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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Landkreis prangert Ausbeutung von Arbeitnehmern an

22.11.2018

Wildeshausen /Landkreis „Eine erschütternde Darstellung.“ So hat die Ausschussvorsitzende Hannelore Hunter-Roßmann (SPD) den Vortrag von Piotr Mazurek zusammengefasst. Es ging um die Ausbeutung von Arbeitnehmern aus ost- und südosteuropäischen EU-Staaten im Landkreis. Und auch bei den weiteren Mitgliedern des Integrations- und Gleichstellungsausschusses des Landkreises rief die Präsentation im Wildeshauser Kreishaus deutliche Reaktionen hervor.

FDP-Frau Marlies Pape: „An die Menschlichkeit zu appellieren reicht da nicht – wir müssen Fakten schaffen.“ „Ich finde es zum Teil sehr beschämend“, monierte Sven Erichsen (AfD).

Komplexes Thema

Das Ergebnis nach einer rund einstündigen Diskussion: Alle Mitglieder stimmten dem Beschlussvorschlag des Ersten Kreisrats Christian Wolf zu, eine „kleine und wirkungsvolle“ Steuerungsgruppe in 2019 einzurichten. Sie dient dem Zweck, ebensolcher Ausbeutung im Landkreis entgegenzutreten. Bei Bedarf müsste die Gruppe Ämter hinzuziehen, Gemeinden dürften nicht außer Acht gelassen werden. Aus der Gruppe müssten zudem regelmäßig Berichte erfolgen. „Das Thema ist vielschichtig und komplex“, fasste Wolf zusammen. Einen Einblick in diese komplexe Thematik gab Mazurek.

Er arbeitet für die Beratungsstelle Faire Mobilität in Oldenburg. Die Beratungsstelle gehört zum Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie soll helfen, gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchzusetzen. Mazureks Fazit für den Landkreis Oldenburg: „Die Situation sieht nicht viel anders aus als in anderen Landkreisen.“

Bulgaren, Rumänen und Polen würden oft vorrangig in der Fleischindustrie eingesetzt, sie lebten häufig in baufälligen Häusern. Hier spiele besonders die niedrige Entlohnung eine Rolle. Wenn sich Mitarbeiter der „Fairen Mobilität“ im Rahmen von Aktionen vor Schlachthöfen positionierten, „dann haben viele Angst mit uns zu sprechen“. In Kasernensiedlungen klebten immer wieder neue Namensschilder an den Türen, „wir wissen nicht, wie viele Menschen da gemeldet sind“. Durch die Wohnsituation seien die Arbeitnehmer oft isoliert, aufgrund von wechselnden Arbeitsschichten gebe es bezüglich der Beratungsstunden eine große Planungsunsicherheit. Ein Problem seien auch die fehlenden Deutschkenntnisse.

„Zu platt zum Lernen“

Die Sprachbarriere führe wiederum zu breitgefächerten Problemen, gab Elke Szepanski (Grüne) zu bedenken. „Wir brauchen da zeitnahe Vernetzungen.“ Kreszentia Flauger (Linke) ergänzte dazu: „Diese Leute sind zu platt, um noch Deutsch zu lernen.“ Der Grund: Sechs-Tage-Wochen, Arbeitszeiten von bis zu 15 Stunden am Tag. „Es gibt da Gesetzesverstöße und wir kommen nicht ran.“

Wolfgang Sasse (CDU) sagte, dass die „Brennpunkte“ in Ahlhorn und Wildeshausen liegen würden, mahnte aber auch an: „Wir dürfen nicht alle Unternehmen über einen Kamm scheren.“ Von einem positiven Beispiel für die gerechte Behandlung von ost- und südosteuropäischen Arbeitnehmern berichtete Wolfgang Däubler (UWG) – appellierte aber gleichzeitig an den Konsumenten, Billigfleisch nicht zu kaufen.

Man müsse in allen Bereichen den Hebel ansetzen, sagte Dirk Vorlauf (CDU), „am schwierigsten ist wohl der Hebel am Konsumenten“.

Der Präsentation Mazureks war eine Vorstellung von Ergebnissen eines Workshops vorausgegangen. Er war von der Kreisverwaltung im September ausgerichtet worden und beschäftigte sich mit dem Thema. Die Stichworte, die Ute Frankenfeld im Resümee vorstellte: Gebraucht werden, Vernetzung, Beratung, Dolmetscher.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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