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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

„Schmerzfreiheit hat oberste Priorität“

06.10.2018

Wildeshausen /Landkreis Fünf Jahre lang hatte die Politik Zeit, ein Gesetz umzusetzen; jetzt geht es in die Verlängerung. Die Spitzen der Großen Koalition in Berlin wollen das ab Januar 2019 geltende Verbot für die betäubungslose Ferkel-Kastration noch einmal um zwei Jahre verschieben. Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und die Verbände hätten sich nicht um praktikable Lösungen gekümmert, erklärt die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Susanne Mittag. Dabei sei die Gesetzeslage eindeutig.

Die Delmenhorster SPD-Abgeordnete moniert, dass Vermarkter und Verbände stets auf „die Verbraucher“ verweisen, aber offenkundig eigene Interessen verfolgten. Sauenhalter seien verunsichert. Da bis zu zehn Prozent der Ferkel einen unangenehmen Ebergeruch entwickeln, werden offiziellen Angaben zufolge in Deutschland jährlich 20 Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Dabei gebe es längst Alternativen, erklärt die Tierschützerin. So würde in Belgien, aber auch in Australien, seit vielen Jahren die genannte Immunokastration praktiziert. Dabei werde den Ferkeln während der Aufzucht ein Antikörper gespritzt, der die Hormonproduktion und damit Geruchsauffälligkeiten unterbinden soll.

Mittag zufolge gibt es drei realistische Alternativen zur betäubungslosen Kastration:
  eine Ebermast ohne Kastration,
  das Impfen mit Hormonen. Die Branche sieht diese Immunokastration allerdings kritisch. Viele Schlachthöfe neben die Eber nicht ab, weil sie einen Anteil „Stinker“ darunter vermuten. „Wir können doch nicht Tiere mästen und dann in die Tonne tun“, empört sich Kreislandwirt Jürgen Seeger. Die Tierschutzbeauftragte dagegen sagt, einige große deutsche Handelsketten würden die Immunokastration längst akzeptieren.
  Und drittens: eine Kastration unter Vollnarkose. Dabei wird auch eine Spitze gegen den Wundschmerz gegeben. Das Problem: Diese Prozedur dürfen in Deutschland nur Tierärzte machen. Der Einsatz würde sehr teuer für den Landwirt – und letztlich auch für den Verbraucher.

In den Nachbarländern wie Dänemark und den Niederlanden dürfen Sauenhalter bereits eine Lokalanästhesie durchführen. Mittag hat sich vor Ort informiert. Das in Dänemark verwendete Medikament sei nicht zulässig, weil es den Schmerz nicht komplett ausschaltet, so die SPD-Politikerin. In den Niederlanden werde CO2 eingesetzt, das Erstickungsanfälle erzeuge.

Kreislandwirt Seeger erklärt, die Alternativen seien in den vergangenen Jahren gar nicht ernsthaft geprüft worden. „Nicht wir Landwirte haben den Schwarzen Peter!“

Aus Sicht der Tierschutzbeauftragten muss die Schmerzfreiheit bei der Kastration oberste Priorität haben. Mittag plädiert dafür, die zwei Jahre zu nutzen, um „eine bombenfeste Regelung“ zu finden. Sie kann sich vorstellen, dass Sauenhalter trainiert werden, um Ferkel mit Hilfe einer Maske zu narkotisieren, dann zu kastrieren und eine Spritze gegen den Wundschmerz zu geben. In der Schweiz gebe es die Inhalationsnarkose bereits flächendeckend bei der Ferkelkastration. Zudem lägen unabhängige Studien vor. Die Landwirte sollten bei der Umstellung unterstützt werden, fordert die SPD-Politikerin.

Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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