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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Heuballen werden immer teurer

17.08.2018

Wildeshausen /Landkreis Wer dieser Tage in Online-Anzeigenportalen das Stichwort „Heu“ eingibt, stößt auf weitaus mehr Gesuche als auf Angebote. Wer kaufen möchte, stellt schnell fest: Der Landkreis Oldenburg ist praktisch leergekauft. Aufgrund der langen Trockenphase konnte nur ein kleiner Teil dessen an Gras geerntet und zu Heu getrocknet werden, was sonst auf den Markt gelangt.

Das betrifft insbesondere Pferdehalter, die auf gutes Heu als Grundfutter angewiesen sind. Wer sein Lager jetzt noch nicht für den Winter gefüllt hat, muss nicht nur weit fahren, sondern auch tief in die Tasche greifen: Bis zu 100 Euro rufen Anbieter aus dem norddeutschen Raum für einen Rundballen auf. Ohne Frachtkosten, versteht sich.

„Die Preise für Heuballen sind teilweise um hundert Prozent angestiegen“, berichtet Tanja Erdmann, die in Kleinenkneten den Reinershof betreibt. Sie hat ihre Lager frühzeitig gefüllt – schon als ihre Lieferanten das erste Mal mähten. Doch ob die eingelagerte Menge auch bis zum Frühjahr reicht, ist unsicher. „Wie lange der Winter geht, ist jetzt noch nicht abzusehen“, sagt Erdmann. Zudem füttert sie die 46 Pferde auf dem Hof bereits seit Ende Juli mit Heu und muss so bereits auf die Vorräte zurückgreifen, die eigentlich für die kalte Jahreszeit gedacht sind.

Dass viele Pferdehalter schon jetzt einen Teil ihrer Wintervorräte aufgebraucht haben, liegt daran, dass die Weiden ausgetrocknet und kahlgefressen sind. Als Ersatz für nahrhaftes Gras wird Heu zugefüttert. Erdmann hat dieses bereits mit Stroh gestreckt, damit die Pferde länger darauf kauen. Die Tiere stehen zudem bereits in ihren Winterquartieren und nicht mehr auf den kahlgefressenen Weiden. Dreimal am Tag werden sie nun gefüttert. Im vergangenen Jahr wurden die Pferde erst Mitte Oktober von den Koppeln geholt.

„Wenn ich noch Heuballen bekommen könnte, würde ich sie nehmen“, sagt Erdmann. Doch große Hoffnung hat sie nicht mehr. Denn selbst wenn es die nächsten Wochen ausreichend regnen würde und ein weiterer Schnitt möglich wäre, würde das Gras nicht mehr ausreichend trocken werden, damit es als Heu an die Pferde verfüttert werden könnte.

Grundfutterbörse der LWK

Aufgrund der seit Monaten andauernden Trockenheit und Hitze hat die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen gemeinsam mit dem Grünen Zentrum Niedersachsen eine Grundfutterbörse im Internet organisiert. Dort können landwirtschaftliche Betriebe verfügbare Mengen an Heu sowie Grassilage anbieten oder nachfragen.

Zu erreichen ist das ortal als Desktop- und Tablet-Version unter www.lwk-niedersachsen.de/marktportal

Dass viele Pferdehalter, aber auch Landwirte mit Viehzucht im Landkreis Heu und Grassilage aus anderen Regionen zukaufen müssten, berichtet auch Jürgen Seeger, 1. Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes. Teilweise sei nur ein Drittel der üblichen Menge an Gras eingebracht worden. „Der zweite Schnitt ist komplett weggefallen“, erklärt er. Ob es noch einen weiteren gibt, hält auch Seeger für unwahrscheinlich: „Das Gras ist verbrannt und ab Ende August lässt das Wachstum nach.“ Im Durchschnitt gebe es vier Schnitte pro Jahr.

Besonders betroffen von der Futtermittelknappheit seien Landwirte, die in den vergangenen Jahren nicht selbst geheut, sondern zugekauft hätten. Einige würden bereits Rinder verkaufen, damit sie weniger Futter benötigten und so über den Winter kämen, erklärt Seeger. Aufgrund des großen Angebots seien daher bereits die Preise für die Rinder eingebrochen. Die Kosten für zugekauftes Futter, das teilweise aus dem Ausland bezogen wird, sind dagegen stark angestiegen.

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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Renke Hemken-Wulf Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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