aggression mancher Menschen. „Teilweise wurde ich noch um 22 Uhr angerufen – ab 20 Uhr schalte ich jetzt mein Handy aber aus. Manche Leute verstehen nicht, dass ich nicht jeden Igel aufnehmen kann. Dann habe ich zehn da und ab dem elften ist Schluss. Die Leute werden richtig patzig – das ist in den vergangenen fünf, sechs Jahren schlimmer geworden.“ Die Wildeshauserin bittet um Verständnis: „Ich mache das ehrenamtlich. Ich finanziere mich über Spenden und durch mein eigenes Geld“, sagt Granel, die sich auf dem Gnadenhof Stay Forever in Wildeshausen und beim Tierschutzverein Oldenburg Zweigstelle Wildeshauser Geest engagiert. Hauptberuflich arbeitet sie bei einem Wildeshauser Unternehmen als kaufmännische Angestellte.

Ihr Tipp, wenn noch spät abends ein möglicherweise verletzter oder unterernährter Igel gefunden wird: „Ihn in einen Pappkarton legen, eine handwarme Wärmflasche, Wasser, ein gekochtes Ei dazulegen und am nächsten Tag zum Tierarzt gehen.“ Oft würde sich herausstellen, dass es den Igeln gut gehe. Sie warnt davor, vorschnell zu handeln: Wenn ihr gesunde Igel gebracht würden, sei dies schade, da sie von ihrem Zuhause weggenommen würden. „Igel sind sehr ortsgebunden. Hilfreiche Informationen gibt es auch unter www.igelkomitee-hamburg.de und www.pro-igel.de“, sagt sie.

Landen angefahrene, vergiftete oder alleinlebende kleine Igel dann doch bei Granel, dauert es zwei bis acht Wochen, bis sie aufgepäppelt sind. Jedes Tier kommt separat in eine Wanne. Es bekommt unter anderem Maden und Katzenfutter zu fressen. „Dann kommen die Igel in den ausgedienten Hühnerstall, um sich dort an die Außentemperatur zu gewöhnen.“ Anschließend werden sie im Waldstück, das sich gegenüber von Granels Haus befindet, ausgewildert.

Ganz so einfach sei das bei Eichhörnchen, die sie bei Bedarf auch ab und zu aufnimmt, nicht: „Sie gewöhnen sich an meine Stimme und kommen immer wieder zurück. Deshalb muss ich sie in einem anderen Waldstück aussetzen.“ Bis vor zwei Wochen hat sie ein Eichhörnchenbaby bei sich aufgenommen. „Es war lange da, weil es nicht loslassen wollte.“ Wachsen die Babys jedoch und bekommen ihre Körperspannung, werden sie aktiv. „Sie kommen dann in die Außenvoliere. Jeden Tag muss ich neue Zweige reinhängen, weil sie alles anknabbern.“

Während Granel erzählt, springt Dackelmischling Ducky auf ihren Schoß. „Es war teilweise schwierig mit ihm – mittlerweile ist er freundlich“, sagt sie, während sie den Hund streichelt. Neun Pflegehunde hat sie über die Jahre bisher aufgenommen. „Ein Einäugiger war dabei, ein Dreibeiniger – der ist aber ganz schön schnell gelaufen. Neff war im Wald angekettet.“

Kinder unterstützen

Auch Pflegekatzen nimmt Granel auf. Unterstützung bekommt sie von ihrer 16-jährigen Tochter Kristina und ihrem 20-jährigen Sohn Niklas. „Kristina findet es toll und spannend, sie arbeitet mehrere Jahre schon mit Ducky, Niklas ist sehr oft auf dem Gnadenhof aktiv.“ Und auch Michaela Granel ist die Begeisterung für ihre ehrenamtliche Tätigkeit anzumerken. Schließlich, so findet sie mit einem Augenzwinkern, wäre ein Hund ohne Vorgeschichte doch langweilig.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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