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Aktualisiert vor 13 Minuten.

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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Wolf: Reiterhöfe sollen keine Festung werden

04.11.2017

Wildeshausen /Kleinenkneten /Mahlstedt Auf dem Reinershof wird artgerechte Pferdehaltung groß geschrieben. Die rund 45 Tiere wohnen zum größten Teil in sogenannten Offenställen – also auf einer Weide oder Sandfläche mit Unterständen und Holzhütten, auf der die Herde ganzjährig zusammen lebt. Fakt ist: Fast alle Pferde laufen tags wie nachts frei herum. Und sind damit potenzielle Opfer für einen hungrigen, streunenden Wolf.

„Das Thema ist durchaus latent da. Ich habe nicht jede Nacht panische Angst, aber wir machen uns so unsere Gedanken“, erzählt Tanja Erdmann, die seit elf Jahren den Reinershof gemeinsam mit ihrem Ehemann leitet.

Rund um die Uhr draußen

Zu dem Hof gehören etwa zehn Hektar Land. „Pferde sind Lauftiere. Unsere verbringen die Sommermonate rund um die Uhr auf weitläufigen Weiden. Die sind aber nicht alle vom Hof sichtbar“, äußert Erdmann ihre Bedenken.

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Auch Julie Brüning, die mit ihrem Mann in Mahlstedt einen Pensions- und einen sogenannten Aktivstall betreibt, ist sich der Gefahr durch den Wolf bewusst. „Aktuell ist es hier bei uns noch kein Thema“, ist sie dankbar. Boxenpferde seien nachts im Stall, der Aktivstall nah am Haus und mit 7000 Volt Stromlitzen gesichert.

Spezielle Zäune gefragt

Die Zäune bei Erdmanns haben eine Höhe von 1,50 Metern und sind damit höher als gefordert. „Das ist eine sehr gute Höhe, am besten ist es, wenn vier Litzen gespannt werden: die unterste nur knapp 20 Zentimeter über dem Boden, die oberste ganz oben“, rät der Wolfsberater für den Landkreis Oldenburg, Carsten Sauerwein. Er wisse, dass die Pflege dieser unteren Litze für einige Hofbetreiber ein Problem sei. „Schnell wächst sie ins Gras ein, der Strom wird in den Boden geleitet und dann nützt die gute Umzäunung wenig.“ Wenn man diese Zaunart in Betracht zieht, müsse sie regelmäßig freigeschnitten werden. „Hier müsste meiner Meinung nach die Politik reagieren“, sieht Sauerwein Bedarf an Unterstützung.

Auf dem Reinershof gibt es drei Hunde. „Wenn die an eine Litze kommen, dann jaulen die kurz und laufen weiter. Ich denke, wenn ein Wolf wirklich hungrig ist, lässt er sich nicht von einem Stromschlag abschrecken.“

Ähnlich denkt auch Julie Brüning. Ihre größte Sorge sei sowieso nicht, dass ein Pferd vom Wolf gerissen wird: „Pferde fallen normalerweise ja nicht ins Beuteschema. Sie sind zu schwer und zu groß, wehrhaft und in einer Herde auch schlecht angreifbar. Aber es würde ja genügen, wenn die Herde gejagt wird. Das sind Fluchttiere, sie könnten panisch durch die Umzäunung brechen“, malt sie sich eventuelle Folgen aus. Dann nämlich bestünde die Gefahr, dass sie auf Straßen liefen, Autofahrer und sich selbst gefährdeten.

Diese Möglichkeit zieht auch der Wolfsberater eher in Betracht als ein getötetes Pferd. Im Landkreis Oldenburg sind bisher keine Fälle bekannt, bei denen nachgewiesen werden konnte, dass Verletzungen an Ponys eindeutig vom Wolf stammten. „Hundertprozentig ausschließen konnte man es aber auch nicht. Es gilt also wachsam zu sein. Auch wir Wolfsberater sind noch im Lernprozess inbegriffen und müssen einige Angaben immer mal korrigieren.“ Auf der Internetseite www.wolfsmonitoring.com können sich besorgte Pferdehalter über die derzeit 14 Rudel informieren.

Vorsicht bei den Kleinen

Die nächste Möglichkeit, an den Zäunen etwas zu verändern, seien stromdurchflutete Gitternetze. „Aber das kann man bei unserer Landgröße erstens nicht bezahlen und zweitens wollen wir den Hof nicht zur Festung umrüsten und hermetisch abriegeln“, sagt Tanja Erdmann.

Am meisten sorge sie sich um die kleinen Ponys und die alten Tiere. Die vier Shetlandponys blieben daher das ganze Jahr über nah am Haus. „Zwei der Hunde schlafen nachts auf der Diele im Stall und schlagen auch an, sobald was ist. Das ist dann natürlich jedes Mal ein richtiger Schreck“, gibt Erdmann zu. „Genau richtig“, bestätigt Sauerwein. „Wenn Pferdehalter die Möglichkeit haben, ohne größeren Aufwand nachts aufzustallen, sollten sie es ruhig tun. Schon allein fürs Gefühl.“

Im vergangenen Jahr gab es auf dem Reinershof ein Fohlen. „Das haben wir jede Nacht in den Stall geholt, es war uns zu unsicher, es draußen zu lassen“, erzählt Tanja Erdmann Die empfindlichen Stellen der kleineren Tiere – also Flanken und Kehle – seien einfach zu sehr auf Höhe des Wolfes. „Bei den Großpferden denke ich schon, dass sie erst fliehen und sich bei einem Nahkampf im Notfall auch mit Tritten wehren würden. Aber wir haben hier auch sehr viele ältere Tiere, die nicht mehr so gut sehen oder hören können und im Zweifelsfall vielleicht zu spät reagieren.“

Tanja Erdmann bezeichnet sich als große Naturfreundin und -schützerin. „Ich bin dafür, Arten zu erhalten und zu schützen. Aber der Wolf kann hier in der Gegend ja nicht mehr so leben, wie es für ihn angemessen wäre.“ Sie sei zwiegespalten, was den Umgang mit dem Wolf angehe. Ihrer Meinung nach sollten Wölfe Platz haben, wild jagen können und sich nicht dort aufhalten müssen, wo das Land dicht besiedelt ist. „Ist ja klar, dass sie irgendwann an die Nutztiere gehen, wenn sie zu wenig im Wald reißen können. Das muss man so gut es geht verhindern“, fügt sie hinzu. Julie Brüning befürchtet, dass erst „etwas Schlimmes passieren muss, bis wirklich etwas getan wird.“

Pferde bleiben draußen

Für die Pferde bedeutet die Sorge der Besitzer nicht, dass sie in Zukunft komplett im Stall stehen müssen. Zwar wisse sie auch nicht, wie sie reagieren würde, wenn nachts wirklich ein Wolf auf dem Hof stünde. Sie hoffe darauf, dass diese Situation einfach nie eintrete, so Erdmann. „Wenn es jetzt vermehrt in der unmittelbaren Umgebung Vorfälle geben würde, die zweifelsfrei dem Wolf zugeordnet werden können, müssen wir uns über unsere Sommerweiden erneut Gedanken machen.“

Bis dahin bleibt es wie es ist: Pferde sind Lauftiere und dürfen auf dem Reinershof und auf Hof Brüning weiterhin draußen laufen.

Imke Harms Reporterin / Redaktion Wildeshausen
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